Digital Native oder Digital Naive?

Zum Abschluss meiner Reihe über die Digital Natives will ich mir nochmals Gedanken über die Nomenklatur dieser Gruppe machen.
Am Anfang der Reihe habe ich meine Gründe genannt, warum ich denke, dass es Digital Natives überhaupt nicht gibt.
Heute will ich dies aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
Vielleicht hat sich ja im betrachteten Begriff nur ein zusätzlicher Buchstabe eingeschlichen?
Streichen wir das „t“ aus dem Native und wir erhalten einen Naive.
Schauen wir uns die Wortbedeutung von naiv an:
Da heißt es:

"Im Allgemeinen werden Menschen als naiv bezeichnet, die Umstände und Handlungen nicht angemessen bewerten können."

Darüber hinaus gibt es noch einen sprachlichen Back-Link zu nativ…also, alles gut!
Von daher ist es also gar nichts abwertendes, wenn ich unsere aufstrebenden Digitalkommunizierer als naiv bezeichne.
Sie können eben die Umstände und ihre Handlungen nicht angemessen bewerten.
Das ist auch einfach kein Wunder.
Wer kann das schon?
Wer nimmt sich die Zeit, technisch auf dem Laufenden zu bleiben und zusätzlich die Hintergründe zu beleuchten, wie ein neuer Messenger arbeitet oder worin die Tücke im Tracking steckt?
Wenige haben den technischen Hintergrund, um dies zu verstehen
Und noch weniger nehmen sich diese Zeit.
Von daher ist auch keine Schande ein Digital Naiv zu sein.
Wir sollten als Digital Na(t)ive nur nicht den Fehler begehen, versiertes Anwenden mit Verständis zu verwechseln.

Naiv – weil uninformiert

Ein großes Problem sehe ich der schieren Überforderung mit der sich der Digital Naive gegenüber sieht.
Plötzlich und ganz ohne Präzendenz stürzen neue Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion auf den jungen Menschen ein.
Dazu kommt auch noch der immense Druck der Peer Group hinzu, die schon mit Vehemenz die wundervollen neuen Technologien in allem Detailgrad (aber in erschreckender Unkenntnis) nutzt.
Obenauf kommt noch der unglückliche Zustand, dass augenscheinlich jegliche Kommunikation nur noch über den neuesten gehypten Kanal läuft.
Plötzlich scheinen alle bisher vorhandenen und etablierten Kanäle wie Telefon, E-Mail oder persönliche Gespräche in Vergessenheit geraten sind.
In diese undurchsichtige Situation taucht nun der aspirierende Digital Naive ein und versucht sich in der Gruppe zurechtzufinden.
Wohl verständlich, dass wenig Zeit und Energie aufgebracht werden kann, um die geforderten Technologien zu durchdringen – abgesehen davon, dass es gar nicht notwendig ist, um ein wohl dressierter Anwender der Technologie zu werden.
Ganz zu schweigen davon, dass die Risiken und Nebenwirkungen bewertet und endsprechende Alternativen gesucht werden.
Deswegen habe ich durchaus Mitgefühl mit den Digital Naives.
Sie sind schlicht überfordert von der hohen Geschwindigkeit mit der wir mit neuen Technologien geradezu überflutet werden.
Eine große Schuld an dieser Situation sehe ich bei den Internetkonzernen und Herstellern dieser Anwendungen.
Hier besteht aus guten Gründen der besseren Datensammelei profitgemäß kein gesteigertes Interesse daran, die Nutzer über die Hinter- und datentechnischen Abgründe der vermarkteten Technologie aufzuklären.
Welche Wege stehen dem Digital Naive in dieser Lage nun offen?

  • Er kann in seiner Naivität aufgehen und seine Freiheit und Privatsphäre auf dem Altar der nächsten gehypten Technologie opfern.
  • Oder er kann sich aus seiner selbstverschuldeten Naivität erheben und sich aufschlauen.

Ich halte diesen letzteren Weg für den besseren und deutlich nachhaltigeren.
Es ist auch nicht schwierig.
Es bedeutet nicht ein voll ausgebildeter Informatiker zu werden.
Ganz im Gegenteil – ein bisschen gesunder Menschenverstand, einige betriebswirtschaftliche Einblicke und vor allem ein starkes Rückgrat welches einen davor bewahrt unreflektiert jedem Hype hinterher zu renen – dies reicht, um von den neuen Technologien zu profitieren ohne davon ausgenommen zu werden.
Schon wird aus dem Digital Naiv ein Digital Dissident – informiert und selbstbewusst.

Naiv – weil uninteressiert

Schlimmer noch als uninformiert zu sein ist meiner Ansicht nach Desinteresse.
Wo Uninformiertheit durch neue Erkenntnisse überwunden werden kann, bedarf es bei Desinteresse eines klaren Einstellungswechsels des Digital Naive.
Desinteresse zeigt sich in zwei Ausprägungen:
Zum einen in der Einstellung
„Mir ist es egal was alle anderen über mich wissen.“
Dieser eklatante Mangel an Bewusstsein über die Wichtigkeit der Privatsphäre führt jedoch sehr schnell zu sehr großen Angriffsflächen für Manipulation über personalisierte Werbung.
Darüber hinaus vernachlässigen wir durch diese Sichtweise die Wichtigkeit unserer Privatsphäre hinsichtlich der Ausbildung unserer Persönlichkeit und der Abgrenzung zu anderen.
Abgrenzung bedeutet hierbei jedoch nicht, dass wir uns nicht mit der Gesellschaft in der wir leben auseinandersetzen.
Abgrenzung ist gerade dafür eine essentielle Grundlage. Denn wenn wir nicht wissen, wer wir sind können wir auch kein Leben in Gesellschaft führen.
Ansonsten ist nämlich alles ein undifferenzierter Brei.
Die andere Ausprägung ist mein liebstes Un-Argument:
„Ich habe ja nichts zu verbergen.“
Diese Aussage kommt meiner Ansicht nach immer stets reflexartig und vollkommen unreflektiert.
Möglicherweise zeugt diese Aussage auch von dem sicheren Gefühl in einem freien und toleranten Land zu leben – das würde mich freuen.
Allerdings basiert gerade unsere freie und tolerante Gesellschaft auf eben dieser Geheimhaltung ganz privater Dinge.
So etwas banales wie geheime Wahlen beispielsweise.
Ohne geheime Wahlen würden wir in einem totalitären Regime leben.
Grundlegender geht es meiner Meinung nach nicht, was den Schutz der Privatsphäre angeht.
Und von unseren anderen unbedeutenden Geheimnissen wie der PIN unserer EC-Karte oder dem Passwort zu unserem Facebook-Account mal ganz abgesehen.
Desinteresse hat noch einen weiteren dunklen Punkt.
Warum werden denn die ganzen gehypten Apps und Dienste nicht wenigstens ein wenig hinterfragt?
Macht sich denn wirklich keiner der Digital Naives auch nur einen Gedanken darüber, was die Anbieter all dieser tollen, „kostenlosen“ Dienste denn von uns wollen?
Woran liegt es, dass solche Hypes wie z.B. Pokemon Go entstehen und der unbedarfte Digital Naive diesen Datenkraken seine Daten hinterher wirft?
Ich kann mir dies nur so erklären, dass der Nutzer einfach kein Interesse daran hat, wenigstens minimal die Hintergründe von solchen Angeboten zu beleuchten.

  • All diese Dienste kosten Geld.
  • Sie müssen entwickelt werden (von Menschen die Geld für ihre Arbeit bekommen wollen).
  • Die Dienste müssen auf teuren, leistungsfähigen Servern gehostet werden.
    Schon allein die Hardware dafür kostet viel Geld.
  • Diese Server brauchen Strom.
    Das kostet Geld.

Leider wurde mit dem irreführenden Begriff der „Cloud“ hier ein fantastischer Marketing-Trick genutzt.
Es kommt alles aus den Wolken.
Es klingt leicht, unbeschwert und frei.
Dass die „Cloud“ einfach nur aus den Servern anderer Leute besteht, kann man daher getrost vernachlässigen.
Aber das ist eben Desinteresse.
Machen wir uns diesen Zusammenhang mit folgendem Merksatz bewusst:

"There is no free lunch."

TL;DR

  • Nicht-Wissen schützt nicht: Naiv – weil uninformiert
  • Mir egal ist auch nicht gut: Naiv – weil desinteressiert

So, jetzt liebe Digital Na(t)ives, erhebt euch aus eurer selbstverschuldeten Unmündigkeit und schwingt euch auf in eine selbstbewusste digitale Mündigkeit.

Digital Native oder Digital Naive?

