Ein Versuch, möglichst unsichtbar zu werden

Wie können wir uns möglichst spurenlos digital in unserer Gesellschaft bewegen?
Dieser Frage will ich in diesem und den folgenden Artikeln nachgehen.
Mir ist klar – und es ist auch gar nicht mein Ziel – dass ein digitaler Ausstieg von enzensbergerscher Dimension nicht mehr möglich oder garnicht wünschenwert ist.
Aber auch ohne diesen Anspruch können wir durch einige Schritte etwas unsichbarer für die immer stärker zunehmende Überwachung werden.
Hier sind einige der Schritte, die ich bisher unternommen habe, um meinen digitalen Fußabruck zu minimieren.

Keine Kreditkarte

Eine Kreditkarte ist ein Medium der weltweiten Überwachung.
Jede Kreditkartenbuchung wird von dem für Finanztransaktionen zuständigen Zweig der NSA (Follow the Money) überwacht und in einer eigenen Datenbank für Finanztransaktionen (Tracfin) gespeichert.
Auch reichen schon wenige Zahlungen mit einer Kreditkarte, um jeden Nutzer anhand der anfallenden Metadaten wie Ort, Datum und gezahlter Preis eindeutig zu identifizieren.
Schon diese beiden Gründe reichen aus, um von Zahlungen über das Zahlungsmittel Kreditkarte abzusehen.
Aber zu diesen Überwachungs- und Profilerstellungsszenarien gesellen sich auch noch die verschiedenen und immer schwerwiegenderen Fällen von Kreditkartenbetrug.
So stellt Brian Krebs in seinem Blog neun der gängigsten Verfahren vor, wie Kreditkartendaten gestohlen und anschließend mißbräuchlich verwendet werden können.
Das große Problem bei Kreditkarten ist an dieser Stelle ihre sehr große Verbreitung einhergehend mit sehr schlechter Sicherheit in der Verwendung.
Daher mein Rat:
Hände weg von Kreditkarten – zum Schutz der Privatsphäre und auch zum Schutz vor Mißbrauch.

Möglichst viel mit Bargeld bezahlen

Wenn wir weitgehend auf Zahlungen mit Kreditkarten verzichten, dann bleiben uns im alltäglichen Zahlungsverkehr noch EC (Electronic Cash)-Karten, Tauschhandel und Bargeld.
Betrachten wir zunächst die Zahlungen mit EC-Karten.
Diese mittlerweile offiziell girocard genannten Debitkarten sind oft auch mit dem Maestro– oder V Pay-System verbunden.
Maestro ist ein Angebot von MasterCard und bei V Pay handelt es sich um ein Debitsystem von Visa.
Da diese beiden Anbieter aus den USA kommen, können wir davon ausgehen, dass die Transaktionen über diese Systeme auch in den USA durchgeführt und überwacht werden.
Auch sind Transaktion über jedes dieser Systeme (girocard, Maestro und V Pay) leicht nachzuverfolgen und können, genau wie die Metadaten bei Kreditkartenzahlungen, zur Erstellung von Profilen herangezogen werden.
Ein Trost an dieser Stelle ist jedoch: die NSA überwacht (bisher) nicht die rein europäischen Finanztransaktionen über das girocard- / Electronic Cash-Netz.
Tauschhandel ist natürlich eine fabelhafte und überwachungsfreie Alternative. Allerdings stelle ich mir die Einsatzmöglichkeiten im Alltag als eher begrenzt vor.
Bleibt uns noch Bargeld.
Ich halte die kürzlich stattgefundene Diskussion über die Abschaffung des Bargelds für eine Nebelkerze.
Zum Glück, rufe ich aus!
Jedoch sollte es uns zu denken geben, in welche Richtung die Forderung der Politik hier geht.
Denn die Abschaffung von Bargeld würde automatisch mehr Überwachung nach sich ziehen.
Es könnte dann wirklich jede Finanztransaktion von uns beobachtet werden.
Bargeld ist die letzte Form anonymer Bezahlung.
Wenn wir den Einsatz unserer EC-Karte auf die Bargeldbeschaffung am Geldautomaten beschränken, schaffen wir uns ein großes Stück Freiheit, da nun niemand gezielt überwachen kann, wie wir das so beschaffte Bargeld ausgeben.

