Wie kurznachrichte ich sicher?

Was wollen wir überhaupt erreichen, wenn wir jemandem eine Kurznachricht senden und warum sollte dies denn überhaupt sicher sein?
Fragen über Fragen, aber gut ist es, wenn wir uns diesen stellen.
Denn dann können wir erst bewerten, worauf es uns dabei ankommt.
Wenn es euch gänzlich egal ist, dann solltet ihr an dieser Stelle aufhören weiterzulesen und postet stattdessen lieber ein Selfie von eurem nächsten Schritt in eure Datenunmündigkeit.
Wir anderen überlegen uns, was wir erreichen wollen.

Was kurznachrichte ich?

Nun, wir sprechen hier von KURZnachrichten.
140 Zeichen.
Da lässt sich jetzt eine längere philosophische Betrachtung der Notwendigkeit von Gut und Böse in einer dualistischen Welt eher schwerlich abhandeln (schon diesen Titel bekommen wir nur unter schmerzlichen Kürzungen zustande).
Eine KURZnachricht sollte einen KURZEN Inhalt in der Form von
Ich komme um 14 Uhr am Bahnhof an.” haben.
Gut, ein bissel länger geht schon, aber ich denke, ich habe mich verständlich gemacht.
Meine Aussage hinsichtlich eines kurzen INHALTs sehe ich auch noch aus einem anderen Blickwinkel:
Habe heute wieder ein lila-getupftes Hemd an! Toll!!!1!!! 🙂” ist zwar kurz, aber kein INHALT.
Können wir also vergessen.
Um dies jetzt aus Sicht von “wie kurznachrichte ich sicher” zu sehen, empfehle ich einen Dienst, der die INHALTE verschlüsselt.
Das macht mittlerweile fast jeder. Sogar WhatsApp. Wenn alle beteiligten Kommunikationspartner die aktuelle Version haben.
Wenn euer Messenger das nicht kann, dann sucht euch einen anderen.

Was bedeutet “sicher”?

Welche Sicherheit streben wir nun an, wenn wir sicher kurznachrichten wollen?

  • Meine Nachricht soll nicht mitgehört werden.
    Das erreichen wir – wie bereits erwähnt – dadurch dass wir unsere Kommunikation verschlüsseln. Dies bieten – wie auch bereits erwähnt – mittlerweile die meisten Dienste an. Wenn uns das ein Bedürfnis ist und unser aktuell genutzter Dienst das nicht bietet, ist meine Empfehlung (wie bereits erwähnt): sucht euch einen anderen Dienst.
  • Ich will sichergehen, dass ich wirklich mit demjenigen kurznachrichte, mit dem ich denke, dass ich kurznachrichte.
    Auch für die Aufgabenstellung der Authentifikation bieten die meisten Anbieter von Kurznachrichtendiensten eine Lösung. Das kommt quasi im Zuge der Veschlüsselung mit oben drauf, dass die Nachrichtenaustauscher die Möglichkeit haben, zu überprüfen, dass tatsächlich sie miteinander kurznachrichten und nicht irgendjemand sich in die Leitung geklemmt hat.

Als weiteres Schmankerl der hier verwendeten Kryptografie ist weiterhin die Möglichkeit inkludiert, zu überprüfen, ob die Nachricht auf der Strecke von A nach B verändert wurde.
Wenn ich jetzt also schreibe:
Ich komme um 14 Uhr am Bahnhof an.” und meine Nachricht wird auf dem Weg in: “Ich komme um 15 Uhr am Bahnhof an.” geändert, führt dies nur zu Ungemach und Ärger, wenn der Empfänger der Nachricht nicht feststellen kann, dass die Nachricht geändert wurde.

Ist Anonymität möglich?

Meiner Ansicht nach: nein.
Im Kurznachrichtendienstbereich ist keine Anonymität möglich, da wir immer digitale Spuren hinterlassen.
Schon allein dadurch, dass wir (meist) unsere Handynummer angeben müssen, damit unsere Nachrichten uns erreichen, ist das mit der Anonymität schon mal Essig.
Mike Kuketz hat das Thema Anonymität im Internet in seinem Blog sehr schön beleuchtet.
Außerdem gibt es ja noch das Über-Thema der Metadaten, die fallen halt einfach an!