Zum Abschluss meiner Reihe über die Digital Natives will ich mir nochmals Gedanken über die Nomenklatur dieser Gruppe machen.
Am Anfang der Reihe habe ich meine Gründe genannt, warum ich denke, dass es Digital Natives überhaupt nicht gibt.
Heute will ich dies aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
Vielleicht hat sich ja im betrachteten Begriff nur ein zusätzlicher Buchstabe eingeschlichen?
Streichen wir das „t“ aus dem Native und wir erhalten einen Naive.
Schauen wir uns die Wortbedeutung von naiv an:
Da heißt es:

„Im Allgemeinen werden Menschen als naiv bezeichnet, die Umstände und Handlungen nicht angemessen bewerten können.“
Darüber hinaus gibt es noch einen sprachlichen Back-Link zu nativ…also, alles gut!
Von daher ist es also gar nichts abwertendes, wenn ich unsere aufstrebenden Digitalkommunizierer als naiv bezeichne.
Sie können eben die Umstände und ihre Handlungen nicht angemessen bewerten.
Das ist auch einfach kein Wunder.
Wer kann das schon?
Wer nimmt sich die Zeit, technisch auf dem Laufenden zu bleiben und zusätzlich die Hintergründe zu beleuchten, wie ein neuer Messenger arbeitet oder worin die Tücke im Tracking steckt?
Wenige haben den technischen Hintergrund, um dies zu verstehen
Und noch weniger nehmen sich diese Zeit.
Von daher ist auch keine Schande ein Digital Naiv zu sein.
Wir sollten als Digital Na(t)ive nur nicht den Fehler begehen, versiertes Anwenden mit Verständis zu verwechseln.

TL;DR

  • Nicht-Wissen schützt nicht: Naiv – weil uninformiert
  • Mir egal ist auch nicht gut: Naiv – weil desinteressiert

Naiv – weil uninformiert

Ein großes Problem sehe ich der schieren Überforderung mit der sich der Digital Naive gegenüber sieht.
Plötzlich und ganz ohne Präzendenz stürzen neue Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion auf den jungen Menschen ein.
Dazu kommt auch noch der immense Druck der Peer Group hinzu, die schon mit Vehemenz die wundervollen neuen Technologien in allem Detailgrad (aber in erschreckender Unkenntnis) nutzt.
Obenauf kommt noch der unglückliche Zustand, dass augenscheinlich jegliche Kommunikation nur noch über den neuesten gehypten Kanal läuft.
Plötzlich scheinen alle bisher vorhandenen und etablierten Kanäle wie Telefon, E-Mail oder persönliche Gespräche in Vergessenheit geraten sind.
In diese undurchsichtige Situation taucht nun der aspirierende Digital Naive ein und versucht sich in der Gruppe zurechtzufinden.
Wohl verständlich, dass wenig Zeit und Energie aufgebracht werden kann, um die geforderten Technologien zu durchdringen – abgesehen davon, dass es gar nicht notwendig ist, um ein wohl dressierter Anwender der Technologie zu werden.
Ganz zu schweigen davon, dass die Risiken und Nebenwirkungen bewertet und endsprechende Alternativen gesucht werden.
Deswegen habe ich durchaus Mitgefühl mit den Digital Naives.
Sie sind schlicht überfordert von der hohen Geschwindigkeit mit der wir mit neuen Technologien geradezu überflutet werden.
Eine große Schuld an dieser Situation sehe ich bei den Internetkonzernen und Herstellern dieser Anwendungen.
Hier besteht aus guten Gründen der besseren Datensammelei profitgemäß kein gesteigertes Interesse daran, die Nutzer über die Hinter- und datentechnischen Abgründe der vermarkteten Technologie aufzuklären.
Welche Wege stehen dem Digital Naive in dieser Lage nun offen?
Er kann in seiner Naivität aufgehen und seine Freiheit und Privatsphäre auf dem Altar der nächsten gehypten Technologie opfern.
Oder er kann sich aus seiner selbstverschuldeten Naivität erheben und sich aufschlauen.

Ich halte diesen letzteren Weg für den besseren und deutlich nachhaltigeren.
Es ist auch nicht schwierig.
Es bedeutet nicht ein voll ausgebildeter Informatiker zu werden.
Ganz im Gegenteil – ein bisschen gesunder Menschenverstand, einige betriebswirtschaftliche Einblicke und vor allem ein starkes Rückgrat welches einen davor bewahrt unreflektiert jedem Hype hinterher zu renen – dies reicht, um von den neuen Technologien zu profitieren ohne davon ausgenommen zu werden.
Schon wird aus dem Digital Naiv ein Digital Dissident – informiert und selbstbewusst.

Naiv – weil uninteressiert

Schlimmer noch als uninformiert zu sein ist meiner Ansicht nach Desinteresse.
Wo Uninformiertheit durch neue Erkenntnisse überwunden werden kann, bedarf es bei Desinteresse eines klaren Einstellungswechsels des Digital Naive.
Desinteresse zeigt sich in zwei Ausprägungen:
Zum einen in der Einstellung
„Mir ist es egal was alle anderen über mich wissen.“
Dieser eklatante Mangel an Bewusstsein über die Wichtigkeit der Privatsphäre führt jedoch sehr schnell zu sehr großen Angriffsflächen für Manipulation über personalisierte Werbung.
Darüber hinaus vernachlässigen wir durch diese Sichtweise die Wichtigkeit unserer Privatsphäre hinsichtlich der Ausbildung unserer Persönlichkeit und der Abgrenzung zu anderen.
Abgrenzung bedeutet hierbei jedoch nicht, dass wir uns nicht mit der Gesellschaft in der wir leben auseinandersetzen.
Abgrenzung ist gerade dafür eine essentielle Grundlage. Denn wenn wir nicht wissen, wer wir sind können wir auch kein Leben in Gesellschaft führen.
Ansonsten ist nämlich alles ein undifferenzierter Brei.
Die andere Ausprägung ist mein liebstes Un-Argument:
„Ich habe ja nichts zu verbergen.“
Diese Aussage kommt meiner Ansicht nach immer stets reflexartig und vollkommen unreflektiert.
Möglicherweise zeugt diese Aussage auch von dem sicheren Gefühl in einem freien und toleranten Land zu leben – das würde mich freuen.
Allerdings basiert gerade unsere freie und tolerante Gesellschaft auf eben dieser Geheimhaltung ganz privater Dinge.
So etwas banales wie geheime Wahlen beispielsweise.
Ohne geheime Wahlen würden wir in einem totalitären Regime leben.
Grundlegender geht es meiner Meinung nach nicht, was den Schutz der Privatsphäre angeht.
Und von unseren anderen unbedeutenden Geheimnissen wie der PIN unserer EC-Karte oder dem Passwort zu unserem Facebook-Account mal ganz abgesehen.
Desinteresse hat noch einen weiteren dunklen Punkt.
Warum werden denn die ganzen gehypten Apps und Dienste nicht wenigstens ein wenig hinterfragt?
Macht sich denn wirklich keiner der Digital Naives auch nur einen Gedanken darüber, was die Anbieter all dieser tollen, „kostenlosen“ Dienste denn von uns wollen?
Woran liegt es, dass solche Hypes wie z.B. Pokemon Go entstehen und der unbedarfte Digital Naive diesen Datenkraken seine Daten hinterher wirft?
Ich kann mir dies nur so erklären, dass der Nutzer einfach kein Interesse daran hat, wenigstens minimal die Hintergründe von solchen Angeboten zu beleuchten.
All diese Dienste kosten Geld.
Sie müssen entwickelt werden (von Menschen die Geld für ihre Arbeit bekommen wollen).
Die Dienste müssen auf teuren, leistungsfähigen Servern gehostet werden.
Schon allein die Hardware dafür kostet viel Geld.
Diese Server brauchen Strom.
Das kostet Geld.

Leider wurde mit dem irreführenden Begriff der „Cloud“ hier ein fantastischer Marketing-Trick genutzt.
Es kommt alles aus den Wolken.
Es klingt leicht, unbeschwert und frei.
Dass die „Cloud“ einfach nur aus den Servern anderer Leute besteht, kann man daher getrost vernachlässigen.
Aber das ist eben Desinteresse.
Machen wir uns diesen Zusammenhang mit folgendem Merksatz bewusst:

„There is no free lunch.“

So, jetzt liebe Digital Na(t)ives, erhebt euch aus eurer selbstverschuldeten Unmündigkeit und schwingt euch auf in eine selbstbewusste digitale Mündigkeit.

Digital Natives auf Stellensuche

Nunja, früher war nicht alles besser.
Aber zumindest hatten wir Jugendliche noch eine berechtigte Chance auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz trotz unseres nicht gerade karriereförderlichen Lebenswandel.
Zum einen haben wir selbst nicht haarklein unsere diversen jugendlichen Verfehlungen medienwirksam aufbereitet und der halben Welt zur Verfügung gestellt.
Andererseits hatten potentielle Arbeitgeber noch keine Möglichkeit, diese nicht dokumentierten Verfehlungen zu finden und im Bewerbungsprozess gegen uns zu verwenden.
Aber heute ist das anders.

Dein Leben als res publica

Ich stelle einen krassen Wandel in der Bewertung von Privatsphäre fest.
War es für mich früher noch undenkbar alle meine Ideen und Gedanken öffentlich zu machen.
So ist dies heutzutage Normalität.
Digital Natives tragen nicht nur ihre Haut zu Markte.
Nein, sie legen auch ihre Gedanken, Gefühle und alle verfügbaren Beziehungsgeflechte dazu.
Es wird einfach als normal angenommen alles über sein eigenes Leben preiszugeben.
Die Motivation aus der heraus Digital Natives dies tun ist eher zweitrangig.
Zu allen Zeiten sind Jugendliche unreflektiert Trends hinterher gelaufen.
Dies gehört sicherlich zum jugendlichsein dazu.
Allerdings sind die Auswirkungen dieser prä-adoleszenten Probeläufe wesentlich anhänglicher als diese früher waren.
Das Netz ist nicht auf Vergessen ausgerichtet.
Es bleibt alles gespeichert.
Die Frage ist nicht, ob etwas gefunden wird, sondern wann.
Und wann ist meist der Zeitpunkt, der am ungünstigsten für den Datenlieferanten ist.

