Was mach ich mit meiner Privatsphäre bei Twitter?

Bevor ich mir heute einige Gedanken zur Privatsphäre bei Twitter mache, verewige ich hier zunächst noch einige Worte zur 5. No-Spy Konferenz in Stuttgart.

No-Spy Logo
No-Spy

Die No-Spy war mein erstes Barcamp.
Naja, es war ja gar kein “richtiges” Barcamp – so behaupten auf jeden Fall Hardcore-Barcamper, denn einige Vorträge waren bereits vorab geplant.
Naja, dazu fällt mir eigentlich nur Matsuo Basho ein:
Lerne die Regeln sorgfältig, und dann – vergiss sie.
Auf jeden Fall war es ein ganz hervorragende Konferenz, die mir wieder neue Ideen gegeben hat, bereits bekanntes weiter verinnerlicht, einiges aufgerüttelt und mich generell auf meinem Weg bestärkt hat.
An dieser Stelle auch nochmals meinen Dank an alle denen ich zuhören durfte, konnte, wollte und auch Dank an alle, die mir zugehört haben 🙂
Und sowieso Danke für alle Gespräche, in die ich involviert war.
Aber ich will mir ja heute einmal Gedanken über Twitter und Privatsphäre machen.
Wie geht das zusammen?
Geht das überhaupt zusammen?
Worüber muss ich mir im Klaren sein, wenn ich Twitter nutze?

Pseudonym ist Recht hier!

Twitter lässt – und das möchte ich hier wirklich lobend erwähnen – die Verwendung eines Pseudonyms zu.
Im Gegensatz zu Facebook, welches mit seinem Klarnamenzwang gegen das Telemediengesetz verstößt.
Denn hier heißt es in §13, Absatz 6:
Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.
Zu dieser Überzeugung kommt auch Johannes Casper, der Hamburger Datenschutzbeauftragte.
Aber ich bin abgeschweift.
Ich wollte ja kein Facebook-Bashing betreiben, sondern Twitter als an dieser Stelle vorbildlich hervorheben.
Vor allem sehe ich auch gar keinen Grund, die Möglichkeit zur Verwendung von Pseudonymen zu unterbinden.
Denn die Schwachmaten, die ihre Hate-Speech ins Netz jammern, bekommen wir ja dank Vorratsdatenspeicherung eh raus.
Weil pseudonym heißt nicht anonym 🙂

Du bist, wem du folgst: Profilbildung durch Following

Neben der Nachverfolgbarkeit aufgrund von IP-Adressen-Zuordnung bietet Twitter auch noch viel geschicktere Möglichkeiten der Identifikation seiner Nutzer.
Liebe Twitter-Nutzer, bitte denkt nicht, bloß weil ihr hier mit einem Pseudonym unterwegs seid, seid ihr anonym unterwegs.
Nein, grundsätzlich könnt ihr – und aktuell aufgrund der im letzten Jahr beschlossenen
Einführung einer Speicherpflicht und Höchstspeicherfrist für Verkehrsdaten” für 10 Wochen – anhand eurer IP-Adresse ermittelt werden.
Aber es geht noch viel besser und einfacher, ein Bild über euch zu erhalten.
Allein aufgrund der Twitter-Accounts, denen ihr folgt, kann ein ganz klares Profil von euch erstellt werden.
Dieses Profil kann jetzt auch mehrfach eingesetzt werden:

  • es gibt ein klares Bild über eure politische Entscheidung ab:
    Wenn ihr größtenteils links-radikalen Hetzgruppen folgt, dann werdet ihr eher nicht der Volksfront von Judäa zugerechnet.
    Folgt ihr jedoch eher den militanten Treehuggern, so werdet ihr wohl auch eher als der Judäischen Volksfront anhängig betrachtet.
  • kommerziell ist dieses Profil jedoch auch spannend:
    Folgt ihr nur Nestlé, Proctor&Gamble und ähnlichem Schmutz, so bekommt ihr höchstens Hass-Tweets von Greenpeace und Sea Shepherd.
    Wenn ihr jedoch nur den Pandabären von WWF und eurer lokalen Demeter-Tanzgruppe folgt, seid ihr wohl ziemlich sicher davor, von Air America und Pepsi-Carola gepestet zu werden.