Metadaten werden immer gesammelt

Da auch die dateninteressierten Anbieter der Kurznachrichtendienste mittlerweile begriffen haben, dass der Inhalt der meisten Nachrichten nicht die Bits und Bytes wert sind, die dafür ihr digitales Leben lassen mussten, haben auch so fortschrittliche Anbieter wie WhatsApp den Schritt zur Verschlüsselung der Kommunikation getan.
Es sind die Metadaten, die unsere Kommunikation so wertvoll machen.
Wer mit wem, wann, wie oft, wo?
Dies sind die Fragen, welche die Datenschürfer interessiert – und auf die sie auch alle Antworten bekommen. Unabhängig davon, ob die Nachrichten verschlüsselt sind.
Die Inhaltsleere der Nachrichten ist den Datenjägern und -sammlern längst bewusst. Die für sie wertschöpfende (und uns ausbeutende) Korrelation findet mehr als ausreichend über die Metadaten statt.

Beschränke dich!

Aber was können wir gegen diese perfide Art der Überwachung unternehmen?
Heulen und zähneknirschen?
Hilft – solange wir während dessen nicht auch in der Gegend herum texten:
Heule und zähneknirsche gerade!!!1!!!!1!
Nein, beschränken wir uns.
Liefern wir keine Metadaten.
Wir haben doch auch überlebt (und besser möchte ich meinen), als wir nicht alle sieben Minuten unseren geistigen Sondermüll in der virtuellen Gegend herumgeschickt haben!
Datensparsamkeit ist die einfachste und wirksamste Maßnahme, um die Datengier einzubremsen.
Außerdem tun wir uns und unseren Kommunikationspartnern einen riesigen Gefallen, wenn wir den Datenmüllberg nicht noch um etliche sinnlose Daten erhöhen.

Das hohe Lied auf Open Source

Es gibt so ein paar grundlegende Eigenschaften, die im Bereich sichere Kommunikation einfach immer wieder auftauchen.
Und dazu gehört auch Open Source.
Software, die sich ernsthaft mit Verschlüsselung beschäftigt, sollte eben Open Source sein.
Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass

  • die Algorithmen richtig implementiert sind
  • keine Hintertüren eingebaut sind

Darum werde ich hier auch nicht müde zu sagen:
Achtet darauf, dass der Messenger den ihr einsetzt, Open Source ist.
Und WhatsApp ist das eben nicht.

Vielseitigkeit

Seid nicht so einseitig.
Hängt eure Gunst nicht an einen Schreihals, bloß weil dieser die meisten Datenschleudern hat.
Was wollt ihr denn?
Die Welt erreichen?
Dann ist der Weg über Kurznachrichten meiner Ansicht nach sowieso der Falsche.
Mit Kurznachrichten will ich einen oder maximal eine handvoll Empfänger erreichen – mehr nicht.
Dazu muss ich nicht den Dienst wählen, der die meisten Teilnehmer hat, sondern den Dienst, den mein Empfänger nutzt. Und das kann ich ganz individuell mit diesem Empfänger auskaspern.
Daher mein Rat:
Nutze doch einfach mehrere Anbieter und stifte ein wenig Verwirrung um deine Kommunikationswege.

Und was bleibt mir sonst?

Kurznachrichtendienste sind ja nicht die einzige Möglichkeit, um miteinander in Kontakt zu bleiben.
Schreibt doch einfach mal eine Postkarte.
Ist auch kurz (sogar, wenn man klein schreibt, länger als 140 Zeichen).
Liest auch kein Mensch.
Ist zwar offen, aber so offensichtlich, dass hier niemand große Geheimnisse erwartet. Das sieht auch Hans Magnus Enzensberger in seinen „Regeln für die digitale Welt“ so.
Außerdem ist eine Postkarte deutlich anonymer als jede digitale Kurznachricht 🙂
Und wenn jetzt hier Gemaule über die Laufzeiten von Postkarten losbricht:
Mir geht es um KURZnachrichten, nicht SOFORTnachrichten!

TL;DR

  • Mehr Inhalt statt Datenmüll: Was kurznachrichte ich
  • Was ist schon Sicherheit: Confidentiality, Integrity, Authenticity
  • Anonym ist anders: Das kriegen wir hier nicht
  • Hättest du geschwiegen wärest du geheim geblieben: Datensparsamkeit
  • Die Quelle aller Sicherheit: Open Source
  • Sei bunt, sei vielseitig, sei frei!
  • Snail Mail rules: ein Hoch auf Postkarten

Und jetzt?
Schweigen und die Sonne genießen. Ohne es zu posten.

Teilen ist teilen, aber posten ist Selbstaufgabe

Schwere Worte, junger Padawan, aber wie komme ich zu so einer Aussage?
Schauen wir uns erstmal an, was teilen denn bedeutet.
Teilen”, so sagt es Wikipedia, “ist das gemeinsame nutzen einer Ressource.“.
Das bringt es ganz deutlich auf den Punkt. Wikipedia führt an dieser Stelle auch weiter aus, dass wir hier zwischen materiellen Gütern und immateriellen Gütern, wie etwa Wissen, Meinungen, Ideen und ähnlichem unterscheiden.