Die Gedanken sind frei

Jugendliche – und dazu zählen die meisten Vertreter der Gruppe der Digital Natives – haben die Tendenz die Welt als ihren Laufsteg zu betrachten.
Recht so – das ist das Privileg der Jugend, wir waren zu unserer Zeit genauso.
Nur ist dieser Laufsteg jetzt gnadenloser geworden, denn er vergisst keinen Fehltritt – und verzeiht ihn noch weniger.
Jugendliche sollen auch unbedingt in diesem Modus weiterleben, es ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Entwicklung.
Die Gedanken sind frei und der freie Ausdruck derselben muss unbedingt erhalten bleiben.
Es darf nicht sein, dass nur aufgrund der technischen Speichermöglichkeiten und datentechnischen Auswertungstechnologien alle jugendlich-unbedachten Äußerungen auf alle Ewigkeit gespeichert und bei der für den Digital Native unpassendsten Gelegenheit aus dem digitalen Sumpf gezogen und gegen ihn verwendet werden.
Darum rufen wir uns Clemens Brentano und Achim von Arnim wieder in unser Gedächtnis und singen leise vor uns her:

"Ja fesselt man mich
  Im finsteren Kerker,
  So sind doch das nur
  Vergebliche Werke.
  Denn meine Gedanken
  Zerreißen die Schranken
  Und Mauern entzwei:
  Die Gedanken sind frei."

So ist der Kerker heute zwar ein Speicherplatz auf einem Server – aber die Gedanken sind dort Speicherlebenslänglich gefangen.

The past is irrelevant – es geht um deine Zukunft, Digital Native!

In unserem Heulen und Zähneknirschen über die furchtbaren Auswirkungen von Digitalisierung und Big Data richten wir unseren Blick in die falsche Richtung.
Es geht den algorithmischen Auswertern nicht um die Verfehlungen des datentechnisch durchleuchteten Digital Native.
Ziel der Big Data-gestützten Auswertung ist eine Prognose des zukünftigen Verhaltens eines potenziellen Mitarbeiters.
Wir überschätzen die Wichtigkeit unserer unbedachten Kommentare.
Wir werten die Wirkung unserer peinlichen Party-Fotos viel zu hoch.
Wir rechnen den damals als politisch brisant gewerteten Links die wir weitergeleitet haben zuviel Gewicht bei.
Darum geht es den algorithmischen Personalauswählern nicht.
Daran haben sie überhaupt kein Interesse.
Niemand schaut sich die 2597 Fotos an, die der Digital Native Jahr für Jahr in seinem unsozialen Netzwerk gepostet hat – noch nicht einmal er selbst.
Kein Algorithmus wertet die Kommentare aus, die er in seiner Timeline (und der seiner 3587 „Freunde“) hinterlassen hat.
Es geht den Algorithmen einzig um eine Prognose die sich aus dem Profil des Digital Natives ergibt.
Das Profil wird – zugegebenermaßen – aus der Tendenz seiner Fotos, Kommentare und Links erstellt.
Das Tragische an dieser algorithmischen Filterung ist darüber hinaus die Tatsache, dass wir nicht mitbekommen das so ein Profil von uns erstellt wird.
Wir haben auch keinen Einblick darin, nach welchen Kriterien der Algorithmus uns filtert.
Das Vorgehen der Datenkraken ist das genaue Gegenteil der Transparenz, die von Internetkonzernen wie Google oder Facebook werbewirksam nach außen plakatiert wird.
Diese Datensammler wollen keine Transparanz – sie wollen gläserne Datenlieferanten, die freiwillig ihr Leben als Datenmienen im Besitz des einen oder anderen Internetkonzerns fristen.

Digitale Hygiene

Wohin damit?
Immer fallen sie einem vor die Füße, die Auswirkungen der Daten die wir so acht- und sinnlos in den virtuellen Raum gepostet haben.
Was fort ist, ist fort.
Ein gesprochenes Wort kann auch nicht zurückgenommen werden.
Über die bereits veröffentlichten Kommentare und Fotos brauchen wir uns keine schlaflosen Nächte mehr machen.
Schauen wir nach vorn und überlegen, was wir tun können.
Und die Möglichkeiten sind Legion!
Beginnen wir zunächst mit dem ersten Schritt unserer digitalen Hygiene:
Datensparsamkeit.
Was wir nicht ausplaudern kann uns auch nicht vor die Füße fallen.
Ich widerspreche hier Eric Schmidt mit seiner entsetzlichen Philosophie

"Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun."

indem ich sage

"Tu was du willst, aber posaune es nicht überall herum."

Das klingt nämlich vielmehr nach ein Gentleman genießt und schweigt.
Ich folge hier eher dem Auryn

"Tu, was du willst"

und ergänze es um

"...und halt die Klappe!"

Wir können wirklich alles tun, aber wir sollten uns durch drei einfache Fragen selbst prüfen, ob wir alles öffentlich machen sollten.
Damit helfen wir uns und allen anderen.
Denn wenn wir unsere Abenteuer nach dem 3-Fragen-Konzept veröffentlichen, erhöhen wir die Qualität unseres digitalen Outputs und reduzieren den Datenmüll, mit dem wir ansonsten das globale digitale Dorf verschmutzen.
Fragen wir uns vor jedem Post:

  • Ist es hilfreich?
  • Ist es gut?
  • Ist es freundlich?

Schock deine Suchmaschine – vernebel deine Anfragen

Ein anderes Mittel, um die Erstellung eines Profils über uns zu erschweren ist der Einsatz von TrackMeNot.
TrackMeNot erzeugt einen Nebel aus zufälligen Anfragen an verschiedene Suchmaschinen, ganz automatisch während wir uns im Internet tummeln.
Damit erzeugen wir ein gewisses Datenrauschen, mit dem wir es den Datenkraken erschweren uns wahren Absichten zu erkennen.
Damit sind wir gewissermaßen die Daten-Tintenfische im Kampf gegen die Datenkraken.
Diese technische Hilfsmaßnahme ist nur ein zusätzlicher Schutz – wir dürfen uns niemals allein auf technische Maßnahmen verlassen.
Wir müssen einen Wandel in unserem Bewusstsein über unseren Umgang mit unseren Daten erreichen.
Das Bewusstsein, dass alle Daten die wir in irgendeiner Form aus unserer Hand geben irgendwann zu uns zurückkehren – oft nicht in der gewünschten Form, muss uns ein grundlegender Leitgedanke werden.
Dann können wir in datensparsamer Form entspannt und gut mit unserer digitalen Kommunikation umgehen.

TL;DR

  • Öffentlichkeitsarbeit – Dein Leben als res publica
  • Sei wild, sei frei – Die Gedanken sind frei
  • Gone is Gone, Prognose ist das Ziel – Es geht um deine Zukunft, Digital Native
  • Clean your stuff – Digitale Hygiene
  • Im Nebel – Schock deine Suchmaschine – vernebel deine Anfragen

Und jetzt?
Gib dich der Freiheit hin – aber mit Sinn und Verstand

[maxbutton id=“4″ url=“mailto:anmerkungen@blog.data-detox.de?subject=Digital Natives auf Stellensuche“ ]

[maxbutton id=“1″ ]

[Update: 2017-08-17 @ 08:48]

Digital Natives auf Stellensuche

Nunja, früher war nicht alles besser.
Aber zumindest hatten wir Jugendliche noch eine berechtigte Chance auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz trotz unseres nicht gerade karriereförderlichen Lebenswandel.
Zum einen haben wir selbst nicht haarklein unsere diversen jugendlichen Verfehlungen medienwirksam aufbereitet und der halben Welt zur Verfügung gestellt.
Andererseits hatten potentielle Arbeitgeber noch keine Möglichkeit, diese nicht dokumentierten Verfehlungen zu finden und im Bewerbungsprozess gegen uns zu verwenden.
Aber heute ist das anders.

TL;DR

  • Öffentlichkeitsarbeit – Dein Leben als res publica
  • Sei wild, sei frei – Die Gedanken sind frei
  • Gone is Gone, Prognose ist das Ziel – Es geht um deine Zukunft, Digital Native
  • Clean your stuff – Digitale Hygiene
  • Im Nebel – Schock deine Suchmaschine – vernebel deine Anfragen

Dein Leben als res publica

Ich stelle einen krassen Wandel in der Bewertung von Privatsphäre fest.
War es für mich früher noch undenkbar alle meine Ideen und Gedanken öffentlich zu machen.
So ist dies heutzutage Normalität.
Digital Natives tragen nicht nur ihre Haut zu Markte.
Nein, sie legen auch ihre Gedanken, Gefühle und alle verfügbaren Beziehungsgeflechte dazu.
Es wird einfach als normal angenommen alles über sein eigenes Leben preiszugeben.
Die Motivation aus der heraus Digital Natives dies tun ist eher zweitrangig.
Zu allen Zeiten sind Jugendliche unreflektiert Trends hinterher gelaufen.
Dies gehört sicherlich zum jugendlichsein dazu.
Allerdings sind die Auswirkungen dieser prä-adoleszenten Probeläufe wesentlich anhänglicher als diese früher waren.
Das Netz ist nicht auf Vergessen ausgerichtet.
Es bleibt alles gespeichert.
Die Frage ist nicht, ob etwas gefunden wird, sondern wann.
Und wann ist meist der Zeitpunkt, der am ungünstigsten für den Datenlieferanten ist.

