Ein paar unbequeme Gedanken zur Bequemlichkeit

Als bequemen Abschluss meiner Reihe über den Widerspruch, den uns der Drang nach Bequemlichkeit und die Notwendigkeit von Privatsphäre auferlegen, mache ich mir heute noch einige unbequeme Gedanken zur Bequemlichkeit.
Ich will noch einmal eindrücklich darauf hinweisen, dass wir stets in einem Spannungsfeld zwischen Bequemlichkeit und Privatsphäre leben.
Wenn wir mehr von dem Einen haben, geben wir zwangsläufig etwas von dem Anderen auf.
So ist das im Leben – wir können nicht alles haben.
Und ich bin überzeugt davon, dass dies auch gut ist.
Wir werden uns bewusster, dass wir uns gezielt für etwas – und auch am besten gezielt gegen etwas – entscheiden.
Einen guten ersten Schritt haben wir schon getan, wenn wir uns bewusst machen, wofür wir uns entscheiden.
Wenn wir bewusst sagen, ja ich gebe einen Teil meiner Privatsphäre auf, um dafür etwas mehr Bequemlichkeit zu erhalten.
Und die Erkenntnis, dass wir uns bewusst für die eine Seite und damit ebenfalls bewusst gegen die andere Seite entscheiden, ist entscheidend.
Erst dann sind wir nicht mehr von außen gesteuert.
Erst dann haben wir die Möglichkeit, eine echte Entscheidung zu treffen.
Bewusst für eine Stärkung unserer Privatsphäre einzutreten.

Bequemlichkeit schafft Trägheit

Ich hatte bereits im ersten Teil meiner Bequemlichkeitsserie geschrieben, dass wir aktiv gar nichts tun müssen, um eine höhere Ebene der Beuquemlichkeit zu erreichen.
Dorthin werden wir automatisch von Bequemlichkeit schaffenden Errungenschaften befördert.
Die damit einhergehende Aufgabe der Privatsphäre (wobei es paradoxerweise die Aufgabe der Privatsphäre ist, diese Aufgabe zu verhindern) nehmen wir im Rahmen der bequemen trägheitssteigernden Bequemlichkeitszunahme gern in Kauf.
Andererseits erfordert es von uns Aktivität und Bereitschaft, sich dem von außen verordneteten Zuwachs an Bequemlichkeit zu widersetzen.
Mir kommen die Borg in den Sinn, wenn ich hier über den konstanten und von externen Seiten verordneten Zuwachs von Bequemlichkeit in unserer Gesellschaft nachdenke:

"Widerstand ist zwecklos!"

Was im übrigen überhaupt nicht stimmt.
Widerstand ist selten zwecklos (also nur, wenn man den Widerstand beispielsweise überbrücken kann).
Widerstand ist erstmal das Verhältnis zwischen elektrischer Spannung und der Stärke des durchfließenden Stroms:

R = U/I

Also – um es für uns und unsere Betrachtung des Verhältnisses von Bequemlichkeit und Privatsphäre zu verdeutlichen, müssen wir anerkennen, dass es Kraft kostet, aktiv zu werden.
Aufwand, Bewusstheit oder was auch immer ist der Preis, den wir bezahlen müssen, wenn wir uns der zunehmenden Bequemlichkeit widersetzen wollen.
Es ist also gewissermassen ein Luxus, Privatsphäre zu hegen und zu pflegen.
Nur die wenigsten leisten ihn sich.
Aber der Aufwand lohnt sich!
Ehrlich.
Stellen wir uns vor, wir sind ein Widerstand.
Einer von den ganz großen.
Und von außen strömt immer mehr Bequemlichkeitsgedränge auf unsere Privatsphäre ein.
Also müssen wir dem unseren inneren Widerstand dagegenhalten.
Ansonsten wird unsere Privatsphäre immer weiter vom Bequemlichkeitsstrom zurückgedrängt.
Und das wollen wir nicht.

Am anderen Ende der Bequemlichkeit

Richten wir unsere Gedanken auf das andere Ende der Bequemlichkeit.
Was ist dort, auf der jenseitigen Seite eines bequemen Lebens.
Also dort, wo wir uns gänzlich der Bequemlichkeit anheim geworfen haben und jegliche Privatsphäre einem mehr und immer mehr an Bequemlichkeit geopfert haben.
Dort, im Schlaraffenland der Trägheit – manche würden es wohl Hölle nennen – wird etwas Neues aus unserer Bequemlichkeit.
Nämlich Notwendigkeit.
Es ist nicht mehr reine Bequemlichkeit, die uns drängt und zieht, immer bequemer zu werden.
Der Drang zur Bequemlichkeit wird zur Notwendigkeit.
Wir werden alles tun, jeglichen Rest unserer Persönlichkeit aufgeben, um der Notwendigkeit zu immer mehr Bequemlichkeit nachzukommen.
Wenn wir schon jetzt für ein kleines bisschen mehr Streaming, für ein wenig mehr Kaufempfehlungen oder ein bisschen weniger Tipparbeit beim Ausfüllen eines Formulars bereit sind, Teile unserer Privatsphäre zu opfern … wie weit sind wir dann noch davon entfernt, etwas mehr Privates, Intimes für das bisschen mehr Bequemlichkeit herzugeben?
Je mehr wir uns der wachsenden Bequemlichkeit in den gierigen Schlund werfen, desto schwieriger wird der Weg zurück zu einer starken Privatsphäre.
Er wird schwieriger – aber nicht unmöglich.
Darum an dieser Stelle mein dringender Aufruf:
Niemals aufgeben.
Oder wie Gordon Shumway es paraphrasiert:

"Es ist selten zu früh und niemals zu spät."

Es könnte aber auch anders funktionieren…

Ein hehres Ziel beim Schreiben meiner Artikel ist es, auf einer positiven Note zu enden.
Andernfalls beschleicht mich das Gefühl, wie ein Weltuntergangsverschwörungstheoretiker zu klingen.
Und das will ich ja auch nicht.
So klingen.
Nein, ganz ohne Ernst.
Ich bin auch ein Mensch und ich hab es gerne bequem.
Schließlich meißle ich diese Artikel nicht auf Steintafeln, sondern nutze bequeme Onlinedienste, um meine Gedanken in alle Welt zu verteilen.
Von diesem Standpunkt ausgehend habe ich einige Ideen gesammelt, wie Bequemlichkeit und Privatsphäre vielleicht an der einen oder anderen Stelle zusammenkommen können.

  • Ein Intranet der Dinge
    Also, gerne die ganze Heimautomatisierung, aber eben nur lokal.
    Wenn man denn unbedingt das Licht in der Speisekammer direkt aus dem Fernsehzimmer drei Etagen weiter oben dimmen will.
    Oder eben zentral alle Rolläden gleichzeitig runterlassen will – das wirkt dann wirklich ein bissel wie Zombie-Apokalypse (oder wenn die krummbucklige Verwandtschaft anrückt…).
    Ist alles prima bequem – und muss definitiv nicht im Internet hängen.
    Es ist wirklich kein sinnvoller Anwendungsfall, das Licht im Gästeklo per Smartphone vom Strand auf Ko Samui aus zu steuern.
    Isses nicht.
    Egal, was euch die Werbung einzuimpfen versucht.
  • Ein Fitness-Tracker, der nur meine Fitness trackt und nicht meine Privatsphäre
    Es ist doch erstmal technologisch gesehen das einfachste Ding, die Daten nur dort zu erfassen und zu verarbeiten, wo sie entstehen.
    Der ganze Müll mit der Auswertung auf den Servern der Hersteller – und der Korrelation auf den Servern der 23 weiteren Datenkraken – trägt für den Nutzer nicht zur Verbesserung des ursprünglichen Zweckes des Fitness-Trackers bei.
    Jajaja, Wettkampf als Motivation und globale Vergleichswerte zur besseren Erfolgskontrolle, bla, bla, bla … und weitere Hohlphrasen der Marketingabteilungen der Datenkraken.
    Ist alles nur leeres Gewäsch.
    Das Einzige, was wir aus diesen geschliffenen pseudo-wissenschaftlichen Behauptungen für uns herausziehen können ist die Erkenntnis, dass wir nicht der Kunde sind – sondern das Produkt.
    Und somit den Datenkraken als Datenmine, die geschürft wird, dienen sollen.
    Ein trauriges Beispiel dafür hat letztes Jahr der Kauf von Pebble durch fitbit gezeigt.
    Ich bin davon überzeugt, dass Pebble nicht aufgrund seiner innovativen Fitness-Trackern gekauft wurde, sondern um einen privatsphären-affinen Konkurrenten aus dem Rennen zu grätschen.
    Traurig, denn Pebble kam schon recht nah an die Idee vom lokalen Fitness-Tracker heran.