Keine offensichtlich auf mich registrierte SIM-Karte

Ich vermeide hier mal den Begriff „anonyme“ SIM-Karte, weil das eben nicht zu erreichen ist.
Die Metadaten, wenn ich die SIM-Karte nutze (allein schon, wenn diese in einem Smart- oder Dumbphone eingesetzt wird) werden auf jeden Fall gespeichert.
Dafür sorgt aktuell zum einen die Vorratsdatenspeicherung und zum anderen einfach der Telekommunikationsanbieter.
Aber wir können unsere kreative Freiheit walten lassen, welche Daten wir bei der Aktivierung der SIM-Karte angeben.
Aktuell muss ja noch nicht der Personalausweis oder ein anderes Ausweisdokument beim Kauf einer Prepaid-Karte vorgelegt werden.
Dies wird jedoch sich im Zuge der Antiterror-Gesetze unserer Bundesregierung demnächst ändern.
Daher mein Hinweis an dieser Stelle:
Kauft euch noch schnell einen Satz Prepaid-Karten, noch muss sich dafür nicht ausweisen!
Wir sollten dann auch noch darauf achten, dass wir die Prepaid-Karte in einem anderen Smart- oder Dumbphone aktivieren, als in dem Gerät, welches wir zukünftig nutzen wollen.
Die IMEI (International Mobile Station Equipment Identity), die 15-stellige eindeutige Seriennummer des Mobilfunkgeräts wird bei der Aktivierung zusammen mit der aktuellen Funkzelle dauerhaft gespeichert.
Mit dieser Datenkombination sind wir damit wieder ein Stück mehr eindeutig identifzierbar.
Zusätzlich sollten wir auch darauf achten, dass wir unsere neue Prepaid-Karte das erste Mal außerhalb unserer heiligen Hallen aktivieren, damit wir hier eine Zuordnung mit unserem Wohnort vermeiden.

Hinfort, Kundenkarten!

Einen großen Schritt weg vom Raster können wir dadurch gehen, dass wir unsere sämtlichen Kundenkarten wie Payback, DeutschlandCard und sonstigem Überwachungs-Irrsinn in Punkten den Laufpass geben!
Die Datensammelkarten gewähren sowieso nur minimale Rabatte von 0,5 bis maximal 3 Prozent wie die Verbraucherzentrale ermittelt hat.
Und dafür sind die Daten, die wir an dieser preisgeben einfach zu wertvoll.
Neben der Überwachung, die durch die Datensammlung stattfindet und welche hauptsächlich dazu dient, ein Profil über uns zu erstellen, ist die Manipulation die aufgrund der ermittelten Profile stattfindet, das abschreckendste Argument für mich, um keine solche Karte einzusetzen.

Öfter mal Sonnenbrille und Hut tragen

Immer stärker setzt sich die Überwachung durch Videokameras im öffentlichen Bereich durch.
Natürlich nur „zu unserer Sicherheit“, so das Narrativ der Überwacher.
Dass durch Überwachung keine Sicherheit entsteht sollte uns seit Stasi, Gestapo und NSA eigentlich klar sein.
Durch Überwachung ensteht Kontrolle durch Angst.
Deshalb, wehren wir uns!
Die Videokameras werden zwar immer besser und mittlerweile können Menschen anhand ihrer Tattoos, „abnormalem Verhalten“ (wozu auch „auf-dem-Boden-sitzen“ gehört) und ihrer Gangart identifiziert werden.
Aber eine große Sonnenbrille und ein Hut, der das Gesicht verbirgt hilft immer noch eine ganze Menge gegen Gesichtserkennung.

Weniger on ist mehr off

Wenn wir beginnen unsere unsozialen Medien einzuschränken gewinnen sehr viel:

  • mehr Zeit
  • mehr wirkliche soziale Kontakte
  • mehr Einblick in unser Leben

Natürlich geben wir auch etwas ab:

  • Kontrolle über unsere Tätigkeiten, die bisher bis ins Detail durch unsere Teilnahme an unsozialen Plattformen verfolgt wurde
  • Die Möglichkeit uns über unsere „Freunde“ zu manipulieren
  • Eine große Möglichkeit uns zu überwachen

Auch wieder mehr regional offline einkaufen hilft an dieser Stelle.
Denn jeder Einkauf in einem Online-Shop trägt dazu bei, dass ein weiteres Puzzleteil der zunehmenden Überwachung unseres Lebens in das über uns erstellte Profil eingesetzt wird.
Daher bedeutet jedes weniger online sein ein Stück mehr off-the-grid sein – also runter vom Schirm der Überwacher und Datenkraken.
Wir selbst haben es im Griff, ob wir vollständig, rund um die Uhr überwacht werden wollen, oder nicht.
Wir brauchen nicht vollkommen und enzensbergerisch aus der digitalen Welt aussteigen. Aber wenn wir wissen wie wir überwacht werden, können wir lernen was wir dagegen tun können.
Ich kann euch dabei helfen.

TL;DR

  • Kein Kredit – keine Überwachung: vergiss die Kreditkarten
  • Nur Bares ist wahres: zahl öfter anonym mit Bargeld
  • Prepaid-Karten – Kosten- und Überwachungskontrolle: pseudonyme SIM-Karte
  • Payback ist ein Werk des Teufels: Hinfort, Kundenkarte!
  • Stock und Hut, stehn ihm gut: Trag öfter Sonnenbrille und Hut gegen Gesichtserkennung
  • Einfach reduzieren: Weniger on ist mehr off

Und jetzt?
Befreiter Leben durch bewussteres Handeln.

Ein Gedanke zu „Ein Versuch, möglichst unsichtbar zu werden“

Kommentare sind geschlossen.