Die Gedanken sind frei

Jugendliche – und dazu zählen die meisten Vertreter der Gruppe der Digital Natives – haben die Tendenz die Welt als ihren Laufsteg zu betrachten.
Recht so – das ist das Privileg der Jugend, wir waren zu unserer Zeit genauso.
Nur ist dieser Laufsteg jetzt gnadenloser geworden, denn er vergisst keinen Fehltritt – und verzeiht ihn noch weniger.
Jugendliche sollen auch unbedingt in diesem Modus weiterleben, es ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Entwicklung.
Die Gedanken sind frei und der freie Ausdruck derselben muss unbedingt erhalten bleiben.
Es darf nicht sein, dass nur aufgrund der technischen Speichermöglichkeiten und datentechnischen Auswertungstechnologien alle jugendlich-unbedachten Äußerungen auf alle Ewigkeit gespeichert und bei der für den Digital Native unpassendsten Gelegenheit aus dem digitalen Sumpf gezogen und gegen ihn verwendet werden.
Darum rufen wir uns Clemens Brentano und Achim von Arnim wieder in unser Gedächtnis und singen leise vor uns her:

„Ja fesselt man mich
Im finsteren Kerker,
So sind doch das nur
Vergebliche Werke.
Denn meine Gedanken
Zerreißen die Schranken
Und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei.“
So ist der Kerker heute zwar ein Speicherplatz auf einem Server – aber die Gedanken sind dort Speicherlebenslänglich gefangen.

The past is irrelevant – es geht um deine Zukunft, Digital Native!

In unserem Heulen und Zähneknirschen über die furchtbaren Auswirkungen von Digitalisierung und Big Data richten wir unseren Blick in die falsche Richtung.
Es geht den algorithmischen Auswertern nicht um die Verfehlungen des datentechnisch durchleuchteten Digital Native.
Ziel der Big Data-gestützten Auswertung ist eine Prognose des zukünftigen Verhaltens eines potenziellen Mitarbeiters.
Wir überschätzen die Wichtigkeit unserer unbedachten Kommentare.
Wir werten die Wirkung unserer peinlichen Party-Fotos viel zu hoch.
Wir rechnen den damals als politisch brisant gewerteten Links die wir weitergeleitet haben zuviel Gewicht bei.
Darum geht es den algorithmischen Personalauswählern nicht.
Daran haben sie überhaupt kein Interesse.
Niemand schaut sich die 2597 Fotos an, die der Digital Native Jahr für Jahr in seinem unsozialen Netzwerk gepostet hat – noch nicht einmal er selbst.
Kein Algorithmus wertet die Kommentare aus, die er in seiner Timeline (und der seiner 3587 „Freunde“) hinterlassen hat.
Es geht den Algorithmen einzig um eine Prognose die sich aus dem Profil des Digital Natives ergibt.
Das Profil wird – zugegebenermaßen – aus der Tendenz seiner Fotos, Kommentare und Links erstellt.
Das Tragische an dieser algorithmischen Filterung ist darüber hinaus die Tatsache, dass wir nicht mitbekommen das so ein Profil von uns erstellt wird.
Wir haben auch keinen Einblick darin, nach welchen Kriterien der Algorithmus uns filtert.
Das Vorgehen der Datenkraken ist das genaue Gegenteil der Transparenz, die von Internetkonzernen wie Google oder Facebook werbewirksam nach außen plakatiert wird.
Diese Datensammler wollen keine Transparanz – sie wollen gläserne Datenlieferanten, die freiwillig ihr Leben als Datenmienen im Besitz des einen oder anderen Internetkonzerns fristen.

Digitale Hygiene

Wohin damit?
Immer fallen sie einem vor die Füße, die Auswirkungen der Daten die wir so acht- und sinnlos in den virtuellen Raum gepostet haben.
Was fort ist, ist fort.
Ein gesprochenes Wort kann auch nicht zurückgenommen werden.
Über die bereits veröffentlichten Kommentare und Fotos brauchen wir uns keine schlaflosen Nächte mehr machen.
Schauen wir nach vorn und überlegen, was wir tun können.
Und die Möglichkeiten sind Legion!
Beginnen wir zunächst mit dem ersten Schritt unserer digitalen Hygiene:
Datensparsamkeit.
Was wir nicht ausplaudern kann uns auch nicht vor die Füße fallen.
Ich widerspreche hier Eric Schmidt mit seiner entsetzlichen Philosophie

„Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.“
indem ich sage
„Tu was du willst, aber posaune es nicht überall herum.“
Das klingt nämlich vielmehr nach ein Gentleman genießt und schweigt.
Ich folge hier eher dem Auryn
„Tu, was du willst“
und ergänze es um
„…und halt die Klappe!“
Wir können wirklich alles tun, aber wir sollten uns durch drei einfache Fragen selbst prüfen, ob wir alles öffentlich machen sollten.
Damit helfen wir uns und allen anderen.
Denn wenn wir unsere Abenteuer nach dem 3-Fragen-Konzept veröffentlichen, erhöhen wir die Qualität unseres digitalen Outputs und reduzieren den Datenmüll, mit dem wir ansonsten das globale digitale Dorf verschmutzen.
Fragen wir uns vor jedem Post:
Ist es hilfreich?
Ist es gut?
* Ist es freundlich?

Schock deine Suchmaschine – vernebel deine Anfragen

Ein anderes Mittel, um die Erstellung eines Profils über uns zu erschweren ist der Einsatz von TrackMeNot.
TrackMeNot erzeugt einen Nebel aus zufälligen Anfragen an verschiedene Suchmaschinen, ganz automatisch während wir uns im Internet tummeln.
Damit erzeugen wir ein gewisses Datenrauschen, mit dem wir es den Datenkraken erschweren uns wahren Absichten zu erkennen.
Damit sind wir gewissermaßen die Daten-Tintenfische im Kampf gegen die Datenkraken.
Diese technische Hilfsmaßnahme ist nur ein zusätzlicher Schutz – wir dürfen uns niemals allein auf technische Maßnahmen verlassen.
Wir müssen einen Wandel in unserem Bewusstsein über unseren Umgang mit unseren Daten erreichen.
Das Bewusstsein, dass alle Daten die wir in irgendeiner Form aus unserer Hand geben irgendwann zu uns zurückkehren – oft nicht in der gewünschten Form, muss uns ein grundlegender Leitgedanke werden.
Dann können wir in datensparsamer Form entspannt und gut mit unserer digitalen Kommunikation umgehen.

Und jetzt?
Gib dich der Freiheit hin – aber mit Sinn und Verstand.

Digital Natives kennen sich doch eh besser aus, oder?

Über die Digital Natives zu schreiben ist ein bisschen so, wie über die Steinlaus (Petrophaga lorioti) zu schreiben.
Beide gibt es nicht, dennoch sind sie in aller Munde.
Daher mache ich mir in diesem Artikel Gedanken darüber, ob sich Digital Natives jetzt in der wilden Welt der Virtualität besser auskennen als wir Muggel – oder ob dies nicht vielleicht ein Trugschluss ist.

Digital Natives sind schnelle Anwender

Das sind sie wirklich.
Da bekomme ich schon ein mentales Schleudertrauma, wenn ich in der Straßenbahn mal bei einem Digital Native shoulder surfe, der gerade sein nächstes Pokemon jagt oder in fingerbrecherischer Geschwindigkeit durch sein WhatsApp-Adressbuch durchchattet.
Aber ist Geschwindigkeit ein Maßstab für einen Einblick in die Materie, die mit der Digitalisierung einhergeht?
Ich glaube nicht.
Mir fällt dazu immer Josy, die freundliche Schildkröte von Sascha Grammel, ein.
Josy, die einen Nebenjob als biologischer Geldautomat hat und den Weltrekord im Schnellrechnen innehält.
Josy rechnet zwar unschlagbar schnell – aber falsch.
Und ähnlich scheinen mir Digital Natives an ihre digitalen Herausforderungen heranzugehen:
auf jeden Fall sehr schnell (und mitunter … unsicher)
Die Fingerfertigkeit der Digital Natives reicht an diejenige der nordfriesischen Jungfrauen beim krabbenpuhlen heran.
Allerdings erkenne ich bei Digital Natives weniger profundes Hintergrundwissen, was das Ziel der Fingerfertigkeit angeht.
Die nordfriesische Jungfrau kennt ihre Krabbe mit Vor- und Zunamen.
Der Digital Native kennt nur die App, die gerade Opfer seiner Fingerfertigkeit ist.
Ich gebe neidlos zu, Digital Natives sind bis in das letzte Fingerglied durchtrainierte Anwender und können die App sicher schneller und gekonnter bedienen als der Entwickler dieser Anwendung.
Aber das ist keine Fertigkeit, die den Digital Natives einen Vorteil vor uns Muggeln verschafft.
Auf die Anwendung eines Werkzeugs kann jeder aus dem Winterschlaf geweckte Ameisenbär geschult werden.
Werkzeuge bedienen konnten auch unsere Vorfahren aus der Jungsteinzeit schon, das ist kein großer evolutionärer Sprung.
Aber die Herstellung eines Faustkeils – oder das Wissen, warum wir unsere Daten schützen sollten – das sind die kleinen Vorteile, die uns vor Säbelzahntiger und Datenkrake schützen.

