Sichere Alternativen

TL;DR

  • Schweigen im Walde: Darum war es so lange still im Blog
  • Ich such mir ein bisschen Streit: Alternate Irrealities
  • Was kostet die (Kommunikations-)Welt: Data is the price of convenience
  • Mehr Gründe für dagegen: Wieso, weshalb, warum -nicht!
  • Es gibt etwas Besseres: Alternatives kommunizieren

Darum war es so lange still im Blog

Tss…das war wohl ein zu hehres Ziel:
Ein Artikel pro Woche
Funktioniert auf keinen Fall, wenn ich von einer Erdwoche ausgehe.
Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten:

  1. Ich wechsle bei meinem Rhythmus auf Neptunwochen.
  2. Ich ändere meinen Rhythmus auf eine gänzlich andere Zählung.

Versuche ich es erstmal mit einem Artikel pro Bahnfahrt.
Und daran sitze ich jetzt.

Alternate Irrealities

Ich lehne mich heute mal aus dem Fenster und versuche, hier einige Alternativen zu empfehlen.
Das ist immer eine echt gewagte Sache.
Zum einen findet sich zu jeder empfohlenen Alternative fünf Hände voll Gründe, warum diese Alternative aber überhaupt keine Alternative sein kann!
Zum anderen liegt die Halbwertszeit eines Softwareproduktes – bis es entweder nicht mehr unterstützt wird (oder von dem datensaugenden Konzern, von dem wir weg wollen, aufgekauft wurde) – unterhalb der durchschnittlichen Verspätungszeit der Deutschen Bahn.
Schauen wir uns doch zunächst an, warum wir Alternativen suchen sollten.
Und damit es gleich richtig Spaß macht, beginne ich mit der vollkommen unalternierbaren Kommunikationsplattform: WhatsApp.
Ich finde ja, dass der Name WhatsApp onomatopoetisch sehr nahe an Gollum! liegt.
Nun denn, was macht denn WhatsApp zu einer so schlechten Wahl?
Schließlich funktioniert es technisch ohne größere Aussetzer und liefert im Großen und Ganzen das, was man als Anwender von einem Instant Messenger erwartet:

  • Es liefert Nachrichten nahezu instantan aus.
  • Wahnsinnig viele Menschen sind in diesem geschlossenen Netzwerk registriert, das erleichtert das Auffinden von kommunikationswilligen Kontakten.
  • Es gibt bei jedem Update immer neue, voll krass coole Bildchen, da brauch ich mich als Nutzer gar nicht mehr mit komplizierten Buchstaben auseinandersetzen.

Data is the price of convenience

Diese tollen Features haben natürlich ihren Preis.
Huch? Was? Das kostet was?
Das hat mir nie jemand gesagt.
Nein, nein, lieber Datenspender – sei ganz beruhigt.
Dich kostet es ja nichts, denn du hast ja nichts zu verbergen.
Diese unglaublich rechenintensive, stromverbrauchende und hardware-intensive Dienstleistung kostet dich kein Geld.
Geld ist viel zu billig – für ein Unternehmen, das mit Daten handelt.
Eine Ölquelle muss ihren Ausbeutern schließlich auch kein Geld dafür bezahlen, dass sie ausgeraubt wird.
WhatsApp hat erkannt, wenn sie eine vermeintlich nützliche Dienstleistung unentgeltlich anbieten, ist die Bereitschaft der Nutzer, freiwillig etwas viel wertvolleres dafür abzugeben, deutlich höher.
Unsere Daten und Profile gegen ständige Erreichbarkeit, Ablenkung und Datenmüll.
Die Daten, welche die Nutzer freiwillig preisgeben, sind für Facebook – denn denen gehört WhatsApp – ein vielfaches Wert, was ein Nutzer eines Instant Messengers bereit wäre, für diese Dienstleistung zu bezahlen.
Die Metadaten, also die Daten rund um die Inhalte einer Nachricht – wer, mit wem, wann, wo und wie oft kommuniziert – lassen sich zu Profilen korellieren und an Werbetreibende verkaufen.
Damit verdient Facebook sein Geld.
Die unheilige Allianz zwischen Facebook und WhatsApp ist ein weiterer Grund, warum WhatsApp nicht die erste Wahl für einen Kurznachrichtendienst sein sollte (auch nicht die zweite, dritte oder letzte wenn ich so darüber nachdenke).
Die Daten, die bei WhatsApp gesammelt werden, werden mit den Daten der großen Datenkrake Facebook korelliert.
Ja, ja – ich weiß, es gibt doch Gesetze in Deutschland, die genau das verbieten.
Hmm, genau.
Weil etwas derartiges Facebook natürlich bis in die Grundfesten erzittern lässt.
Darum haben sie auch entspannt jahrelang mit ihrem hirnverbrannten Klarnamenzwang gegen das Telemediengesetz verstoßen.
Ich bezweifle stark, dass die deutsche Justiz in der Lage sein wird, Facebook eine Korellation basierend auf Daten, die von WhatsApp stammen nachzuweisen.
Um auf den Punkt zu kommen:
Korellation von Daten zu Profilen ist schlecht.
Kriegt man Zeug angeboten, das man nicht braucht und ebensowenig will.
Es ist eben das Gerümpel, welches die Algorithmen der Internetkonzerne aufgrund unserer Profile für uns als das nächste Must-Have errechnet haben.