Was in diesem Kontext gar nicht geht, sind die „Wir lernen von den Verhaltensweisen der anderen Nutzer“ Dystopien.
Ich kann dann meine Deep-Learning-Wanze Alexa nicht um Rat fragen und erwarten, eine Antwort zu bekommen, die für mein Profil (basierend auf 7385 ähnlichen Anfragen aus meinem Freundeskreis) eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 87,34 % hat.
Aber auch an dieser Stelle frage ich wieder:
Wer braucht das schon?
Ich konnte mich auch früher ganz ohne Fashion-Tipps einer künstlichen Unintelligenz für die Klamotten entscheiden, die mir gefallen haben – und sonst keinem.
Schade, mein hehres Ziel wieder verfehlt…

TL;DR

  • Resistance is futile: Bequemlichkeit schafft Trägheit
  • In der Hölle gibt es keine Regenbögen: Am anderen Ende der Bequemlichkeit
  • Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Es könnte aber auch anders funktionieren…

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Darum, liebe Leser, gebt euren Widerstand nicht auf – oder beginnt damit, ihn zu entwickeln.
Es gibt etwas da draußen, für das es sich lohnt, die Bequemlichkeit einzuschränken.
Wir wollen doch nicht alle aussehen und handeln wie die traurig daherschlurfenden und zentral gesteuerten Borg.

Resistance is not futile!

Wehren wir uns.

Ein paar unbequeme Gedanken zur Bequemlichkeit

Als bequemen Abschluss meiner Reihe über den Widerspruch, den uns der Drang nach Bequemlichkeit und die Notwendigkeit von Privatsphäre auferlegen, mache ich mir heute noch einige unbequeme Gedanken zur Bequemlichkeit.
Ich will noch einmal eindrücklich darauf hinweisen, dass wir stets in einem Spannungsfeld zwischen Bequemlichkeit und Privatsphäre leben.
Wenn wir mehr von dem Einen haben, geben wir zwangsläufig etwas von dem Anderen auf.
So ist das im Leben – wir können nicht alles haben.
Und ich bin überzeugt davon, dass dies auch gut ist.
Wir werden uns bewusster, dass wir uns gezielt für etwas – und auch am besten gezielt gegen etwas – entscheiden.
Einen guten ersten Schritt haben wir schon getan, wenn wir uns bewusst machen, wofür wir uns entscheiden.
Wenn wir bewusst sagen, ja ich gebe einen Teil meiner Privatsphäre auf, um dafür etwas mehr Bequemlichkeit zu erhalten.
Und die Erkenntnis, dass wir uns bewusst für die eine Seite und damit ebenfalls bewusst gegen die andere Seite entscheiden, ist entscheidend.
Erst dann sind wir nicht mehr von außen gesteuert.
Erst dann haben wir die Möglichkeit, eine echte Entscheidung zu treffen.
Bewusst für eine Stärkung unserer Privatsphäre einzutreten.

TL;DR

  • Resistance is futile: Bequemlichkeit schafft Trägheit
  • In der Hölle gibt es keine Regenbögen: Am anderen Ende der Bequemlichkeit
  • Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Es könnte aber auch anders funktionieren…

Bequemlichkeit schafft Trägheit

Ich hatte bereits im ersten Teil meiner Bequemlichkeitsserrie geschrieben, dass wir aktiv gar nichts tun müssen, um eine höhere Ebene der Beuquemlichkeit zu erreichen.
Dorthin werden wir automatisch von Bequemlichkeit schaffenden Errungenschaften befördert.
Die damit einhergehende Aufgabe der Privatsphäre (wobei es paradoxerweise die Aufgabe der Privatsphäre ist, diese Aufgabe zu verhindern) nehmen wir im Rahmen der bequemen trägheitssteigernden Bequemlichkeitszunahme gern in Kauf.
Andererseits erfordert es von uns Aktivität und Bereitschaft, sich dem von außen verordneteten Zuwachs an Bequemlichkeit zu widersetzen.
Mir kommen die Borg in den Sinn, wenn ich hier über den konstanten und von externen Seiten verordneten Zuwachs von Bequemlichkeit in unserer Gesellschaft nachdenke:

„Widerstand ist zwecklos!“
Was im übrigen überhaupt nicht stimmt.
Widerstand ist selten zwecklos (also nur, wenn man den Widerstand beispielsweise überbrücken kann).
Widerstand ist erstmal das Verhältnis zwischen elektrischer Spannung und der Stärke des durchfließenden Stroms:
R = U/I
Also – um es für uns und unsere Betrachtung des Verhältnisses von Bequemlichkeit und Privatsphäre zu verdeutlichen, müssen wir anerkennen, dass es Kraft kostet, aktiv zu werden.
Aufwand, Bewusstheit oder was auch immer ist der Preis, den wir bezahlen müssen, wenn wir uns der zunehmenden Bequemlichkeit widersetzen wollen.
Es ist also gewissermassen ein Luxus, Privatsphäre zu hegen und zu pflegen.
Nur die wenigsten leisten ihn sich.
Aber der Aufwand lohnt sich!
Ehrlich.
Stellen wir uns vor, wir sind ein Widerstand.
Einer von den ganz großen.
Und von außen strömt immer mehr Bequemlichkeitsgedränge auf unsere Privatsphäre ein.
Also müssen wir dem unseren inneren Widerstand dagegenhalten.
Ansonsten wird unsere Privatsphäre immer weiter vom Bequemlichkeitsstrom zurückgedrängt.
Und das wollen wir nicht.

Am anderen Ende der Bequemlichkeit

Richten wir unsere Gedanken auf das andere Ende der Bequemlichkeit.
Was ist dort, auf der jenseitigen Seite eines bequemen Lebens.
Also dort, wo wir uns gänzlich der Bequemlichkeit anheim geworfen haben und jegliche Privatsphäre einem mehr und immer mehr an Bequemlichkeit geopfert haben.
Dort, im Schlaraffenland der Trägheit – manche würden es wohl Hölle nennen – wird etwas Neues aus unserer Bequemlichkeit.
Nämlich Notwendigkeit.
Es ist nicht mehr reine Bequemlichkeit, die uns drängt und zieht, immer bequemer zu werden.
Der Drang zur Bequemlichkeit wird zur Notwendigkeit.
Wir werden alles tun, jeglichen Rest unserer Persönlichkeit aufgeben, um der Notwendigkeit zu immer mehr Bequemlichkeit nachzukommen.
Wenn wir schon jetzt für ein kleines bisschen mehr Streaming, für ein wenig mehr Kaufempfehlungen oder ein bisschen weniger Tipparbeit beim Ausfüllen eines Formulars bereit sind, Teile unserer Privatsphäre zu opfern … wie weit sind wir dann noch davon entfernt, etwas mehr Privates, Intimes für das bisschen mehr Bequemlichkeit herzugeben?
Je mehr wir uns der wachsenden Bequemlichkeit in den gierigen Schlund werfen, desto schwieriger wird der Weg zurück zu einer starken Privatsphäre.
Er wird schwieriger – aber nicht unmöglich.
Darum an dieser Stelle mein dringender Aufruf:
Niemals aufgeben.
Oder wie Gordon Shumway es paraphrasiert:

„Es ist selten zu früh und niemals zu spät.“

Es könnte aber auch anders funktionieren…

Ein hehres Ziel beim Schreiben meiner Artikel ist es, auf einer positiven Note zu enden.
Andernfalls beschleicht mich das Gefühl, wie ein Weltuntergangsverschwörungstheoretiker zu klingen.
Und das will ich ja auch nicht.
So klingen.
Nein, ganz ohne Ernst.
Ich bin auch ein Mensch und ich hab es gerne bequem.
Schließlich meißle ich diese Artikel nicht auf Steintafeln, sondern nutze bequeme Onlinedienste, um meine Gedanken in alle Welt zu verteilen.
Von diesem Standpunkt ausgehend habe ich einige Ideen gesammelt, wie Bequemlichkeit und Privatsphäre vielleicht an der einen oder anderen Stelle zusammenkommen können.
Ein Intranet der Dinge
Also, gerne die ganze Heimautomatisierung, aber eben nur lokal.
Wenn man denn
unbedingt das Licht in der Speisekammer direkt aus dem Fernsehzimmer drei Etagen weiter oben dimmen will.
Oder eben zentral alle Rolläden gleichzeitig runterlassen will – das wirkt dann wirklich ein bissel wie Zombie-Apokalypse (oder wenn die krummbucklige Verwandtschaft anrückt…).
Ist alles prima bequem – und muss definitiv nicht im Internet hängen.
Es ist wirklich kein sinnvoller Anwendungsfall, das Licht im Gästeklo per Smartphone vom Strand auf Ko Samui aus zu steuern.
Isses nicht.
Egal, was euch die Werbung einzuimpfen versucht.
Ein Fitness-Tracker, der nur meine Fitness trackt und nicht meine Privatsphäre
Es ist doch erstmal technologisch gesehen das einfachste Ding, die Daten nur dort zu erfassen und zu verarbeiten, wo sie entstehen.
Der ganze Müll mit der Auswertung auf den Servern der Hersteller – und der Korrelation auf den Servern der 23 weiteren Datenkraken – trägt für den Nutzer nicht zur Verbesserung des ursprünglichen Zweckes des Fitness-Trackers bei.
Jajaja, Wettkampf als Motivation und globale Vergleichswerte zur besseren Erfolgskontrolle, bla, bla, bla … und weitere Hohlphrasen der Marketingabteilungen der Datenkraken.
Ist alles nur leeres Gewäsch.
Das Einzige, was wir aus diesen geschliffenen pseudo-wissenschaftlichen Behauptungen für uns herausziehen können ist die Erkenntnis, dass wir nicht der Kunde sind – sondern das Produkt.
Und somit den Datenkraken als Datenmine, die geschürft wird, dienen sollen.
Ein trauriges Beispiel dafür hat letztes Jahr der Kauf von Pebble durch fitbit gezeigt.
Ich bin davon überzeugt, dass Pebble nicht aufgrund seiner innovativen Fitness-Trackern gekauft wurde, sondern um einen privatsphären-affinen Konkurrenten aus dem Rennen zu grätschen.
Traurig, denn Pebble kam schon recht nah an die Idee vom lokalen Fitness-Tracker heran.

Was in diesem Kontext gar nicht geht, sind die „Wir lernen von den Verhaltensweisen der anderen Nutzer“ Dystopien.
Ich kann dann meine Deep-Learning-Wanze Alexa nicht um Rat fragen und erwarten, eine Antwort zu bekommen, die für mein Profil (basierend auf 7385 ähnlichen Anfragen aus meinem Freundeskreis) eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 87,34 % hat.
Aber auch an dieser Stelle frage ich wieder:
Wer braucht das schon?
Ich konnte mich auch früher ganz ohne Fashion-Tipps einer künstlichen Unintelligenz für die Klamotten entscheiden, die mir gefallen haben – und sonst keinem.
Schade, mein hehres Ziel wieder verfehlt…

Darum, liebe Leser, gebt euren Widerstand nicht auf – oder beginnt damit, ihn zu entwickeln.
Es gibt etwas da draußen, für das es sich lohnt, die Bequemlichkeit einzuschränken.
Wir wollen doch nicht alle aussehen und handeln wie die traurig daherschlurfenden und zentral gesteuerten Borg.

Resistance is not futile!
Wehren wir uns.

Worauf sollte ich achten

Nachdem wir jetzt unsere Flotte zum Surfen im digitalen Weltmeer zusammengestellt haben, heißt es nun, die Ausrüstung zu überprüfen und zu verbessern.
Darum wollen wir uns heute mit den Details der zusätzlichen Ausrüstung unserer Browser beschäftigen, den Add-ons, die uns das Leben auf hoher digitaler See erleichtern – oder sogar das Überleben im virtuellen Ozean erst ermöglichen.

TL;DR

  • Ab in die Werft: Unser Browser – hochseetauglich
  • Ein Browser ist kein Supertanker: Nicht überfrachten – sonst sinken wir
  • Lass den Schwaben in dir raus: Spare in der Zeit
  • Verhaltensmäßig gut: Unser Tun entscheidet – nicht die Technik

Unser Browser – hochseetauglich

Damit wir, auch wenn wir nicht mit unserer Tarnkappen-Fregatte unterwegs sind, möglichst sicher durch die unsicheren Gewässer des digitalen Ozeans schippern können, sollten wir unseren Brot-und-Butter-Browser (den Firefox) noch hochseetauglich machen.
Also raus mit dem Teer und die undichten Stellen kalfatern!
Oder so ähnlich…
Verlassen wir uns lieber auf die Möglichkeiten der Software und erweitern die defensiven Maßnahmen unseres Browsers durch einige (wenige!) Add-ons.
Kümmern wir uns zunächst um unsere Cookies.
Wenn wir nichts dagegen tun, werden wir getracked, manipuliert und in Profile-Schachteln gepresst, bis wir kein Quäntchen Privatsphäre und keine Freiheit mehr haben.
Daher: Fresst digitalen Staub, elende Cookies!
Verschwindet! Explodiert am besten!
Gute Idee – daher nutzen wir Cookie AutoDelete.
Dieses Add-on kümmert sich in der Standardeinstellung ganz selbsttätig um die kleinen anhänglichen Datenbrocken.
Sobald wir einen Browser-Tab schließen, werden alle damit zusammenhängenden Cookies gelöscht.
Das funktioniert wie in jedem Teil von Mission: Impossible, nachdem Ethan Hunt den nächsten unmöglichen Auftrag erhalten hat:
Tab schließen, 10-9-8-7-6-5-4-3-2-1-puff.
Die nächste Stufe der sicherheitstechnischen Aufrüstung unserer Kraweel ist das Add-on HTTPS Everywhere.
Dieses Add-on der Electronic Frontier Foundation (EFF), einer Organisation für den Schutz der Privatsphäre im Internet, stellt sicher, dass möglichst jede Kommunikation im Internet über unseren Browser verschlüsselt durchgeführt wird.
Dadurch erhöhen wir wesentlich die Sicherheit unserer Online-Aktivitäten.
Als weiteres Mittel der Förderung der Seetüchtigkeit unserer digitalen Dschunke ist der Schutz vor unerwünschter Werbung.
Wir stellen uns einmal vor, wir müssten uns bei unserem Segeltörn alle naslang die vermeintlich für uns interessantesten Wellen anschauen – und auch durchsegeln.
Das würde unser gewähltes Segelvergnügen deutlich trüben.
Wollten wir doch lieber bei ruhiger See dahindümpeln.
Statt dessen werden wir von einer „relevanten“ Welle zur nächsten geschubst.
Da wird uns von dem ganzen ungewollten Geschaukel erstmal schlecht – und zweitens kommen wir wegen der ganzen Ablenkung niemals dort an, wo wir eigentlich hinwollten.
Dagegen hilft uns ein Add-on wie uBlock Origin oder AdNauseam.
Da AdNauseam die Funktionalität von uBlock Origin beinhaltet und es sowieso von der Wortbedeutung so wundervoll in meine nautische Analogie passt, bleibe ich bei meiner Empfehlung dabei.
Also: bis zur Seekrankheit.
Jedoch diesmal nicht zu unserer, sondern der unserer Antagonisten – der Manipulatoren und Werbeverbrecher.
AdNauseam blockiert im ersten Schritt die unerwünschte Werbung auf den Webseiten, die wir besuchen.
Dies hat gleich drei Vorteile für uns:
1. Wir sind geschützt vor Manipulation durch Werbung die angeblich „relevant“ für unsere Interessen ist.
Nun, ich behaupte, dass diese Relevanz eher auf Seiten der Werbeanbieter liegt.
2. Wir sind geschützt vor Schadsoftware, die sich gerne der aktiven und dynamischen Formate bedient, auf denen personalisierte Werbung auf Webseiten aufbaut.
Wenn keine Werbefläche auf der besuchten Seite vorhanden ist, bedeutet dies für uns, dass keine Gefahr von Malware auf dieser Seite droht.
Denn wo nichts Aktives angezeigt wird da kann auch nichts Aktives ausgeführt werden.
Is‘ klar, ne?
3. Wir kommen einfach schneller durchs Netz.
Da diese aktiv gestalteten personalisierten Inhalte immer dynamisch erzeugt werden müssen, bedeutet dies auch eine Geschwindigkeitseinbuße beim Surfen.
Denn all dieser aktive und unerwünschte Werbemüll muss erstmal nachgeladen werden.
Wenn jetzt allerdings gar nix nachgeladen werden muss, weil es schlicht blockiert wird, wird unser gewolltes Surfen schneller.
Auch verstanden, oder?