Meins ist meins – aber ich teile es mit dir

Schauen wir uns kurz – nur ganz kurz, denn es geht mir hier hauptsächlich um immaterielles – das Teilen von materiellen Gütern an.
Was würde ich mit anderen teilen?

  • Meine Bohrmaschine?
    Sicher. Ich bin nicht so verbunden mit meinem Bosch Schlagbohrer, als dass ich es nicht verkraften würde, diesen nicht – oder nicht so wie ich ihn hergab – zurück zu erhalten.
    Also ganz klar: teilen!
  • Mein Auto?
    Hmm, schon schwieriger (zumal ich keines habe 😉 – aber nur mal angenommen), denn hier hängt doch klassischerweise einfach mehr Herzblut am heiligen Blechle, als dass ich es einfach so teilen würde.
    Aber geht auch noch!
  • Meine Wohnung?
    Oh, da kommt doch plötzlich noch eine ganz andere Facette hinzu: hier teile ich meine Privatsphäre mit anderen (oder ich bin ein Mönch und lebe in einer Zelle, in der nichts persönliches von mir vorhanden ist…) und lasse sie an meinem Innersten teilhaben.
    Schwierig.
  • Meine Lebensgefährtin!?
    Also für mich ist an dieser Stelle ganz klar das Ende der teilenden Fahnenstange erreicht.
    Und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen kann ich nichts teilen, was mir nicht gehört (diesen Gedanken behalten wir, geneigter Leser, bitte für den Teil über Immaterielles im Hinterkopf). Weiterhin, und auch dieser Stelle fällt mir wieder “Keine Macht für niemand” von Ton, Steine, Scherben ein:
    Keiner hat das Recht, Menschen zu regier’n.
    und es läuft einfach der anarchischen Ideen meiner Lebensgestaltung quer, über andere Menschen zu bestimmen.
    Und letztlich ist meine Lebenspartnerin Part in meinem Leben.
    Teilen? No way, Jose!

Sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten

Gedanken, Ideen, Wissen und auch Bilder…auch Bilder – das sind die immateriellen Güter, die mir besonders am Herzen liegen. Dies ist, was ich schützen will und dies ist auch, worum es mir hier an erster Stelle geht.
Wir teilen diese Güter, unserer Innerstes mit.
Hier ist schon die ganz klare Unterscheidung zu materiellen Gütern. Wenn wir Ideen, Gedanken oder Bilder teilen, geben wir immer einen Teil von uns mit.
Wir können das Bild, den Gedanken, das Wissen ja im selben Moment weiter nutzen, im Gegenteil zur Bohrmaschine, die wir unserem Nachbarn ausgeliehen haben.
Und weiterhin geben wir auch etwas von uns preis: derjenige, dem wir etwas mitteilen, dem öffnen wir uns und zeigen ihm auch einen Teil unserer Privatsphäre. Wir vertrauen dem anderen, dass er dieses Wissen, dieses Bild, diese Idee von uns nicht gegen uns verwendet, uns damit Schaden zufügt.
Und was auch ganz wichtig an diesem Aspekt von Mitteilung ist:
wir bleiben Besitzer und Ideengeber dieser immateriellen Teilhabe (noch schöner gefällt mir Teilgabe).