Deswegen:
Drum prüfe, wem ich ewig folge – es könnte auf mich zurück fallen – ziemlich blöd.

Twitter als Informationskanal

Für mich stellt sich Twitter sowieso am besten in seiner Funktion als schneller Kanal zur Informationsgewinnung dar.
Einige Hersteller, sowohl von Hard- als auch von Software, sind dazu übergegangen, Informationen ausschließlich über Twitter zu verbreiten.
Mir als Schellackplatten-Schubser ist das ein bissel suspekt, aber ich kann es akzeptieren.
Es ist halt sehr praktisch, um auf die Schnelle kurze Informationen unter das mir folgende Volk zu bringen.
Die rigide 140-Zeichen-Reglementierung zwingt mich auch dazu, mich sehr kurz zu halten.
Dies hat den Vorteil, dass an dieser Stelle nicht die Gefahr besteht, ins Schwafeln zu geraten.
Nein, 140 Zeichen und dann ist Schluss.
Kurz – und hoffentlich gut.
Was ich bei der schnellen Info über eine Produktneuheit auch tatsächlich zu schätzen weiß.

Wenn man nichts zu sagen hat…

…einfach mal die Klappe halten.
Das sind natürlich schon die höheren Weihen der Twitter-Nutzung.
Die kurze und schnelle Frequenz der Tweets bei Twitter verleiten auch ganz schnell dazu, dass man in den Zwitscher-Irrsinn verfällt und seinen noch so seichten Senf zu jedem hereingeschneiten Tweet abgeben muss.
Nein, das muss man nicht.
Twitter kann auch lehren, einfach einmal zu schweigen.
Auch in 140 Zeichen geht das.

Jens’ Practices

  • Nutze ein Pseudonym – Twitter erlaubt es sogar explizit!
  • Verknüpfe deinen Klarnamen nicht mit dem Pseudonym – sonst bringt das ganze gar nichts!
    Nutze einen eigenen E-Mail Account für deine Twitter-Aktivitäten.
    Häng nicht deine Handynummer mit in die Sache rein – sonst wird dein Profil ein ganz klares sein 🙂
  • Setze ein gutes Passwort ein: es muss ein eigenes sein, ein langes und gutes – lies nochmal hier nach.
  • Es wird ein Profil über dich erzeugt, versuche so objektiv wie möglich zu sein. Twitter versucht natürlich auch, eine Filterblase um dich herum aufzubauen. Wenn du dies weißt, kannst du entsprechend damit umgehen.
  • Nutze Twitter gezielt zur Informationssuche – es ist schnell, es ist aktuell – und gerade deswegen bestimmt nicht umfassend und objektiv 🙂
    Wenn du dich intensiv mit einem Thema beschäftigen willst, ist Twitter der falsche Kanal dafür.
  • Schweigen ist mehr wert als goldgepresstes Latinum:
    Nicht jeden Tweet, den du liest, musst du kommentieren.

TL;DR

  • No-Spy: Aluhut-Dichtenmessung
  • Pseudopoden und Antonyme: Pseudonym ist hier Recht!
  • Profiler sind hinter dir her: Profilbildung durch Following
  • Ich hab den Informationskanal voll: Informationen durch Twitter
  • Hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben: Nicht alles muss kommentiert werden
  • Best Practices: Jens’ Weisheiten am Rande des Nervenzusammenbruchs

Und jetzt?
Abschalten, offline gehen und die Seele durchlüften.

Ein Gedanke zu „Was mach ich mit meiner Privatsphäre bei Twitter?“

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