Die hohe Schule des sicheren Surfens.
Um uns jetzt wirklich für schwere Wetter zu rüsten und quasi den Schritt vom Seepferdchen zum Rettungsschwimmer in Bronze zu gehen, sollten wir noch ein weiteres Add-on installieren:
Noscript.
Noscript ist ungefähr der Eisbrecher unter den gepanzerten Schiffen, das Minenräumboot, der großer Aufräumer.
Danach sieht das Internet nicht mehr so aus, wie wir es erwartet haben…
Tja, das ist auch leider der klitzekleine Nachteil an dieser wirklich essenziellen Erweiterung für den Firefox.
Noscript blendet standardmäßig alle aktiven Inhalte einer besuchten Website aus.
Das schützt uns umfänglich vor allen Bedrohungen, die sich technisch hinter aktiven Inhalten verstecken.
Das ist das Gute.
Die Schwierigkeit lauert eben auch darin:
Wir müssen alles, was wir an aktiven Inhalten wollen oder brauchen, manuell aktivieren.
Was wieder das Gute daran ist.
Wir müssen überlegen, was wir wirklich an aktiven Inhalten brauchen.
Diese überlegte Handeln macht uns zu überlegenen Surfern.
Wir haben es im Griff, was wir sehen wollen – und was wir wirklich-wirklich (Hallo Veit!) hier auf dieser Seite brauchen.
Es bedarf ein wenig Übung, mit Noscript und der neuen Leere im Internet zurechtzukommen, aber es lohnt sich!
Zum einen ist andauerndes Lernen sowieso von unschätzbarem Vorteil.
Zum anderen schützt es uns einfach vor unachtsamem In-die-digitale-Falle-tappen.

Nicht überfrachten – sonst sinken wir

Diese Add-ons sind die notwendige zusätzliche Grundausstattung unserer virtuellen Seereise.
Es gibt für den Firefox allerdings noch zahlreiche weitere Add-ons – mehr oder minder sinnvoll oder hilfreich.
Ein Wort zur Warnung an dieser Stelle.
Eine grundlegende Überlegung bei der Arbeit mit Software – ach, überhaupt im Leben! – ist die Frage:
Brauche ich das?
Wir sind schneller, flexibler und gelassener, wenn wir mit weniger Gepäck reisen.
Das trifft für Software in ganz besonderem Maße zu, da wir uns mit jeder zusätzlichen Software auch ein Stück zusätzliche Angriffsfläche in den Rechner holen.
Jede Software hat Fehler und jede Lücke kann (und wird!) für Angriffe auf unsere Privatsphäre und damit auf unsere Freiheit ausgenutzt werden.
Deswegen sollten wir bei jeder zusätzlichen Software, auch wenn es sich nur um ein Add-on für den Firefox handelt, überlegen, ob wir das wirklich brauchen.
Je weniger, desto besser.
Ich wiederhole mich hier bewusst, weil es einfach so eine wichtige Lektion ist.

Spare in der Zeit

…nene, in der Not brauchen wir unsere Daten nicht unbedingt.
Aber wenn wir mit unseren Daten sparsam umgehen, können diese – nicht veröffentlichten – Daten uns nicht gestohlen oder gegen uns verwendet werden.
Datensparsamkeit ist schlicht eines der effektivsten Mittel, die wir zum Schutz unserer Privatsphäre haben.
Um ehrlich zu sein:
Es ist so einfach, etwas nicht herzugeben.
Lassen wir an dieser Datenstelle doch mal den Schwaben in uns das Zepter in die Hand nehmen – und geben wir einfach mal nicht alles über uns preis.

Unser Tun entscheidet – nicht die Technik

Die erste Verteidigungslinie unserer Freiheit ist unser Verhalten – nicht die Technik, mit der wir im digitalen Ozean unterwegs sind.
Wenn ein Seemann nicht weiß, wie er sich zu verhalten hat bei Sturm oder rauer See, dann wird er darin umkommen, egal wie technisch hochgerüstet sein Schiff auch sein mag.
Genauso ergeht es auch uns im virtuellen Weltmeer.
Wir müssen, noch vor den Schutztechnologien, die wir jetzt kennengelernt haben, lernen, wie wir uns verhalten müssen.
Und dazu gehörern zwei wesentliche Grundsätze
Erst denken, dann klicken
Wir klicken nicht auf jeden Link, der uns vor den Mauszeiger springt.
Wir prüfen diesen, schließlich hat der Browserentwickler für diesen Fall die Anzeige der URL eingebaut.
Und wenn diese halt nicht zu dem passt, was wir erwarten, oder wenn diese irgendwie nicht ganz koscher wirkt, dann klicken wir nicht auf diesen Link.
Eine gute Maßnahme an dieser Stelle ist es, die URL händisch in die Addresszeile einzugeben.
Dann wissen wir, wo wir hinkommen.
Erst denken, dann posten
Bevor wir unseren Senf zu etwas abgeben – sei es berechtigt oder nicht – sollten wir wirklich überlegen, ob wir in fünfzig Jahren noch dazu stehen, was wir sagen wollen.
Wir haben möglicherweise in zwei Tagen bereits vergessen, was wir geistreiches zu dem Bild vom ersten Eisbecher des Jahres in der Timeline kommentiert haben.
Das Internet vergisst es nicht.
Niemals.
Deswegen: Erst denken, dann posten.
Halten wir uns an die gute Flame-Schutzregel für E-Mail:
Erst eine Nacht darüber schlafen – dann antworten.
Dann kann man entweder sicher sein, dass der Ärger (Verwunderung/Zorn/Lacher) verraucht ist – oder die Antwort wird noch schärfer und damit womöglich verdient.

So, ahoi Seebär.
Wir kommen unserem Offizierspatent Schritt für Schritt näher.
Und mit jedem Schritt – das ist mein Versprecher für heute – werden wir erfahrener im digitalen Untergrund und wir werden mehr Spaß online haben – ganz ohne Manipulation und Verfolgung.

Was kann ich tun, innerer Schweinehund?

"The End is Nigh!"