Posten ist Selbstaufgabe

Was wir jedoch im Bereich unsozialer Plattformen sehen als Postings hat nichts mit teilen zu tun – das ist bestenfalls digitaler Exhibitionismus.
Das ständige virtuelle, virulente Ausbreiten seines eigenen banalen Lebens hat keine Gemeinsamkeit mit teilen.
Es bringt niemandem etwas, es ist nicht an einen konkreten Empfänger gerichtet (nein, Bilder auf einer Timeline zu veröffentlichen ist kein dedizierter Empfänger, ein Sandsturm richtet sich auf die gesamte Wüste, nicht auf ein einzelnes Sandkorn) und es hat keinen sinnvollen Zweck.
Wenn ich der virtuellen Welt meine – mehr oder (meistens) minder interessanten leeren Datenbrocken aufdrücke, tue ich damit nichts Gutes.
Teilt eure Gedanken konkret mit den Menschen in eurem Umfeld – eurem “echten” Umfeld mit, nicht auf der virtuellen Plattform eurer 3871 Netzwerk-“Freunde”.
Dort – in eurem Umfeld – könnt ihr etwas erreichen – vor allem erreicht ihr damit Menschen, denen die Gedanken und Ideen wirklich helfen, die wirklich an eurem Leben teilhaben können.
Und was noch schlimmer ist, wenn ihr etwas postet, dann verliert ihr es.
Ihr gebt die Rechte daran auf. Es sind nicht mehr eure Bilder, eure Gedanken, eure Ideen.
Sie gehören jetzt Google, Facebook, Apple.
Facebook hat es in seiner “Datenrichtlinie” geschrieben – sehr unklar für uns; sehr klar für Facebook:
Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz)”.
Tja, gone with click of a button.
Du verlierst deine Rechte, du verlierst deine Privatsphäre, du verlierst – in the long run – dich selbst:Posten ist Selbstaufgabe.
Daher mein Aufruf an euch:
Nehmt eure Daten zurück in eure eigenen Hände!
Teilt eurer Wissen, eure Ideen, eure Gedanken (ja, auch eure Bilder) Menschen mit, aber nicht mit Unternehmen oder Plattformen.
Schützt eure Privatsphäre – ich will euch dabei helfen.

TL;DR

  • Was ist Teilen?
  • Materielles teilen:
    meine Bohrmaschine, mein Auto, meine Wohnung, mein Leben
  • Immaterielles mitteilen:
    meine Gedanken, mein Wissen, meine Bilder
  • Posten ist Selbstaufgabe:
    Du gibst uns deine Bilder und verlierst deine Rechte und deine Privatsphäre

Und jetzt, liebe Leser, raus in die Sonne und teilt euch mit!

Anarchische Ideen zum Daten sparen

Warum postuliere ich hier anarchische Ideen zum Daten sparen?
Nun, es geht mir hier um die digitale Selbstverteidigung unserer Privatsphäre und dazu müssen wir selbst aktiv werden.
Ich rufe einfach dazu auf, dass wir uns selbst – ganz ohne uns auf eine übergeordnete Hierarchie zu verlassen – bemühen, regulieren und Gedanken machen: anarchisch eben 🙂

Ein kurzer Exkurs: Was ist Anarchie?

Im Gegensatz zu der landläufigen Meinung bei Anarchie handele es sich um den Zustand gesellschaftlicher Unordnung und Gewaltherrschaft, ist Anarchie der Zustand von Abwesenheit von Herrschaft und Hierarchien.
Obendrein halte ich es für notwendig, einen anderen Blick auf die Schwierigkeiten zu werfen, als den Blick, den uns die Schwierigkeitenauslöser uns glauben machen wollen.
Ich lehne mich bei der Wahl Anarchie als Mittel zur Lösung der privatsphärenzerstörenden Probleme an die Worte von Albert Einstein an:
„Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben.“

Datensouveräner Ungehorsam

Da ich ja hier auf die individuelle Selbstbestimmung unserer Daten gegenüber der Datenkraken abziele, spreche ich hier mal nicht von zivilem Ungehorsam, sondern von datensouveränem Ungehorsam.
Um es mit Johann Gottfried Seume zu sagen:
„Unbedingter Gehorsam ist kein Gedanke unter vernünftigen Wesen. Wo mich jemand nach seiner Willkür brauchen kann, bin ich ihm keinen Gehorsam schuldig, das geht aus der moralischen Natur des Menschen hervor.“
Und die Datenkraken verwenden unsere Daten – und damit uns – nach ihrer Willkür. Und dem will ich entgegenwirken!
Der große Oscar Wilde geht sogar noch einen Schritt weiter und betrachtet den Ungehorsam sogar als die ursprünglichste aller Tugenden:
„Ungehorsam ist für jeden, der die Geschichte kennt, die eigentliche Tugend des Menschen. Durch Ungehorsam entstand der Fortschritt, durch Ungehorsam und Aufsässigkeit.“
Darum rufe ich dir zu, lieber Leser: sei ungehorsam!
Aber was, so fragst du, können wir an dieser Stelle tun?
Dazu habe ich die folgenden – ungehorsamen – Ideen.

Verweigere die Datenherausgabe

  • Fülle nicht jedes Formular aus.
  • Lass alle Felder leer, die leer gelassen werden können.
  • Gib “leere” Daten an, wo es geht!