Digital Natives sind die Spitze der technologischen Entwicklung – für die nächsten fünf Jahre

Digital Natives wurden (bisher) noch nicht mit revolutionären Umwälzungen konfrontiert.
Für sie gab es schon immer Smartphones und das Internet.
Sie kennen keine Welt ohne diese technischen Spielereien.
Wir Muggel hingegen sind schon durch einige – zugegebenermaßen nicht so gesellschaftsdurchdringende – Täler der Tränen der neuen Entwicklungen gegangen.
Wir haben Leid und Lust neuer Erfindungen (das erste E-Netz Handy war auch Schock und Segen) schon mehrfach durchlebt.
Von daher sind wir langsam (aber sicher) an derartige  gesellschaftliche Auswirkungen technologischer Entwicklungen herangeführt worden.
Digital Natives erwischt diese technische Revolution gänzlich unvorbereitet.
Umwälzungen, Neuentwicklungen, der nächste heiße Scheiß kommen immer – und zusätzlich immer schneller.
Was sich bislang in Zeiträumen von Generationen oder Jahrzehnten abgespielt hat, erleben wir mittlerweile schon innerhalb von fünf Jahren – und zukünftig werden diese Sprünge noch schneller stattfinden.
Eine zusätzliche Auswirkung dieser engen Bindung, die ein Digital Native mit dem Smartphone seines Herzens eingeht, ist das erlebte Leid bei Entzug desselben.
Sei es durch den zunehmenden Energiehunger dieser unersättlichen Daten- und Zeitfresser.
Da ist das wachsende Angebot von Ladestationen in Elektronikmärkten oder Cafe-Ketten schon eher mit dem anfixen durch „kostenlose“ Drogenproben zu vergleichen als mit einem kundenfreundlichen Servicegedanken.
Oder der als gewaltsam betrachteten Trennung eines Smartphone-Junkies von seinem Drogenbesteck durch Lehrer oder unverständige Chefs.
Da halte ich Auswüchse in der Form, dass Lehrer Verständnis für whatsAppende Schüler im Unterricht zeigen eher für unverständlich.
Ich hab zu meiner Zeit auch eine auf den Stecker bekommen, wenn ich im Unterricht gepennt habe oder Batman-Comics gelesen habe.

Was kümmerts den Digital Native schon

Unbekümmert und lebensfroh – oder doch eher desinteressiert und gleichgültig?
Meiner Erfahrung nach zeigt der Digital Native eher wenig Interesse für die Hintergründe seiner glücklich datenversorgten Lage.
Hier findet keine Reflexion statt, wie es denn möglich ist, dass ihm ein weltumspannendes, gesellschaftsdurchdringendes und gleichwohl -erschütterndes Netzwerk zur Verfügung gestellt wird – for free!
Hier steht kein Fragezeichen auf den Gesichtern gemalt, wer die tausenden Server, Datenbanken, Hochleistungsrechenzentren und Entwicklung dahinter bezahlt.
Keiner von den mir bekannten Digital Natives ist bereit, Geld für Wissen, Daten, Dienste im virtuellen Raum in die Hand zu nehmen.
Die Smartphones sind mit dem Handy-Vertrag bezahlt – da fallen auch keine offensichtlichen Kosten auf (aber an).
Welche Auswirkungen diese Kostenlos-Mentalität auf die Privatsphäre hat, auf soziale (Un-)Gerechtigkeit und die Umwelt – in dieser Hinsicht scheint der Geist der Digital Natives eher zen-artig zu sein:
ein leeres Blatt.
Ich habe inzwischen schon häufig erfahren, dass Themen wie Umweltverschmutzung (durch die schädliche Gewinnung Seltener Erden für die Produktion von Smartphones) oder die Ausbeutung durch Kinderarbeit (bei der Förderung von „unfairem“, weil konfliktbehaftetem Gold) überhaupt nicht auf dem sozialen Schirm auftauchen – obwohl die Digital Natives so social-media-versiert sind.
Auch was Privatsphäre angeht glänzen die Digital Natives eher mit einem post-privacy durchtränkten „Ich habe doch nichts zu verbergen!“ – anstatt sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, dass auch diese Generation sehr wohl etwas zu verbergen hat!
Aber Sting hat wohl recht, wenn er sein History Will Teach Us Nothing singt.
Da haben wir (also so gesellschaftlich gesprochen – denn, um es mit dem Immigration-Questionnaire unserer transatlantischen Freunde zu sagen, ich habe nicht am Holocaust teilgenommen) schon zwei totalitäre Regime überstanden und mit Heulen und Zähneknirschen geschworen, dass so etwas (ich ziele hier gerade auf den Überwachungsteil der Regime ab) nie wieder vorkommen darf.
Und was machen die Digital Natives?
Mit fröhlichem Fingerstreich geben sie auch noch das letzte Datum ihrer Privatsphäre den großen (und kleinen) Datenkraken preis.
Freiwillig.
Ihren Eltern würden sie höchstens unter Androhung von Foltermethoden (welche noch nicht einmal die CIA befürworten würde) erzählen, was sie in der Schule erlebt haben.
Aber auf Facebook posaunen sie alles freiwillig heraus!
Seufz.
Ich versteh sie nicht diese Digital Natives.

Und sonst noch?

Auch einen Überblick über Alternativen zu haben ist ein wesentliches Merkmal, eine Technologie durchdrungen zu haben.
Leider ist an dieser Stelle auch kein Blumentopf zu gewinnen für unsere digital nativen Power-User.
Sie kennen jeden neuen Hype.
Springen schneller auf den Pokemon Go-Zug auf, als Team Rocket „Das war ein Schuss in den Ofen!“ brüllen kann.
Aber das einzige, was hier zählt, ist Mainstream zu sein.
Möglicherweise haben die DN an dieser Stelle einmal zu viel (und zu falsch!) auf Albert Einstein gehört:

"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.

Dabei war es – zumindest zu meiner Zeit als pubertierender Jugendlicher – noch ein herrausragendes Merkmal gerade nicht Mainstream zu sein.
Wir haben uns nach Kräften bemühlt, anders zu sein als alle.
Zugegeben, auch das ist nicht der Weisheit letzter Schluss.
Sind wir doch in unserem Drang nach Individualität „Wir sind alle Individuen„-brüllend („Ich nicht!„) letztlich auch oft genug der heiligen Sandale hinterher gelatscht.
Andere Musik zu hören, andere Filme zu schauen, anders auszusehen.
Aber heute – so ist mei Empfinden – machen alle DN genau das Gleiche.
Alle sind bei Facebook.
Alle nutzen WhatsApp.
Oder SnapChat.
Keiner schaut sich nach Alternativen um.
Das ist ja alles sooo schwierig.
Bei Signal ist ja keiner.
Bei diaspora* ist man so allein.
Das macht das Leben spannend 🙂
Nicht ob ich 3873 „Freunde“ bei Facebook oder in meinem WhatsApp-Adressbuch hab.
Ich will mit meinen fünf Kumpels quatschen, nicht mit der ganzen Welt.
Es ist nicht wichtig, es wie alle anderen zu machen. Es ist auch nicht wichtig, es anders als alle anderen zu machen. Das Mindset ist wichtig.
Es ist wichtig, es aus eigener Überzeugung zu tun. Darauf kommt es an.

TL;DR

  • schnell! aber falsch! – Digital Natives sind schnelle Anwender
  • langsam – aber sicher 🙂
  • Überrollt von der technischen Revolution – Digital Natives sind die Spitze der technologischen Entwicklung – für die nächsten fünf Jahre
  • The Generation of Indifference – Was kümmerts den Digital Native schon
  • Schafe blicken auf – Und sonst noch?

Und jetzt?
Macht was – anders!

Digital Natives kennen sich doch eh besser aus, oder?

Über die Digital Natives zu schreiben ist ein bisschen so, wie über die Steinlaus (Petrophaga lorioti) zu schreiben.
Beide gibt es nicht, dennoch sind sie in aller Munde.
Daher mache ich mir in diesem Artikel Gedanken darüber, ob sich Digital Natives jetzt in der wilden Welt der Virtualität besser auskennen als wir Muggel – oder ob dies nicht vielleicht ein Trugschluss ist.

TL;DR

  • schnell! aber falsch! – Digital Natives sind schnelle Anwender
  • langsam – aber sicher 🙂
  • Überrollt von der technischen Revolution – Digital Natives sind die Spitze der technologischen Entwicklung – für die nächsten fünf Jahre
  • The Generation of Indifference – Was kümmerts den Digital Native schon
  • Schafe blicken auf – Und sonst noch?