Nachdem ich in den letzten beiden Folgen wie ein wütender Prophet des drohenden kulturellen und sozialen Untergangs auf die Bevormundung durch Bequemlichkeit fördernde Technologien und Verhaltensweisen eingeschimpft habe, will ich heute konstruktiver an die Kontroverse Bequemlichkeit vs. Privatsphäre herangehen.
Hier will ich einige Hinweise darauf geben, wie wir uns aus der einlullend-gemütlichen Umarmung der Bequemlichkeit lösen können und stattdessen frei und selbstverantwortlich unsere Privatheit fördern können.
Also anschnallen und los gehts.

Lokal ist das neue immer und überall

Bequem ist in erster Linie eine persönliche Entscheidung die wir treffen.
Es ist bequem, den neuesten Perry Rhodan Silberband online zu ordern und am nächsten Tag von fleißigen Paketboten geliefert zu bekommen.
Aber wir haben doch alle eine Buchhandlung in mittelbarer oder sogar unmittelbarer Umgebung.
Was vergeben wir uns, wenn wir den lokalen Buchhandlung unterstützen?
Nichts, will ich meinen.
Im Gegenteil – wir gewinnen sogar einiges:

  • es gibt weiterhin einen lokalen Buchhandel – und nicht noch einen weiteren 1-Euro-Shop
  • wir können tatsächlich sozial interagieren, indem wir mit dem Buchhändler unseres Vertrauens sprechen
  • wir reduzieren aktiv die Verstopfung unserer Innenstädte durch Paketdienste

Und obendrein bekommen wir unser neues Buch genauso schnell auf diesem Weg.
Also, nichts verloren, nur gewonnen durch Verzicht auf etwas Bequemlichkeit.
Wir gegen unseren inneren Schweinehund: 1 – 0

Dein Staubsauger muss keinen Plan haben

Ist es nicht schon ausreichend, wenn dein automatischer Putzteufel ohne dein Zutun deine heiligen Hallen saugt?
Es ist nicht notwendig, dass er dabei auch noch einen detaillierten Plan derselben erstellt – und an seine Kollegen von der industriellen Hausüberwachung, äh… -automatisierung, verkauft.
Es ist gut genug, wenn das Ding seine stupiden Bahnen zieht.
Es muss dabei nicht einem algorithmisch hochoptimierten Plan folgen, der den Parkettboden gleichmäßig abnutzt.
Das ist ein Holzboden.
Der hält, wenn es gut läuft, die nächsten tausend Jahre.
Da verursachen die 500 Gramm Roboter, die regelmäßig darüber hinweg saugen, keinen wesentlichen Abrieb.
Und falls wir uns Sorgen darüber machen, was der Saug-Robbie mit unserer Sammlung Ming-Vasen macht, dann ist so ein Ding sowieso die falsche Anschaffung – dann sollten wir uns lieber eine menschliche Reinigungskraft engagieren.
Damit tun wir dann auch noch etwas Gutes für den darbenden Arbeitsmarkt.

Selbst kochen macht glücklich

Der konstante Weg zu einer immer höheren Ebene der Bequemlichkeit macht auch vor der Küche nicht halt.
Convenience-Produkte waren hier nur der Anfang des bequemen Elends.
Küchenautomatisierungsassistenten, die uns auf unseren Smartphones darüber auf dem Laufenden halten, wie wohl sich unser Niedertemperatur-gegarter Dry-Aged Rinderwahnsinn fühlt.
Oder auch der Kühlschrank, der sich bitterlich beklagt, dass demnächst die Milch alle ist.
Bequem – sicherlich.
Hilfreich – fraglich.
Bevormundend – ganz sicher.
Kochen ist eine Kunst – keine Wissenschaft.
Ein Tee ist fertig, wenn Farbe und Aroma stimmen – nicht wenn der ans Internet der Undinge angeschlossene, vollkommen überteuerte high-sophisticated Tea-Dispenser in Abstimmung mit der Online-Community dies sagt.
Und gleiches gilt für den Rinderschmorbraten, die Spätzle und sogar für die Wald- und Wiesentiefkühlpizza.
Bei steigendem Einsatz von bequemlichkeitsfördernden Spielzeugen und Technologien setzen wir uns der Gefahr aus, unser natürliches Gespür dafür zu verlieren, wann etwas fertig und bereit ist.

Streaming spart weder Zeit noch Nerven

Bequemlichkeit hält gern in Bereichen der Luxusversorgung Einzug.
Ich vermute, dies liegt daran, dass wir gerade beim Luxus gern bereit sind, mehr Bequemlichkeit im Tausch gegen unsere Daten anzunehmen.
Diese Bequemlichkeit erkaufen wir uns jedoch nicht nur mit unseren Daten und Profilen, die wir hierfür herausgeben.
Nein, wir geben auch die freie Wahl auf.
Denn es ist doch gerade bei Streaming-Diensten so unglaublich bequem, dass wir immer etwas „passendes“ vorgeschlagen bekommen.
Wir brauchen uns gar nicht selbst entscheiden, was wir als nächstes sehen oder hören wollen – der Vorschlag-Algorithmus nimmt uns diese schwierige Entscheidung willfährig ab.
Vielleicht sollten wir diese Form von Bequemlichkeit auch in der Politik zum Einsatz bringen:

  • Wenn du diesem Hohlphrasendrescher glaubst, dann wähle silber-türkis-gepunktet.

Ach, welche Wohltat – endlich nicht mehr aktiv entscheiden müssen…
Ich schweife ab.
Wollte ich doch konstruktiv schreiben heute.
Daher meine Empfehlung:
Greifen wir wieder zu offline verfügbaren Medien.
Wir können gezielt einen Film (oder auch – Wunder der Informationstechnik – ganze Serien) von Datenträgern schauen.
Ich rufe hier nicht zum Totalverzicht auf Filme, Serien, Musik und sonstige Lustbarkeiten auf.
Ich rufe zur bewussten und gezielten Auswahl auf.
Die Tyrannei der Auswahl – ich habe es hier bereits angesprochen, ist ein Faktor, der deutlich zur Unzufriedenheit beiträgt – ganz im Gegenteil zu dem, was uns die Streaming-Industrie wohlklingend in ihren Werbeversprechen anpreist.

Kontinuität glättet das Unbequeme

Bequemlichkeit gewinnt so immens an Charme, da es viele Schritte schlicht vor uns verbirgt.
Wenn wir hingegen die minder bequeme Variante wählen, sehen wir zum einen die bisher vor uns verborgenen Einzelschritte – und zum anderen wird uns die vermeintlich unbequeme Variante durch regelmäßigen und kontinuierlichen Einsatz als gar nicht so unbequem in Fleisch und Blut übergehen.
Unbequem sind letztlich nur Tätigkeiten, die wir ungern tun.
Beginnen wir doch, die kleinen Einzelschritte als Teil des Zieles zu betrachten und zelebrieren diese, anstatt sie als notwendiges Übel zu verdammen.

Askese ist keine Lösung

…und Selbstkasteiung tut auch bloß weh.
Wir sollten daher nicht zu hart zu uns (und vor allem zu anderen) sein.
Bequemlichkeit ist halt – bequem.
Ein furchtbarer Zirkelschluß – und so schlüssig in sich selbst.
Aber treten wir einen Schritt zurück und betrachten kurz die Auswirkungen von Bequemlichlichkeit.
Bequemlichkeit reduziert die Komplexität von Tätigkeiten.
Dies geht zugunsten der Zeit, die wir vermeintlich gewinnen.
Bequemlichkeit raubt uns auf der anderen Seite jedoch auch den Einblick in die Dinge, die wir durchführen.
Wir verlieren den Bezug zu dem, was wir tun.
Und wir geben auch stets einen Teil unserer Freiheit auf.
Sei es die Freiheit der freien Auswahl.
Oder sei es der Schutz unserer Privatsphäre, weil wir dem Bequemlichkeitsanbieter Einblicke in unserer Innerstes gewähren.
Und dennoch, wir sollten im Kampf um unser Selbst, unsere Privatsphäre, nicht dogmatisch werden.
Wir haben die Wahl – gerade darum geht es mir.
Und wir haben auch die Wahl, uns bewusst für Bequemlichkeit zu entscheiden.
Wir sollten lernen, dass wir immer zwischen Bequemlichkeit und Privatsphäre abwägen müssen.
Wir bekommen nicht beides in gleichem Maße.
Wollen wir mehr von dem einen, erhalten wir von dem anderen weniger.
Es ist ein Balanceakt und wir können – und sollten – frei entscheiden, was wir wollen.
Nur eines sollten wir vermeiden:

Uns diese Entscheidung aus den Händen nehmen lassen, indem wir kritiklos jede Bequemlichkeit versprechende Neuerung akzeptieren.