Was meine ich mit “leeren” Daten?
Gib ein Leerzeichen ein, oder einfach irgend ein beliebiges Zeichen wie ein Minus, ein Komma oder einfach einen Punkt.
Alles in allem: gib ein Statement ab, anstelle deiner Daten 😉

Übe dich in Selbstbeschränkung

Sei geheimnisvoll und kein offenes Buch.
Du bleibst interessanter, wenn nicht die ganze Welt (und vor allem die Datenkraken) nicht alles über dich wissen.
Ja, die Datenkraken vermitteln uns eine andere Sichtweise.
Sie sagen, sie können uns besser helfen, wenn sie uns besser kennenlernen, daher sollen wir möglichst viel über uns preisgeben.
Aber das ist gelogen.
Sie können nicht uns besser helfen, wenn sie mehr über uns wissen.
Sie können sich selbst damit besser helfen.

Lege temporäre E-Mail Adressen an

Nutze für unterschiedliche Online-Dienste, Online-Shops und Plattformen unterschiedliche, möglichst nur kurzfristig verfügbare E-Mail Adressen.
Diese sollten auch im gewählten Namen keinen Hinweis auf deinen social engineerbaren Kontext liefern.
Diese Maßnahme erschwert für die Datenkraken die Profilerstellung über dich.

Erzeuge keinen Müll

Diese Idee ist so klar und einfach, wie sie hilfreich ist.
Wenn du keinen Müll produzierst, muss du dir auch keine Sorgen machen musst, dass irgendwann radioaktiver Datenmüll über dich auftaucht und dir dein Leben ruiniert.

Hilfreich? Freundlich? Wahr?

Nutze einen einfachen Filter, den du für dich verwendest, bevor du etwas postest, das hilft dir dabei radioaktiven Datenmüll und viel Ungemach zu vermeiden.
Frage dich einfach, ob das Bild, Zitat, Statusupdate, welches du der dankbaren Welt teilhaftig werden lassen willst, ob du alle der folgenden drei Fragen klar mit einem Ja! beantworten kannst.
Falls nicht, tue der Welt und dir einen Gefallen und poste es NICHT.

  1. Ist es hilfreich?
  2. Ist es freundlich?
  3. Ist es wahr?

TL;DR

  • Was ist Anarchie?
  • Sei tugendhaft: nutze datensouveränen Ungehorsam.
  • Gib keine oder nur die unbedingt notwendigen Daten heraus.
  • Selbstbeschränke dich in deiner Datenpreisgabe.
  • Nutze temporäre E-Mail Adressen als Maßnahme gegen Profilerstellung.
  • Verursache kein Daten-Tschernobyl.
  • Denken und Filtern, dann gegebenenfalls posten – niemals andersum!

Und nun, lieber Leser, hinaus in die Natur!

Was ich tun kann, wenn die Datenkraken mir an die Daten gehen wollen

Schutz meiner Privatsphäre durch Datensparsamkeit – schön, aber wie soll ich das machen?
In jedem Formular werden doch – meistens mehr als notwendig – Daten von mir eingefordert, meistens auch in Form von “Pflichtfeldern” (ob diese Felder sinnvoll sind für die Erbringung der Dienstleistung ist dabei mehr als zweifelhaft).
Und was tun wir jetzt?

Sei rebellisch

“When they kick at your front door
How you gonna come?
With your hands on your head
Or on the trigger of your gun”
The Clash, Guns Of Brixton
Damit habe ich doch mal die Position, die ich hier verteidigen will, klar gemacht: Die Datenkraken wollen mir mit ihrem datengierigen Formular die Eingangstür zu meiner Privatsphäre eintreten.
Jetzt habe ich die Wahl, ergebe ich mich und händige ihnen meine Daten und damit mich aus, oder setze ich mich zur Wehr?
Mir hilft es, wenn mein innerer Rebell mir diese Zeilen von The Clash nochmal vorsummt, denn  dann bin in der richtigen Stimmung (rebellisch und eben nicht unterwürfig) um diesem Formular so zu begegnen, wie dies es eben verdient hat: freundlich, selbstbestimmt und kreativ.
Damit komme ich zu meinem ersten Rezept für datengierige Formulare:

Sei kreativ bei “Pflichtfeldern”

Die meisten Felder, die ein Datenkrake (Oder müsste es Datenkraken heißen? Vom mythologischen Kraken. Das passt besser, finde ich) abgreifen will, sind für die angefragte Dienstleistung vollkommen unerheblich und tragen nur zum Datenhort eben jenes Kraken bei.

  • Ein Streaming-Dienst braucht halt deine Postanschrift nicht.
  • Und eine Fluggesellschaft braucht deine Telefonnummer nicht, schließlich hat sie ja schon deine E-Mail Adresse.