Digital Natives sind schnelle Anwender

Das sind sie wirklich.
Da bekomme ich schon ein mentales Schleudertrauma, wenn ich in der Straßenbahn mal bei einem Digital Native shoulder surfe, der gerade sein nächstes Pokemon jagt oder in fingerbrecherischer Geschwindigkeit durch sein WhatsApp-Adressbuch durchchattet.
Aber ist Geschwindigkeit ein Maßstab für einen Einblick in die Materie, die mit der Digitalisierung einhergeht?
Ich glaube nicht.
Mir fällt dazu immer Josy, die freundliche Schildkröte von Sascha Grammel, ein.
Josy, die einen Nebenjob als biologischer Geldautomat hat und den Weltrekord im Schnellrechnen innehält.
Josy rechnet zwar unschlagbar schnell – aber falsch.
Und ähnlich scheinen mir Digital Natives an ihre digitalen Herausforderungen heranzugehen:
auf jeden Fall sehr schnell (und mitunter … unsicher)
Die Fingerfertigkeit der Digital Natives reicht an diejenige der nordfriesischen Jungfrauen beim krabbenpuhlen heran.
Allerdings erkenne ich bei Digital Natives weniger profundes Hintergrundwissen, was das Ziel der Fingerfertigkeit angeht.
Die nordfriesische Jungfrau kennt ihre Krabbe mit Vor- und Zunamen.
Der Digital Native kennt nur die App, die gerade Opfer seiner Fingerfertigkeit ist.
Ich gebe neidlos zu, Digital Natives sind bis in das letzte Fingerglied durchtrainierte Anwender und können die App sicher schneller und gekonnter bedienen als der Entwickler dieser Anwendung.
Aber das ist keine Fertigkeit, die den Digital Natives einen Vorteil vor uns Muggeln verschafft.
Auf die Anwendung eines Werkzeugs kann jeder aus dem Winterschlaf geweckte Ameisenbär geschult werden.
Werkzeuge bedienen konnten auch unsere Vorfahren aus der Jungsteinzeit schon, das ist kein großer evolutionärer Sprung.
Aber die Herstellung eines Faustkeils – oder das Wissen, warum wir unsere Daten schützen sollten – das sind die kleinen Vorteile, die uns vor Säbelzahntiger und Datenkrake schützen.

Digital Natives sind die Spitze der technologischen Entwicklung – für die nächsten fünf Jahre

Digital Natives wurden (bisher) noch nicht mit revolutionären Umwälzungen konfrontiert.
Für sie gab es schon immer Smartphones und das Internet.
Sie kennen keine Welt ohne diese technischen Spielereien.
Wir Muggel hingegen sind schon durch einige – zugegebenermaßen nicht so gesellschaftsdurchdringende – Täler der Tränen der neuen Entwicklungen gegangen.
Wir haben Leid und Lust neuer Erfindungen (das erste E-Netz Handy war auch Schock und Segen) schon mehrfach durchlebt.
Von daher sind wir langsam (aber sicher) an derartige  gesellschaftliche Auswirkungen technologischer Entwicklungen herangeführt worden.
Digital Natives erwischt diese technische Revolution gänzlich unvorbereitet.
Umwälzungen, Neuentwicklungen, der nächste heiße Scheiß kommen immer – und zusätzlich immer schneller.
Was sich bislang in Zeiträumen von Generationen oder Jahrzehnten abgespielt hat, erleben wir mittlerweile schon innerhalb von fünf Jahren – und zukünftig werden diese Sprünge noch schneller stattfinden.
Eine zusätzliche Auswirkung dieser engen Bindung, die ein Digital Native mit dem Smartphone seines Herzens eingeht, ist das erlebte Leid bei Entzug desselben.
Sei es durch den zunehmenden Energiehunger dieser unersättlichen Daten- und Zeitfresser.
Da ist das wachsende Angebot von Ladestationen in Elektronikmärkten oder Cafe-Ketten schon eher mit dem anfixen durch „kostenlose“ Drogenproben zu vergleichen als mit einem kundenfreundlichen Servicegedanken.
Oder der als gewaltsam betrachteten Trennung eines Smartphone-Junkies von seinem Drogenbesteck durch Lehrer oder unverständige Chefs.
Da halte ich Auswüchse in der Form, dass Lehrer Verständnis für whatsAppende Schüler im Unterricht zeigen eher für unverständlich.
Ich hab zu meiner Zeit auch eine auf den Stecker bekommen, wenn ich im Unterricht gepennt habe oder Batman-Comics gelesen habe.

Was kümmerts den Digital Native schon

Unbekümmert und lebensfroh – oder doch eher desinteressiert und gleichgültig?
Meiner Erfahrung nach zeigt der Digital Native eher wenig Interesse für die Hintergründe seiner glücklich datenversorgten Lage.
Hier findet keine Reflexion statt, wie es denn möglich ist, dass ihm ein weltumspannendes, gesellschaftsdurchdringendes und gleichwohl -erschütterndes Netzwerk zur Verfügung gestellt wird – for free!
Hier steht kein Fragezeichen auf den Gesichtern gemalt, wer die tausenden Server, Datenbanken, Hochleistungsrechenzentren und Entwicklung dahinter bezahlt.
Keiner von den mir bekannten Digital Natives ist bereit, Geld für Wissen, Daten, Dienste im virtuellen Raum in die Hand zu nehmen.
Die Smartphones sind mit dem Handy-Vertrag bezahlt – da fallen auch keine offensichtlichen Kosten auf (aber an).
Welche Auswirkungen diese Kostenlos-Mentalität auf die Privatsphäre hat, auf soziale (Un-)Gerechtigkeit und die Umwelt – in dieser Hinsicht scheint der Geist der Digital Natives eher zen-artig zu sein:
ein leeres Blatt.
Ich habe inzwischen schon häufig erfahren, dass Themen wie Umweltverschmutzung (durch die schädliche Gewinnung Seltener Erden für die Produktion von Smartphones) oder die Ausbeutung durch Kinderarbeit (bei der Förderung von „“unfairem““, weil konfliktbehaftetem Gold) überhaupt nicht auf dem sozialen Schirm auftauchen – obwohl die Digital Natives so social-media-versiert sind.
Auch was Privatsphäre angeht glänzen die Digital Natives eher mit einem post-privacy durchtränkten „Ich habe doch nichts zu verbergen!“ – anstatt sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, dass auch diese Generation sehr wohl etwas zu verbergen hat!
Aber Sting hat wohl recht, wenn er sein History Will Teach Us Nothing singt.
Da haben wir (also so gesellschaftlich gesprochen – denn, um es mit dem Immigration-Questionnaire unserer transatlantischen Freunde zu sagen, ich habe nicht am Holocaust teilgenommen) schon zwei totalitäre Regime überstanden und mit Heulen und Zähneknirschen geschworen, dass so etwas (ich ziele hier gerade auf den Überwachungsteil der Regime ab) nie wieder vorkommen darf.
Und was machen die Digital Natives?
Mit fröhlichem Fingerstreich geben sie auch noch das letzte Datum ihrer Privatsphäre den großen (und kleinen) Datenkraken preis.
Freiwillig.
Ihren Eltern würden sie höchstens unter Androhung von Foltermethoden (welche noch nicht einmal die CIA befürworten würde) erzählen, was sie in der Schule erlebt haben.
Aber auf Facebook posaunen sie alles freiwillig heraus!
Seufz.
Ich versteh sie nicht diese Digital Natives.

Und sonst noch?

Auch einen Überblick über Alternativen zu haben ist ein wesentliches Merkmal, eine Technologie durchdrungen zu haben.
Leider ist an dieser Stelle auch kein Blumentopf zu gewinnen für unsere digital nativen Power-User.
Sie kennen jeden neuen Hype.
Springen schneller auf den Pokemon Go-Zug auf, als Team Rocket

„Das war ein Schuss in den Ofen!“
brüllen kann.
Aber das einzige, was hier zählt, ist Mainstream zu sein.
Möglicherweise haben die DN an dieser Stelle einmal zu viel (und zu falsch!) auf Albert Einstein gehört:
„Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“
Dabei war es – zumindest zu meiner Zeit als pubertierender Jugendlicher – noch ein herrausragendes Merkmal gerade nicht Mainstream zu sein.
Wir haben uns nach Kräften bemühlt, anders zu sein als alle.
Zugegeben, auch das ist nicht der Weisheit letzter Schluss.
Sind wir doch in unserem Drang nach Individualität „Wir sind alle Individuen„-brüllend („Ich nicht!„) letztlich auch oft genug der heiligen Sandale hinterher gelatscht.
Andere Musik zu hören, andere Filme zu schauen, anders auszusehen.
Aber heute – so ist mei Empfinden – machen alle DN genau das Gleiche.
Alle sind bei Facebook.
Alle nutzen WhatsApp.
Oder SnapChat.
Keiner schaut sich nach Alternativen um.
Das ist ja alles sooo schwierig.
Bei Signal ist ja keiner.
Bei diaspora* ist man so allein.
Das macht das Leben spannend 🙂
Nicht ob ich 3873 „Freunde“ bei Facebook oder in meinem WhatsApp-Adressbuch hab.
Ich will mit meinen fünf Kumpels quatschen, nicht mit der ganzen Welt.
Es ist nicht wichtig, es wie alle anderen zu machen. Es ist auch nicht wichtig, es anders als alle anderen zu machen.
Das Mindset ist wichtig.
Es ist wichtig, es aus eigener Überzeugung zu tun.
Darauf kommt es an.

Und jetzt?
Macht was – anders!