TL;DR

  • Lieber hier und gleich als überall und immer: Lokal ist das neue immer und überall
  • Bequemlichkeit ist grenzenlos: Dein Staubsauger muss keinen Plan haben
  • Kochen ist können – nicht automatisieren: Selbst kochen macht glücklich
  • Unendliche Auswahl ist ein Fluch: Streaming spart weder Zeit noch Nerven
  • Übung schafft Meisterschaft: Kontinuität glättet das Unbequeme
  • Dogmatisch sein macht einsam: Askese ist keine Lösung

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So, innerer Schweinehund, hier ist der Plan – am Wochenende bekommst du die Leine, Wochentags bin ich am Ruder

Was kann ich tun, innerer Schweinehund?

„The End is Nigh!“
Nachdem ich in den letzten beiden Folgen wie ein wütender Prophet des drohenden kulturellen und sozialen Untergangs auf die Bevormundung durch Bequemlichkeit fördernde Technologien und Verhaltensweisen eingeschimpft habe, will ich heute konstruktiver an die Kontroverse Bequemlichkeit vs. Privatsphäre herangehen.
Hier will ich einige Hinweise darauf geben, wie wir uns aus der einlullend-gemütlichen Umarmung der Bequemlichkeit lösen können und stattdessen frei und selbstverantwortlich unsere Privatheit fördern können.
Also anschnallen und los gehts.

TL;DR

  • Lieber hier und gleich als überall und immer: Lokal ist das neue immer und überall
  • Bequemlichkeit ist grenzenlos: Dein Staubsauger muss keinen Plan haben
  • Kochen ist können – nicht automatisieren: Selbst kochen macht glücklich
  • Unendliche Auswahl ist ein Fluch: Streaming spart weder Zeit noch Nerven
  • Übung schafft Meisterschaft: Kontinuität glättet das Unbequeme
  • Dogmatisch sein macht einsam: Askese ist keine Lösung

Lokal ist das neue immer und überall

Bequem ist in erster Linie eine persönliche Entscheidung die wir treffen.
Es ist bequem, den neuesten Perry Rhodan Silberband online zu ordern und am nächsten Tag von fleißigen Paketboten geliefert zu bekommen.
Aber wir haben doch alle eine Buchhandlung in mittelbarer oder sogar unmittelbarer Umgebung.
Was vergeben wir uns, wenn wir den lokalen Buchhandlung unterstützen?
Nichts, will ich meinen.
Im Gegenteil – wir gewinnen sogar einiges:
es gibt weiterhin einen lokalen Buchhandel – und nicht noch einen weiteren 1-Euro-Shop
wir können tatsächlich sozial interagieren, indem wir mit dem Buchhändler unseres Vertrauens sprechen
* wir reduzieren aktiv die Verstopfung unserer Innenstädte durch Paketdienste

Und obendrein bekommen wir unser neues Buch genauso schnell auf diesem Weg.
Also, nichts verloren, nur gewonnen durch Verzicht auf etwas Bequemlichkeit.
Wir gegen unseren inneren Schweinehund: 1 – 0

Dein Staubsauger muss keinen Plan haben

Ist es nicht schon ausreichend, wenn dein automatischer Putzteufel ohne dein Zutun deine heiligen Hallen saugt?
Es ist nicht notwendig, dass er dabei auch noch einen detaillierten Plan derselben erstellt – und an seine Kollegen von der industriellen Hausüberwachung, äh… -automatisierung, verkauft.
Es ist gut genug, wenn das Ding seine stupiden Bahnen zieht.
Es muss dabei nicht einem algorithmisch hochoptimierten Plan folgen, der den Parkettboden gleichmäßig abnutzt.
Das ist ein Holzboden.
Der hält, wenn es gut läuft, die nächsten tausend Jahre.
Da verursachen die 500 Gramm Roboter, die regelmäßig darüber hinweg saugen, keinen wesentlichen Abrieb.
Und falls wir uns Sorgen darüber machen, was der Saug-Robbie mit unserer Sammlung Ming-Vasen macht, dann ist so ein Ding sowieso die falsche Anschaffung – dann sollten wir uns lieber eine menschliche Reinigungskraft engagieren.
Damit tun wir dann auch noch etwas Gutes für den darbenden Arbeitsmarkt.

Selbst kochen macht glücklich

Der konstante Weg zu einer immer höheren Ebene der Bequemlichkeit macht auch vor der Küche nicht halt.
Convenience-Produkte waren hier nur der Anfang des bequemen Elends.
Küchenautomatisierungsassistenten, die uns auf unseren Smartphones darüber auf dem Laufenden halten, wie wohl sich unser Niedertemperatur-gegarter Dry-Aged Rinderwahnsinn fühlt.
Oder auch der Kühlschrank, der sich bitterlich beklagt, dass demnächst die Milch alle ist.
Bequem – sicherlich.
Hilfreich – fraglich.
Bevormundend – ganz sicher.
Kochen ist eine Kunst – keine Wissenschaft.
Ein Tee ist fertig, wenn Farbe und Aroma stimmen – nicht wenn der ans Internet der Undinge angeschlossene, vollkommen überteuerte high-sophisticated Tea-Dispenser in Abstimmung mit der Online-Community dies sagt.
Und gleiches gilt für den Rinderschmorbraten, die Spätzle und sogar für die Wald- und Wiesentiefkühlpizza.
Bei steigendem Einsatz von bequemlichkeitsfördernden Spielzeugen und Technologien setzen wir uns der Gefahr aus, unser natürliches Gespür dafür zu verlieren, wann etwas fertig und bereit ist.

Streaming spart weder Zeit noch Nerven

Bequemlichkeit hält gern in Bereichen der Luxusversorgung Einzug.
Ich vermute, dies liegt daran, dass wir gerade beim Luxus gern bereit sind, mehr Bequemlichkeit im Tausch gegen unsere Daten anzunehmen.
Diese Bequemlichkeit erkaufen wir uns jedoch nicht nur mit unseren Daten und Profilen, die wir hierfür herausgeben.
Nein, wir geben auch die freie Wahl auf.
Denn es ist doch gerade bei Streaming-Diensten so unglaublich bequem, dass wir immer etwas „passendes“ vorgeschlagen bekommen.
Wir brauchen uns gar nicht selbst entscheiden, was wir als nächstes sehen oder hören wollen – der Vorschlag-Algorithmus nimmt uns diese schwierige Entscheidung willfährig ab.
Vielleicht sollten wir diese Form von Bequemlichkeit auch in der Politik zum Einsatz bringen:
* Wenn du diesem Hohlphrasendrescher glaubst, dann wähle silber-türkis-gepunktet.

Ach, welche Wohltat – endlich nicht mehr aktiv entscheiden müssen…
Ich schweife ab.
Wollte ich doch konstruktiv schreiben heute.
Daher meine Empfehlung:
Greifen wir wieder zu offline verfügbaren Medien.
Wir können gezielt einen Film (oder auch – Wunder der Informationstechnik – ganze Serien) von Datenträgern schauen.
Ich rufe hier nicht zum Totalverzicht auf Filme, Serien, Musik und sonstige Lustbarkeiten auf.
Ich rufe zur bewussten und gezielten Auswahl auf.
Die Tyrannei der Auswahl – ich habe es hier bereits angesprochen, ist ein Faktor, der deutlich zur Unzufriedenheit beiträgt – ganz im Gegenteil zu dem, was uns die Streaming-Industrie wohlklingend in ihren Werbeversprechen anpreist.