Deswegen, übe dich in deiner schriftstellerischen Kreativität und lass deiner Fantasie freien Lauf.
Halte dich an Johann Nepomuk Nestroy, der es folgendermaßen formulierte:
“Nur eine lebhafte Einbildungskraft muss man haben, die muss aber schon verflucht lebhaft sein, nachher is es recht angenehm auf der Welt.”

Einfach mal nichts sagen

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
Schweige o Mensch und iss.
Wilhelm Raabe bringt es hier trefflich auf den Punkt, wie wir uns noch vor der Datengier der Kraken schützen können.

  • Gib keine Daten an.

Nichts anzugeben lässt die Datensammler gänzlich im Dunklen, was dein Profil angeht.
Wo sie bei falschen Daten noch etwas haben, mit dem sie ihre Profile füttern können, so lässt digitales Schweigen sie gänzlich im Unklaren.
Daher “schweige o Mensch”.

  • Wo immer es möglich ist, gib gar keine Daten preis.

Widerstehe der unterschwelligen Aufforderung, du müsstest deine Daten dankbar und freiwillig den Datenkraken in ihre gierigen Fangarme werfen.
Folge dem Aufruf der Sex Pistols “No Future For You!” und formuliere daraus ein “No Data For You!” (vielleicht noch ein leises “Up Yours!” hinterher denken und zwei Finger hochstrecken).

Wir müssen wieder lernen Dinge in Frage zu stellen

“Lass dir von keinem Fachmann imponieren, der dir erzählt: ‘Lieber Freund, das mache ich schon seit zwanzig jahren so!’ – Man kann eine Sache auch zwanzig Jahre lang falsch machen.”
Kurt Tucholsky
Immer nur nicken und gedankenlos seine Daten jedem Datensammler hinterher zu tragen führt halt zwangsläufig in den Bankrott der eigenen Privatsphäre.
Auch wenn wir zwanzig Jahre lang treu unsere Daten zu diesem und jenem Kundenvorteilsprogramm getragen haben – sei es Payback oder ein anderer Seelen…äh…Datenhändler, irgendwann wird es für uns einfach mal Zeit “Nein!” zu sagen!
Auch wenn diese vermeintlichen Bonusprogramme uns immer einreden wollen, sie tun uns etwas Gutes – lieber Mensch, werde dir gewahr, dass sie dir einfach schon immer das Falsche erzählt haben.
Sie tun sich etwas Gutes – nämlich deine Daten.
Was du davon hast ist Gram, Jammer und einfach bald keine Privatsphäre mehr.

Treib nicht jede Sau durchs Dorf

  • Lerne selektiv zu sein.

Du musst nicht an jeder neuen Plattform, an jedem neuen Online-Dienst mitmachen. Du verteilst damit einfach immer weiter deine Daten und die Möglichkeit, dass damit ein noch umfassenderes Profil von dir erstellt wird, steigt immer mehr.
Vor allem kannst du wohl stark davon ausgehen, dass wenn die neue Sau die gerade durch das globale Dorf gejagt wird, erfolgreich ist, wird sie doch eines Tages von einer der bereits etablierten großen Sauen gefressen – und damit landet noch ein weiterer Baustein für dein Profil in einem der bestehenden Datenpfründe und erweitert diesen noch mehr.

TL;DR

  • die Realität biegen
  • nichts
  • endlich mal Nein! sagen
  • folge nicht jedem Trend

Und jetzt, anstatt dich hier mühsam mit einem weiteren Formular quälen und deine Privatsphäre dadurch gefährden, schau einfach dem Schneetreiben zu!

Datensparsamkeit, Tao und Anarchie – Das hilft beim Schutz der Privatsphäre

Unsere Privatsphäre schützen wir effektiv dadurch, dass wir sie eben nicht freiwillig preisgeben. Das ist eine ganz simple Sichtweise, nur ist sie für viele gar nicht so simpel umzusetzen. Wir sind mittlerweile einfach so sehr daran gewöhnt worden, dass wir unsere Daten freiwillig – und dazu noch gerne – hergeben.
Und gerade dadurch setzen wir einen Großteil unserer Privatsphäre aufs Spiel: indem wir unsere Daten ganz ohne Zwang, ohne Überwachung von außen abgeben.

  • Einfach aus uns heraus.
  • Weil Daten hergeben so toll ist.
  • Weil ich doch nix zu verbergen habe.
  • Weil doch die ganze Welt (oder zumindest meine 3875 “Freunde”) unbedingt wissen muss, wo ich gestern um 23:36 Uhr war.