Digital Natives haben es schwerer

In diesem Themenkomplex richte ich mein Augenmerk auf die unschuldigsten Opfer der Digitalisierung:
Digital Natives.
Von den konsum- und datengeilen Internetkonzernen als die wahren Zauberer und Hexen eines digitalen Miteinanders hochstilisiert, neben denen die Muggel der digitalen Moderne bestenfalls als kurzfristige Besucher geduldet sind.
Sind diese in meinen Augen doch eher die größten Verlierer dieser Entwicklung, die mit einem Break-Neck-Pace über uns hinwegrollt und uns – wenn wir nicht achtgeben – als Kollateralschaden auf dem Standstreifen des Digital Highways zurücklässt.
Aber betrachten wir doch heute näher, warum ich der Ansicht bin, dass es Digital Natives schwerer haben.

There Is No Such Thing as a Digital Native

Liebe vermeintlich digital Eingeborene – es tut mir leid, es gibt euch nicht.
Nun, wie komme ich auf diese unerhörte Aussage?
Zum einen ist es nicht meine Aussage.
Alexander Markowetz erläutert in seinem Buch Digitaler Burnout ausführlich, warum es keine Digital Natives gibt.
Es liegt zum einen daran, dass niemand mit den Fähigkeiten zu digitaler Kommunikation geboren wird.
Von daher ist der Begriff schon falsch gewählt.
Eingeboren beinhaltet eben wesentlich die Tatsache, dass man mit der so bezeichneten Eigenschaft bereits geboren wird.
Digitale Kommunikation ist eine erlernte Fähigkeit, keine angeborene.
Was die auf diese Weise falsch betitelten digitalen Eingeborenen aufweisen ist die Tatsache, dass sie sehr früh mit digitaler Kommunikation in Kontakt treten – nicht unbedingt zu ihrem Vorteil, wie ich finde.
Kinder lernen zunächst durch Imitation der Verhaltensweisen, die sie bei Älteren sehen.
Daher sollten wir mit unserer Kritik an den „unmöglichen“ Verhaltensweisen unserer Kinder hinsichtlich ihrer Mediennutzung sehr zurückhaltend sein.
Denn die Grundlagen dieses „unmöglichen“ Verhaltens haben sie von uns, ihren Vorbildern, gelernt.
Wenn jetzt dieser – teils selbstgewählten – Gruppe jetzt so ein Stempel von außen aufgedrückt wird, ist das schon per se schwierig.
Stellt sich dieser Stempel auch noch als ein solches Leergeschäft heraus, dann wird es noch deutlich bitterer.
Daher halte diesen Schwindel, der aus purer Profitgier der Datenkraken in die Welt gesetzt wurde, für einen der Gründe, warum es Digital Natives schwerer haben.

Das einzige, was Bestand hat, ist der Wandel

Ein weiterer Grund, warum es die Digital Natives (ich weiß, ich weiß – minutenlang hacke ich auf dem Begriff herum und belege, warum er falsch gewählt ist – und dann nutze ich ihn selber. Ja, jetzt bleiben wir mal die nächsten vier Wochen dabei, dann brauchen wir uns nicht auf ein neues Wording festbeißen) schwerer haben als wir Muggel der Digitalisierung, ist der beständige Wandel.
Nichts ist von Dauer, das Wissen seit dem zwölf Jahre dauernden tausendjährigen Reich und der Atomausstieg, der ewig währt.
Wir Muggel haben gelernt damit umzugehen.
Wir Muggel sind es gewohnt, vom Tempo zum Softie, von der Schallplatte zur Kassette zur CD und weiter zum holografischen Quantenspeicher zu wechseln.
Die Zauberer und Hexen der virtuellen Welt haben es nicht gelernt.
Aber sie werden es lernen.
Schmerzhaft.
Alvin Toffler hat bereits in den 1970er Jahren in seinem Buch Der Zukunftsschock einen beständigen revolutionären Wandel in der Computertechnologie prognostiziert.
Alexander Markowetz hat dies für die Digital Natives extrapoliert und gezeigt, dass ein Digital Native bis zu seinem 60. Geburtstag mindestens zwölf solcher Revolutionen durchleiden wird.
Dies liegt daran, dass wir etwa alle fünf Jahre eine technische Umwälzung erleben werden.
Diese Umwälzung wird alles, was wir uns mühsam an technologischen Fertigkeiten erarbeitet haben, ad obsoletum führen.
Wir Muggel sind darauf vorbereitet – die Zauberer und Hexen wird es vollkommen unvorbereitet treffen.
Ihr habt mein Mitgefühl, Digital Natives.

Eure Jobs hängen am seidenen social-Media-Faden

Algorithmen sind zum kotzen.
Auf jeden Fall dann, wenn sie uns die Karriere versauen.
Und das tun sie bereits, denn im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten werden Bewerber für einen Job schon im Vorfeld von Algorithmen vorselektiert, welche soziale Medien nach Stichworten (mir fällt in diesem Zusammenhang mit den „Selektoren“ der Terrorhatz auf) durchsuchen, um die Hintergründe des hoffnungsfrohen Bewerbers zu durchleuchten.
Da diese Algorithmen sich immer stärker als „biased“ und häufig rassistisch herausstellen, werden die informationsliefernden Medien zunehmend unsozialer.
Und Deutschland wird an dieser Stelle nachziehen.
Natürlich ist es vollkommen illegal, die Bewerber in Facebook oder Xing zu durchleuchten – aber wer soll es schon überprüfen, rügen und verhindern?
Ich finde es mehr als befremdlich, dass Menschen nicht einfach mehr machen können, was sie machen wollen, weil sie immer die Befürchtung haben müssen, dass es auf irgendeinem Weg in die unsozialen Medien wandert und dort dann von Algorithmen zur Bewerbervorauswahl herangezogen wird.

Lost in transit

Ähnlich verloren wie ich mich im Stuttgarter Nahverkehrs-Chaos fühle, muss sich ein Digital Native im Dschungel der digitalen Kommunikation vorkommen.
War Kommunikation in der guten alten Zeit noch klar strukturiert und unterteilt

  • Briefe für lange und langsame Gedankenaustausche
  • Postkarten für den bunten Urlaubsgruß
  • Eine klar strukturierte E-Mail (wenn es einmal eiliger ist)
  • Telefonate für die schnelle Abstimmung
  • persönliche Treffen für alles wirklich wichtige

So ist heutzutage eine technologische Verwirrung von geradezu babylonischem Ausmaß

  • Meld ich mich jetzt per WhatsApp?
  • Poste ich meinen Gruß aus dem Urlaub auf meiner Timeline oder auf derjenigen meines Kumpels, dem ich einen Urlaubsgruß schicken will?
  • Sammel ich meine Fotos bei Instagram oder lieber bei Pinterest?
  • Und sind meine Eltern jetzt auch schon bei SnapChat?
  • Und was überhaupt mach ich mit Pokemon-Go?

Ach, irgendwie geht jetzt bei allem alles und die etablierten Technologien sind ja auch noch da…
Die Multi-Options-Gesellschaft ist Fluch – nicht Segen. Diese Folgerung wiederhole ich nur – sie ist zwar meine eigene Erfahrung, aber nachgewiesen hat dies der Soziologe Peter Gross.
Zuviel Auswahl macht unglücklich und führt gewissermaßen zu einer Entscheidungsstarre.

Alles und noch viel mehr davon

Auch an anderer Stelle schenke ich den Digital Natives mein Mitgefühl.
Wir Muggel mussten unsere Musik noch händisch aussuchen.
Für unterwegs gab es bestenfalls ein Mix-Tape mit unseren Lieblingsliedern.
Filme haben wir im Fernsehen gesehen, sind in die Videothek oder ins Kino gegangen.
Bücher haben wir gekauft oder uns aus der Bibliothek ausgeliehen.
Alles in begrenztem und überschaubaren Umfang.
Und dann kamen Streaming-Dienste mit ihren Flatrate-Angeboten…
Plötzlich war alles und noch viel mehr immer und im Überfluss vorhanden.
Sozusagen das multimediale Schlaraffenland!
Ein Traum!
Oder vielleicht eher Alptraum?
Zuviel Auswahl führt oft zum genauen Gegenteil von Glück und Zufriedenheit.
Anstatt glücklich über die schier endlose Auswahl zu sein, werden wir mit zunehmender Anzahl an Möglichkeiten immer unzufriedener.
Denn wir erkennen nicht mehr positiv an, was wir gesehen haben. Sondern wir registrieren nur noch negativ, was wir alles verpasst haben.
Der amerikanische Psychologe Barry Schwarz belegt dies in seinem Essay The Tyranny of Choice.
Deswegen, lasst ab von den Infinity-Apps und beschränkt euch auf wirklich persönliche Empfehlungen und Erfahrungen.

TL;DR

  • Digital Native – das unmögliche Wesen: There is no such thing as a Digital Native
  • Ch-ch-ch-changes: Das Einzige was Bestand hat, ist der Wandel
  • Wir wissen, was du vor zehn Jahren gemacht hast: Eure Jobs hängen am seidenen social-Media-Faden
  • Womit sag ich’s meinem Kumpel: Lost in transit
  • Ich will alles: Alles, sofort und noch viel mehr davon

Puh, ein schwerer Brocken – aber nicht verzagen, sondern frohlocken!
Was uns rettet ist weniger von allem.
Fangen wir an – machen wir mal wieder einfach weniger.