Kontinuität glättet das Unbequeme

Bequemlichkeit gewinnt so immens an Charme, da es viele Schritte schlicht vor uns verbirgt.
Wenn wir hingegen die minder bequeme Variante wählen, sehen wir zum einen die bisher vor uns verborgenen Einzelschritte – und zum anderen wird uns die vermeintlich unbequeme Variante durch regelmäßigen und kontinuierlichen Einsatz als gar nicht so unbequem in Fleisch und Blut übergehen.
Unbequem sind letztlich nur Tätigkeiten, die wir ungern tun.
Beginnen wir doch, die kleinen Einzelschritte als Teil des Zieles zu betrachten und zelebrieren diese, anstatt sie als notwendiges Übel zu verdammen.

Askese ist keine Lösung

…und Selbstkasteiung tut auch bloß weh.
Wir sollten daher nicht zu hart zu uns (und vor allem zu anderen) sein.
Bequemlichkeit ist halt – bequem.
Ein furchtbarer Zirkelschluß – und so schlüssig in sich selbst.
Aber treten wir einen Schritt zurück und betrachten kurz die Auswirkungen von Bequemlichlichkeit.
Bequemlichkeit reduziert die Komplexität von Tätigkeiten.
Dies geht zugunsten der Zeit, die wir vermeintlich gewinnen.
Bequemlichkeit raubt uns auf der anderen Seite jedoch auch den Einblick in die Dinge, die wir durchführen.
Wir verlieren den Bezug zu dem, was wir tun.
Und wir geben auch stets einen Teil unserer Freiheit auf.
Sei es die Freiheit der freien Auswahl.
Oder sei es der Schutz unserer Privatsphäre, weil wir dem Bequemlichkeitsanbieter Einblicke in unserer Innerstes gewähren.
Und dennoch, wir sollten im Kampf um unser Selbst, unsere Privatsphäre, nicht dogmatisch werden.
Wir haben die Wahl – gerade darum geht es mir.
Und wir haben auch die Wahl, uns bewusst für Bequemlichkeit zu entscheiden.
Wir sollten lernen, dass wir immer zwischen Bequemlichkeit und Privatsphäre abwägen müssen.
Wir bekommen nicht beides in gleichem Maße.
Wollen wir mehr von dem einen, erhalten wir von dem anderen weniger.
Es ist ein Balanceakt und wir können – und sollten – frei entscheiden, was wir wollen.
Nur eines sollten wir vermeiden:
Uns diese Entscheidung aus den Händen nehmen lassen, indem wir kritiklos jede Bequemlichkeit versprechende Neuerung akzeptieren.

So, innerer Schweinehund, hier ist der Plan – am Wochenende bekommst du die Leine, Wochentags bin ich am Ruder.

Der Microblog – das neue Format aus der Manufaktur

Ah, es gibt so viel zu lesen – und so wenig Zeit.
In unserer informationsüberflutenden Zeit – das sieht Eric Schmidt ja ganz anders:

"Mobile is the future, and there's no such thing as communication overload."

– fühlen wir uns oft durch lange Texte überfordert.
Leider.
Und meine Blogs haben eine Tendenz zu mehr Länge.
Zum Glück.
Aber auch ich will meine warnende Botschaft, den rügend erhobenen Zeigefinger und die gute – wenngleich seltene – positive Neuigkeit an meine informationsüberfluteten Leser bringen.
Daher habe ich jetzt mein neues Format gestartet:
Die Gedankenblitze aus der Manufaktur – Der Microblog.
Hier stelle ich in kürzerer Form und in schnellerer Folge Neuigkeiten für den interessierten Leser bereit.
Viel Spaß bei der Lektüre und – ich bin auf eure Rückmeldungen gespannt.

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Der Microblog – das neue Format aus der Manufaktur

Ah, es gibt so viel zu lesen – und so wenig Zeit.
In unserer informationsüberflutenden Zeit – das sieht Eric Schmidt ja ganz anders:

„Mobile is the future, and there’s no such thing as communication overload.“
– fühlen wir uns oft durch lange Texte überfordert.
Leider.
Und meine Blogs haben eine Tendenz zu mehr Länge.
Zum Glück.
Aber auch ich will meine warnende Botschaft, den rügend erhobenen Zeigefinger und die gute – wenngleich seltene – positive Neuigkeit an meine informationsüberfluteten Leser bringen.
Daher habe ich jetzt mein neues Format gestartet:
Die Gedankenblitze aus der Manufaktur – Der Microblog.
Hier stelle ich in kürzerer Form und in schnellerer Folge Neuigkeiten für den interessierten Leser bereit.
Viel Spaß bei der Lektüre und – ich bin auf eure Rückmeldungen gespannt.

Geislinger rät zur digitalen Selbstverteidigung

Geislinger Zeitung
Heute hat die Geislinger Zeitung einen Artikel von Ruben Wolff über meine Arbeit als Data Detox Berater und die hier beheimatete Manufaktur für digitale Selbstverteidigung veröffentlicht.
Dieser Artikel war das Ergebnis eines einstündigen, sehr spannenden Gesprächs mit Ruben Wolff über Themen wie Digitalisierung sich auf die Entwicklung der Arbeitswelt auswirkt und welchen Einfluss die Daten, die wir von uns preisgeben, haben.

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Welchen Browser soll ich wählen

Das grundlegende Werkzeug um sicher surfen zu können, ist der Browser.
Ich bleibe bei der nautischen Analogie – die bietet sich ja geradezu für das Thema surfen an.
Genauso wie wir bei unserem Strandurlaub überlegen können, ober wir schwimmen wollen – wahlweise mit oder ohne Schwimmflügel.
Oder ob wir ein Gummiboot (mit Rudern oder lieber mit Außenbordmotor) nehmen wollen.
Oder halt ein Surfboard (aber ohje, welche Marke bloß?).
Schon diese Auswahl hat großen Einfluß auf unser Seevergnügen (und sicher auch auf unser Sehvermögen – haha).
Das eine ist schneller – aber nicht ganz so komfortabel.
Bei dem anderen haben wir mehr Kontrolle – aber nicht so die Reichweite.
* Und das dritte ist gemütlich – aber eben nicht so schnell.

Nun ja, wir werden wohl nie die eierlegende Wollmilchsau bekommen – meiner Meinung nach ist das auch besser so:
Wir sehen ja, welchen Unfug Menschen mit SmartX-Dingen anstellen – und die kommen halt ganz schön nah ran an die arme Wollmilchsau.
Also überlegen wir uns am besten erst einmal, was wir denn brauchen.
Und bleiben wir locker:
Wir müssen uns ja nicht auf ein Ding festlegen!

TL;DR

  • warum nur einen, wenn ich alle haben kann: Drei Browser für ein Hallelujah
  • Das Hohe Lied auf Open Source: Warum denn nur den Firefox?
  • Mobil ist das neue Default: Und was mach ich unterwegs?
  • Du bist verantwortlich für deine Taten: Vigilance is the price of freedom
  • So, alles getan: Was noch?