Hier spielt die Überwachung durch Datenkraken noch gar keine Rolle.
Und wenn wir nicht gerade Edward Snowden sind (und das sind – zum Glück – die wenigsten), dann spielen an dieser Stelle auch die Geheimdienste nur eine untergeordnete Rolle.Die Daten, welche die Geheimdienste hier abgreifen, ist einfach Beifang (wie ein Delphin in der Thunfischdose eben).
Die Datenkraken müssen in diesem Fall auch noch nicht einmal aktiv nach unseren Daten verlangen, denn wir schenken sie ihnen ja!

Tao und Stoa

Und was können wir nun dagegen tun?
Lassen wir ein wenig mehr Tao in unserem Leben zu!
Und wie das?
Indem wir nichts tun.
Nutzen wir das Konzept des wu wei, des Handelns durch Nicht-Handeln, für den Schutz unserer Privatsphäre.
Einfach dadurch, dass wir keine Daten über uns ausplaudern, tragen wir einen wesentlichen Teil dazu bei, dass wir unsere Privatsphäre stärken.
Dies ist ein Konzept, welches vollkommen konträr zu der entsetzlichen Aussage von Eric Schmidt steht:
„Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.“
Ich will, dass wir alle weiterhin auch die Sachen tun können, von denen wir nicht wollen, dass sie jemand erfährt (auch meine Mutter nicht, zum Beispiel, ach – Google und die ganze Geheimdienst-Blase auch nicht. Aber vor allem meine Mutter).
Ich plädiere nur dafür, dass wir nicht in einen dauerberieselnden Datenstrom verfallen und mit unseren sinnlosen Gemeinplätzen, Selbstbildnissen und geopositionierten Orientierungslosigkeiten die Datenwelt fluten und uns dabei vollkommen seelisch leeren.
Tun wir einfach öfter mehr für uns (und alle anderen!), indem wir nichts tun – was unsere Datenmiteilsamkeit angeht.
Dabei sei dir selbst genug, übe dich in Affektkontrolle und genieße den Moment in gelassener Seelenruhe:
lasst uns ein wenig stoisch werden!

Anarchy In The Data Sovereignity

Was wir auf jeden Fall im Hinterkopf behalten sollten (und uns dafür bei Gelegenheit selbst leichte Schläge auf denselben versetzen sollten), ist die Tatsache, dass wenn wir unsere Daten hergeben, wir zum einen die Herrschaft über diese Daten verlieren und zum anderen auch tatsächlich jedes Recht daran aufgeben.
Geben wir Daten über uns preis, so geben wir auch die Kontrolle über diese Daten ab.
Ich bin kein Kontroll-Freak, aber ich auch kein Freund davon, jemand anderem die Kontrolle über mich zu geben. Denn jemand der Kontrolle über meine Daten hat, hat auch leicht Kontrolle über mich.
Daher lasse ich Ton, Steine, Scherben für mich sprechen:

“Keiner hat das Recht, Menschen zu regier’n.”
You Post It – You Lose It

Dazu kommt auch noch, dass wir – rein juristisch gesehen – tatsächlich sämtliche Rechte an unseren Daten aufgeben, wenn wir diese auf unsozialen Plattformen wie Facebook posten.
So heißt es in den Nutzungsbedingungen von Facebook: “Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz)”.
(Als lustiges Bonmot am Rande: Facebook hat gar keine DatenSCHUTZrichtlinie, Facebook nennt es einfach Datenrichtlinie – das sollte uns allen doch schon einen Wink mit dem Gartenzaun geben 😉 ):
Deswegen nochmal:

  • Nix posten, was du behalten willst, sonst kann jeder damit tun, was er will.

Ja, und was beim posten noch zu beachten ist: du verlierst zwar die Rechte an deinen geposteten Inhalten, aber die Auswirkungen auf dich kleben an dir schlimmer als Zwei-Komponenten-Kleber und gar nicht so praktisch ablösbar wie die gelben Klebezettelchen 😉
Darum schließe ich heute wieder mit einem wahrem Wort von Oscar Wilde:

“Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten!”

Poste nicht so viel und genieße umso mehr – so gelingt dein Leben nebenher 😉

Wozu brauche ich denn eine Privatsphäre?

“Wozu brauche ich denn Privatsphäre?”

Diese Frage taucht oft im Anschluss an meine Gedanken zum Thema “Ich hab doch nix zu verbergen!” auf.
Ich will hier einige Anregungen dafür geben, wozu wir unsere Privatsphäre brauchen und warum ich glaube, dass wir ohne unsere Privatsphäre nicht wir selbst wären.
Jeder von uns braucht einen geistigen Sandkasten, in welchem Ideen betrachtet werden können, ohne dass hier von außen Einfluss genommen werden kann. Wir brauchen ein Labor in welchem wir mit Gefühlen und Gedanken experimentieren können, ohne dafür Rechenschaft ablegen zu müssen. Dieser Freiraum gibt uns Kraft unsere Identität zu bewahren.