Digital Natives haben es schwerer

In diesem Themenkomplex richte ich mein Augenmerk auf die unschuldigsten Opfer der Digitalisierung:
Digital Natives.
Von den konsum- und datengeilen Internetkonzernen als die wahren Zauberer und Hexen eines digitalen Miteinanders hochstilisiert, neben denen die Muggel der digitalen Moderne bestenfalls als kurzfristige Besucher geduldet sind.
Sind diese in meinen Augen doch eher die größten Verlierer dieser Entwicklung, die mit einem Break-Neck-Pace über uns hinwegrollt und uns – wenn wir nicht achtgeben – als Kollateralschaden auf dem Standstreifen des Digital Highways zurücklässt.
Aber betrachten wir doch heute näher, warum ich der Ansicht bin, dass es Digital Natives schwerer haben.

TL;DR

  • Digital Native – das unmögliche Wesen: There is no such thing as a Digital Native
  • Ch-ch-ch-changes: Das Einzige was Bestand hat, ist der Wandel
  • Wir wissen, was du vor zehn Jahren gemacht hast: Eure Jobs hängen am seidenen social-Media-Faden
  • Womit sag ich’s meinem Kumpel: Lost in transit
  • Ich will alles: Alles, sofort und noch viel mehr davon

There Is No Such Thing as a Digital Native

Liebe vermeintlich digital Eingeborene – es tut mir leid, es gibt euch nicht.
Nun, wie komme ich auf diese unerhörte Aussage?
Zum einen ist es nicht meine Aussage.
Alexander Markowetz erläutert in seinem Buch Digitaler Burnout ausführlich, warum es keine Digital Natives gibt.
Es liegt zum einen daran, dass niemand mit den Fähigkeiten zu digitaler Kommunikation geboren wird.
Von daher ist der Begriff schon falsch gewählt.
Eingeboren beinhaltet eben wesentlich die Tatsache, dass man mit der so bezeichneten Eigenschaft bereits geboren wird.
Digitale Kommunikation ist eine erlernte Fähigkeit, keine angeborene.
Was die auf diese Weise falsch betitelten digitalen Eingeborenen aufweisen ist die Tatsache, dass sie sehr früh mit digitaler Kommunikation in Kontakt treten – nicht unbedingt zu ihrem Vorteil, wie ich finde.
Kinder lernen zunächst durch Imitation der Verhaltensweisen, die sie bei Älteren sehen.
Daher sollten wir mit unserer Kritik an den „unmöglichen“ Verhaltensweisen unserer Kinder hinsichtlich ihrer Mediennutzung sehr zurückhaltend sein.
Denn die Grundlagen dieses „unmöglichen“ Verhaltens haben sie von uns, ihren Vorbildern, gelernt.
Wenn jetzt dieser – teils selbstgewählten – Gruppe jetzt so ein Stempel von außen aufgedrückt wird, ist das schon per se schwierig.
Stellt sich dieser Stempel auch noch als ein solches Leergeschäft heraus, dann wird es noch deutlich bitterer.
Daher halte diesen Schwindel, der aus purer Profitgier der Datenkraken in die Welt gesetzt wurde, für einen der Gründe, warum es Digital Natives schwerer haben.

Das einzige, was Bestand hat, ist der Wandel

Ein weiterer Grund, warum es die Digital Natives (ich weiß, ich weiß – minutenlang hacke ich auf dem Begriff herum und belege, warum er falsch gewählt ist – und dann nutze ich ihn selber.
Ja, jetzt bleiben wir mal die nächsten vier Wochen dabei, dann brauchen wir uns nicht auf ein neues Wording festbeißen) schwerer haben als wir Muggel der Digitalisierung, ist der beständige Wandel.
Nichts ist von Dauer, das Wissen seit dem zwölf Jahre dauernden tausendjährigen Reich und der Atomausstieg, der ewig währt.
Wir Muggel haben gelernt damit umzugehen.
Wir Muggel sind es gewohnt, vom Tempo zum Softie, von der Schallplatte zur Kassette zur CD und weiter zum holografischen Quantenspeicher zu wechseln.
Die Zauberer und Hexen der virtuellen Welt haben es nicht gelernt.
Aber sie werden es lernen.
Schmerzhaft.
Alvin Toffler hat bereits in den 1970er Jahren in seinem Buch Der Zukunftsschock einen beständigen revolutionären Wandel in der Computertechnologie prognostiziert.
Alexander Markowetz hat dies für die Digital Natives extrapoliert und gezeigt, dass ein Digital Native bis zu seinem 60. Geburtstag mindestens zwölf solcher Revolutionen durchleiden wird.
Dies liegt daran, dass wir etwa alle fünf Jahre eine technische Umwälzung erleben werden.
Diese Umwälzung wird alles, was wir uns mühsam an technologischen Fertigkeiten erarbeitet haben, ad obsoletum führen.
Wir Muggel sind darauf vorbereitet – die Zauberer und Hexen wird es vollkommen unvorbereitet treffen.
Ihr habt mein Mitgefühl, Digital Natives.

Eure Jobs hängen am seidenen social-Media-Faden

Algorithmen sind zum Kotzen.
Auf jeden Fall dann, wenn sie uns die Karriere versauen.
Und das tun sie bereits, denn im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten werden Bewerber für einen Job schon im Vorfeld von Algorithmen vorselektiert, welche soziale Medien nach Stichworten (mir fällt in diesem Zusammenhang mit den „Selektoren“ der Terrorhatz auf) durchsuchen, um die Hintergründe des hoffnungsfrohen Bewerbers zu durchleuchten.
Da diese Algorithmen sich immer stärker als „biased“ und häufig rassistisch herausstellen, werden die informationsliefernden Medien zunehmend unsozialer.
Und Deutschland wird an dieser Stelle nachziehen.
Natürlich ist es vollkommen illegal, die Bewerber in Facebook oder Xing zu durchleuchten – aber wer soll es schon überprüfen, rügen und verhindern?
Ich finde es mehr als befremdlich, dass Menschen nicht einfach mehr machen können, was sie machen wollen, weil sie immer die Befürchtung haben müssen, dass es auf irgendeinem Weg in die unsozialen Medien wandert und dort dann von Algorithmen zur Bewerbervorauswahl herangezogen wird.

Lost in transit

Ähnlich verloren wie ich mich im Stuttgarter Nahverkehrs-Chaos fühle, muss sich ein Digital Native im Dschungel der digitalen Kommunikation vorkommen.
War Kommunikation in der guten alten Zeit noch klar strukturiert und unterteilt
Briefe für lange und langsame Gedankenaustausche
Postkarten für den bunten Urlaubsgruß
Eine klar strukturierte E-Mail (wenn es einmal eiliger ist)
Telefonate für die schnelle Abstimmung
* persönliche Treffen für alles wirklich wichtige

So ist heutzutage eine technologische Verwirrung von geradezu babylonischem Ausmaß
Meld ich mich jetzt per WhatsApp?
Poste ich meinen Gruß aus dem Urlaub auf meiner Timeline oder auf derjenigen meines Kumpels, dem ich einen Urlaubsgruß schicken will?
Sammel ich meine Fotos bei Instagram oder lieber bei Pinterest?
Und sind meine Eltern jetzt auch schon bei SnapChat?
* Und was überhaupt mach ich mit Pokemon-Go?

Ach, irgendwie geht jetzt bei allem alles und die etablierten Technologien sind ja auch noch da…
Die Multi-Options-Gesellschaft ist Fluch – nicht Segen. Diese Folgerung wiederhole ich nur – sie ist zwar meine eigene Erfahrung, aber nachgewiesen hat dies der Soziologe Peter Gross.
Zuviel Auswahl macht unglücklich und führt gewissermaßen zu einer Entscheidungsstarre.

Alles und noch viel mehr davon

Auch an anderer Stelle schenke ich den Digital Natives mein Mitgefühl.
Wir Muggel mussten unsere Musik noch händisch aussuchen.
Für unterwegs gab es bestenfalls ein Mix-Tape mit unseren Lieblingsliedern.
Filme haben wir im Fernsehen gesehen, sind in die Videothek oder ins Kino gegangen.
Bücher haben wir gekauft oder uns aus der Bibliothek ausgeliehen.
Alles in begrenztem und überschaubaren Umfang.
Und dann kamen Streaming-Dienste mit ihren Flatrate-Angeboten…
Plötzlich war alles und noch viel mehr immer und im Überfluss vorhanden.
Sozusagen das multimediale Schlaraffenland!
Ein Traum!
Oder vielleicht eher Alptraum?
Zuviel Auswahl führt oft zum genauen Gegenteil von Glück und Zufriedenheit.
Anstatt glücklich über die schier endlose Auswahl zu sein, werden wir mit zunehmender Anzahl an Möglichkeiten immer unzufriedener.
Denn wir erkennen nicht mehr positiv an, was wir gesehen haben. Sondern wir registrieren nur noch negativ, was wir alles verpasst haben.
Der amerikanische Psychologe Barry Schwarz belegt dies in seinem Essay The Tyranny of Choice.
Deswegen, lasst ab von den Infinity-Apps und beschränkt euch auf wirklich persönliche Empfehlungen und Erfahrungen.

Puh, ein schwerer Brocken – aber nicht verzagen, sondern frohlocken!
Was uns rettet ist weniger von allem.
Fangen wir an – machen wir mal wieder einfach weniger.