Wieso, weshalb, warum – nicht!

Und erzählt mir nix:
Wir sind alle manipulierbar – wenn lange genug mit ausreichend subtiler (oder auch wenniger subtiler dafür umso aufdringlicher Wiederholfrequenz) Überzeugskraft auf uns einmanipuliert wird, werden wir alle weichgekocht.
Steter Tropfen höhlt den Stein und solche Dinge eben.
Der nächste Grund, warum WhatsApp ein No-Go für jeden vernunftbegabten Digitalkommunizierer sein sollte, liegt in deren Serverstandorten:
USA.
Das Land der unbegrenzten Überwachungsmöglichkeiten.
Das Land des PATRIOT Act.
Aufgrund des PATRIOT Act haben die amerikanischen Behörden Zugriff auf die Server aller inländischen Firmen.
Und dazu gehört eben auch WhatsApp.
Aber wir haben ja alle nichts zu verbergen.
Oder vielleicht doch?

  • In letzter Zeit mal Trump kritisiert?
  • Oder was pro-russisches weitergeleitet?
  • Vielleicht mal aus dem Nahen Osten eine Nachricht geschickt?
  • Und für alle eure 527 Kontakte könnt ihr auch die Hände ins Feuer legen?

Hmm…wird vielleicht doch schwierig mit dem nächsten Trip nach Las Vegas.

Alternatives kommunizieren

Das kann einen jetzt schon mal zum Nachdenken anregen.
Mir ist auch klar, dass die meisten WhatsApp nutzen, weil sie eben nichts anderes kennen und es so verdammt bequem ist, einfach zuzustimmen, wenn jemand fragt, ob man WhatsApp hat.
Es ist immer mühsam, Kontaktwilligen seine Abneigung gegen so ein verrottetes Produkt wie WhatsApp immer und immer wieder darzulegen.
Dabei ist es wirklich einfach, eine Alternative zu finden (und zu nutzen – wir installieren doch sonst auch jede zweite App, die nicht bei drei auf den Bäumen ist).
Es muss wirklich nicht immer der selbstkompilierte Messenger sein, der mit seiner ganz eigenen neuentwickelten Krypto daherkommt (gerade von diesem sollten wir tunlichst die Finger lassen!).
Aber fast jede Alternative zu WhatsApp ist eine gute Alternative – denn es zieht hoffentlich einen Nutzer aus dem Heer der WhatsApp-Nutzer ab.
Ein paar tragfähige Alternativen, die ich für gut heiße (keine davon erhält die Gnade aller Privatsphären-Afficionados.
Aber allen zu gefallen ist ein Ding, das niemand kann.):

  • Threema:
    anonym, einfach zu bedienen, bunte Bildchen, aus der Schweiz. Ausreichend Gründe für mich, denen (momentan) mein Vertrauen auszusprechen.
  • Signal:
    einfach, sicher, von Moxie Marlinspike.
    Gut, ein bissel Personenkult halt.
    Aber – wo wir bei Personenkult sind:
    Edward Snowden nutzt Signal und empfiehlt dies.
  • und wer noch mag, schaut mal Wire, Briar, ChatSecure (XMPP für iOS) oder Conversations (XMPP für Android) an.
    Bei denen hab ich das Gefühl, dass die wirklich sicher sind.

Eines haben alle Alternativen gemein:
Man muss mit jedem einzelnen Kontakt einen Kommunikationskanal aushandeln.
Sie sind alles geschlossene Systeme und nicht interoperabel.
Aber das ist auch egal, schließlich will ich mit einer ausgewählten Gruppe kommunizieren und nicht mit der ganzen Welt.
Und auch bei der Kommunikation gilt:
Diversifikation schützt Privatsphäre.

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