Individualität

Ich bin überzeugt davon, dass wir ohne unsere Privatsphäre keine Individualität entwickeln, bzw. leben können. Wenn alles über uns bekannt ist, dann können wir keine eigenständige Persönlichkeit entwickeln.
Eigene Gedanken, eigene Ideen, ein eigener Kopf entwickelt sich nicht im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Hierzu bedarf des dem Kerzenschein der Heimlichlichkeit. Ganz nebenbei wird uns dies sogar in Artikel 2 des Grundgesetzes mitgegeben.

Entwicklung

Neben der Entfaltung der eigenen Individualität (oh, ein schöner Pleonasmus, fällt mir gerade dabei auf 🙂 ), findet auch Wachstum, Wandel und Entwicklung nur im heimlichen Raum der Privatsphäre statt. Das bringt auch Stephen Fearing in seinem Song “Me & Mr. Blue” schön zum Ausdruck: “Changes always happen best in privacy”.
Wenn wir überwacht werden und unsere Privatsphäre immer weiter eingeschränkt wird, ist für uns einfach keine Entwicklung mehr möglich. Wir werden blasse Kopien der vermeintlichen Idealvorstellungen, die uns durch Medien, Werbung und Gesellschaft vorgehalten werden.

Freier Wille

Wenn alles von uns bekannt ist, wenn jede unserer Entscheidungen öffentlich gemacht ist, haben wir auch keine Möglichkeit mehr uns frei zu entscheiden.
Wenn wir uns lediglich an Recht und Gesetz halten können, weil jede unserer davon abweichenden Handlungen als falsch vorgeworfen und entsprechend geahndet wird, nimmt uns dies unseren freien Willen. Eine Handlung, die nur in dieser Form ausgeführt wird, weil wir wissen, dass wir überwacht werden, verliert jeden Anspruch daran, gut zu sein.
Die Entscheidung, ob etwas richtig oder falsch ist liegt in unserem eigenen Ermessen und nicht darin, ob die Gesellschaft dies als richtig oder falsch festlegt. Wird uns dieser Ermessensspielraum dadurch genommen, dass wir keine Privatsphäre mehr haben, um diesen Ermessensspielraum auszuloten, dann verlieren wir auch unseren freien Willen und werden zu reinen Befehlsempfängern degradiert.

Kreativität

Nur im sicheren Raum unserer Privatsphäre ist Kreativität möglich.
Neue Ideen müssen im Geheimen entstehen. Die Öffentlichkeit unterdrückt ungewöhnliche Gedanken und kopiert lieber allseits Bekanntes. Wenn kein Raum für unpopuläre Ideen vorhanden ist, wird der Mainstream einfach immer wieder in einer neuen Verkleidung hochstilisiert.
Das ist langweilig.  Das bringt uns nicht weiter.
Wirklich Neues entsteht nur im Privaten. Wird aber eine neue Idee gleich an die Öffentlichkeit gezerrt, weil es einfach keine Privatsphäre mehr gibt, ist diese gleich dem Vergleich mit dem Mainstream ausgesetzt und hat hier nur, als junge, ungezähmte Idee, wenig Kraft sich zu entwickeln. Wächst diese Idee jedoch in einem geschützten und geheimen Bereich der Privatsphäre heran, so ist sie kräftig genug, um sich freiwillig der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Schutz vor Manipulierbarkeit

Unsere Privatsphäre ist auch ein stabiler Schutzwall gegen die immer stärker zunehmende Manipulation unseres Lebens, unserer Entscheidungen. Datensammler versuchen unsere Privatsphäre immer stärker einzuschränken, damit sie immer bessere Profile von uns erstellen können. Diese Profile geben mehr und bessere Ansatzpunkte, um uns zu manipulieren.
Wenn wir jedoch unsere Privatsphäre stärken indem wir weniger über uns preisgeben, schützen wir uns vor desen Manipulationsversuchen.

“Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.”

Was können wir jetzt jedoch konkret tun, um unsere Privatsphäre zu schützen?
Mein Tipp heute lautet:
Seid datensparsam!

  • Überlegt, bevor ihr etwas postet.
  • Überlegt, ob es notwendig ist.
  • Überlegt, ob es hilfreich ist.
  • Überlegt, ob es freundlich ist.

Und falls eines davon nicht zutrifft, halte ich mich eben an Oscar Wilde:
“Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.”