Drei Browser für ein Hallelujah

Ja, warum denn nur das Surfboard an den Strand mitnehmen?
Warum nicht auch das Ruderboot und das Tarnkappenschiff?
Es ist ja nicht so, als müssten wir dies alles immer mit uns herum“schleppen“.
Ist ja nur eine Analogie – und in der echten virtuellen Welt ist alles nur Software.
Für welchen Browser wir uns entscheiden ist einerseits keine Entscheidung für die Ewigkeit – Neues auszuprobieren hält uns geistig rege (nur zur Erinnerung:
Hier plädiere ich dafür.)
Und wir haben – gerade in softwarebasierten Systemen – die Möglichkeit, mehreres parallel zu betreiben.
Denken wir nicht eingleisig – denken wir multidimensional!
Wenn wir mehrere spezialisierte Anwendungen für unsere unterschiedlichen Anforderungen einsetzen, können wir jede einzelne dieser Anforderungen besser erfüllen, als wenn wir für alle Szenarien nur eine einzige Anwendung nutzen würden.
Darum ist es sinnvoll, für reine Recherche-Tätigkeiten den Tor Browser zu nutzen.
Damit bekommen wir schon ganz automatisch neutrale Ergebnisse und sind aufgrund des Schwarmverhaltens des Tor Netzwerkes ausreichend anonym unterwegs.
Dadurch – und wenn wir uns an die Verhaltensregeln für die Arbeit mit dem Tor Browser halten – sind wir vor Profilbildung, Tracking und Manipulation umfangreich geschützt.
Ganz so, als würden wir in unserer schicken Stealth-Korvette durch die Nordsee kreuzen.
Unser gemütliches Ruderboot für die Brot-und-Butter-Angeltour im virtuellen Weltmeer soll uns der Firefox sein.
Diesen statten wir noch mit einem krassen Außenborder, einer Nebelwurfanlage und einem Becherhalter aus.
Also, analog gesprochen eben.
Wir rüsten unseren Firefox noch mit den folgenen Add-ons aus:
Noscript
Schützt uns vor ekliger Malware, nervenden aktiven Inhalten oder beidem.
HTTPS Everywhere
Sorgt dafür, dass grundsätzlich jede Verbindung, die wir aufbauen, über HTTPS verschlüsselt aufgebaut wird.
uBlock Origin
Blendet nervige Werbung aus – und schützt uns dadurch auch vor ekliger Malware
Cookie AutoDelete
Bändigt Cookies – meistens auch eklig und klebrig.

…den Becherhalter montieren wir obenrein.
Und für den Fall, dass mal gar nix geht, also der Außenborder ausgefallen ist, die Fische nicht beißen und wir auch sonst in keinen Hafen eingelassen werden:
Dann nehmen wir uns noch einen ganz unmodifizierten Browser.
Vielleicht einen Vivaldi oder vielleicht mal einen Lynx – oder einen Safari, wenn wir grad unter macOS unterwegs sind.
Hauptsache keinen Internet Explorer oder einen Edge.
Diesen Fall-Back Browser brauchen wir nur, wenn die beiden anderen gar keine Alternative sind.
Es gibt leider immer noch ein paar Anbieter, die sich beharrlich weigern, zu funktionieren, wenn man Adblocker und ähnliches schützendes Browser-Bollwerk installiert hat.

Warum denn nur den Firefox?

Wieso singe ich hier das Hohe Lied auf den Firefox als Standard-Browser?
Nun, zunächst einmal singe das Hohe Lied auf den Firefox nicht nur in seiner Funktion als Standard-Browser:
Auch der Tor Browser basiert auf dem Firefox von Mozilla.
Und der Tor Browser nutzt den Firefox als Basis aus dem selben Grund, aus dem ich das Hohe Lied auf diesen Browser singe:
Der Firefox ist Open Source.
Da ich Open Source als absolut notwendige Grundlage für sicherheitskritische Software ansehe, trifft dies eben auch auf den Browser zu.
Mittels unseres Browsers werden etliche Anwendungen ausgeführt, die absolut sicher und vertraulich verlaufen sollten:
Bankgeschäfte
Online-Käufe
* vertrauliche Informationsbeschaffung

Dies alles sind Vorgänge, die unbedingt ohne die geheime Teilnahme von dritten – wie z.B. Geheimdiensten – stattfinden sollen.
Und was schützt uns vor der Nutzung von willentlich eingerichteten Hintertüren?
Open Source.
Zugegeben, die meisten Hintertüren entstehen durch unwillentlich eingebaute Fehler – aber auch die werden bei einem Open Source Projekt wie Firefox schneller gefunden und korrigiert als bei einer Anwendung aus dem Closed Source Bereich.

Und was mach ich unterwegs?

Ich bin ja net auf der Mehlsupp‘ dahergeschwommen, daher ist mir mittlerweile klar, dass mobiles Surfen eine der meistgenutzten – wenngleich unedelsten – Anwendungen eines SmartX-Geräts ist.
Daher gebe ich auch eine Empfehlung in dieser Richtung ab – zumindest für Android.
Da hier das Softwarefeld noch deutlich fragmentierter ist als auf dem klassischen Desktop, wird eine Empfehlung deutlich schwieriger.
Grundsätzlich gilt natürlich auch hier, was ich für den Desktop empfehle:
Mehrere Browser für unterschiedliche Anwendungsfälle.
Als Entsprechung des Tor Browsers bietet sich unter Android der Orfox an.
Dieser basiert auf dem mobilen Firefox und nutzt über Orbot auch das Tor-Netzwerk.
Als Standard-Browser bietet sich dann entsprechend der Firefox an.
Diesen besorgen wir uns aus F-Droid – dem App-Store für freie Software – mittels des FFUpdaters.
Über den FFUpdater bekommen wir immer automatisch die aktuellste Version des Firefox geliefert.
Hier können wir auch die oben genannten Add-ons installieren, um den Schutz unserer Privatsphäre zu erhöhen und unerwünschte, nervige Werbung zu reduzieren.
Als Fall-Back Variante können wir dann jeden Browser nutzen, der im Standardpaket der installierten Android-Version mitgeliefert wird.
Das ist gut genug.

Vigilance is the price of freedom

Wieder passt das Zitat von John Philpot Curran, welches er in Hinblick auf freie Wahlen gemünzt hat.
Dennoch passt es auch auf die weitere sichere Nutzung von Browsern.
Wir müssen wachsam sein und unsere Browser aktuell halten.
Egal ob wir einen, zwei, fünf oder zehn nutzen.
Wenn ein Update für den (oder die) Browser unserer Wahl zur Verfügung steht, dann installieren wir es.
Sofort.
Nicht nach dem nächsten Level Bubble Witch Saga, nicht nach dem nächsten Katzenvideo, nicht nach dem nächsten Kaffee.
Sofort.
Eine Sicherheitslücke, die bekannt wird, wird ausgenutzt.
Bereits seit gestern.
Wenn wir etwas in unser Leben aufnehmen, dann haben wir auch die Pflicht und Schuldigkeit, uns darum zu kümmern und es zu pflegen.
Dabei ist es egal, ob es eine Topfpflanze, ein Pferd, ein Lebensgefährte oder eben ein Stück Software ist.
Wenn wir es nutzen, dann sind wir verantwortlich dafür.
Ganz einfach.

Was noch?

Kein Flash.
Wieder ganz einfach.
Flash ist so eine ranzige Technologie, die kann man gar nicht so schnell patchen, wie dort Sicherheitslücken auftauchen, die natürlich auch gleich ausgenutzt werden.
Es gibt auch keinen wirklichen Grund, Flash zu nutzen.
HTML5 bietet mittlerweile technisch ausgereiftere Möglichkeiten, um die Funktionalitäten von Flash viel besser und sicherer abzubilden.
Und indem wir die zwei oder drei flash-basierten Angebote, die wir unbedingt benötigen, konsequent boykottieren, bringen wir die Anbieter dieser Seiten auch noch dazu, auf eine zeitgemäße Technologie umzusteigen.

Und jetzt, ab an den Strand.
Mit Schwimmflügeln, Ruderboot und Tarnkappen-Korvette in die virtuelle See stechen, ahoi.

Geislinger rät zur digitalen Selbstverteidigung

Heute hat die Geislinger Zeitung einen Artikel von Ruben Wolff über meine Arbeit als Data Detox Berater und die hier beheimatete Manufaktur für digitale Selbstverteidigung veröffentlicht.
Dieser Artikel war das Ergebnis eines einstündigen, sehr spannenden Gesprächs mit Ruben Wolff über Themen wie Digitalisierung sich auf die Entwicklung der Arbeitswelt auswirkt und welchen Einfluss die Daten, die wir von uns preisgeben, haben.