Wir überwachen uns – weil wir die Mittel dazu haben!

Heute spreche ich über einen weiteren Überwacher unserer Daten:
Wir uns gegenseitig und auch selbst.
Möglicherweise sind wir uns an dieser Stelle selbst der größte Feind.
Frei nach Thomas Hobbes
Homo homini lupus.
ist der Mensch nicht des Menschen Wolf aber doch sein bester Überwacher.
Was uns als Überwacher meiner Ansicht nach gefährlicher macht als Geheimdienste und kommerziell orientierte Unternehmen, ist die Ziellosigkeit mit der wir selbst Überwachung betreiben.
Wir selbst überwachen aus so vielen unterschiedlichen Gründen heraus:

  • reine Neugier, was “meine Freunde” so treiben
  • Kontrollsucht, weil ich wissen will, was mein Partner, Hund, Katze, Maus wann und wo denn gerade macht
  • Angst (ein ganz schlechter Ratgeber!), weil ich doch wissen will, welche dunklen Gestalten sich um mich herumtreiben
  • Selbstverbesserung durch Selbstvermessung

Da wo die anderen Überwachungsspielpartner ein dediziertes Ziel haben, sind es bei uns gleich mehrere Hände voll.
Und dafür bekommen wir auch mehrere Überwachungswerkzeuge in die Hand gelegt, um unsere Neugier/Angst/Kontrollsucht zu bedienen.
Denn eines ist mir ganz klar:
Was wir niemals mit unserem Überwachungsirrsinn besänftigen können ist unsere Neugier, Angst und Kontrollsucht.
Diese werden dadurch nur stärker werden.

Freiwillig gegeben – unfreiwillig gefunden

Was wir hier mit unseren Daten geschieht, die wir bei Facebook abgeben und die später – mit geringem Aufwand – wieder von vielen gefunden werden können, klingt für mich ein wenig wie bei Harry Potter:
Flesh – of the servant – willingly given…
Blood of the enemy…forcibly taken…
Unsere Daten, die wir freiwillig hergeben, können uns – dank Graph Search – gewaltsam genommen werden.
Klingt martialisch, ist aber möglicherweise in der Auswirkung ähnlich drastisch.
Denn Daten, die wir bei Facebook abgeben, können durch geschickte Suchen mit der facebook-eigenen Suchfunktion “Graph Search” leicht gefunden werden – selbst wenn wir diese Daten als privat wähnten.
Ein kleiner Test, den Zeit Online durchgeführt hat, fördert zutage, was eigentlich hätte verborgen bleiben sollen:
Altlasten tauchen auf, es ergibt sich ein umfassenderes Bild über uns, welches wir möglicherweise gar nicht abgeben wollten.
Auch die Electronic Frontier Foundation weist auf die datenschutzrechtlich bedenklich Situation der Graph Search hin.
Durch die Graph Search lassen sich leicht Daten von unterschiedlichen Nutzerprofilen korrelieren und dadurch einen großen Einblick in das digitale Leben der auf diese Weise überwachten “Freunde” gewinnen.
Hilfreich an dieser Stelle sind lediglich zwei Dinge:

  • Die Privatsphäreneinstellungen bei Facebook so rigoros wie nur möglich setzen – damit hat der geneigte Nutzer zumindest bis zur nächsten Anpassung der Einstellungen durch Facebook wieder mehr Ruhe.
  • Datensparsam sein: Was ich nicht hergebe das kann nicht gefunden werden.

Ich weiß, wann du online warst

Eine weitere perfide Möglichkeit der umfassenden Überwachung haben Kurznachrichtendienste wie der Facebook Messenger, WhatsApp oder auch Snapchat eingerichtet:
Lesebestätigungen.
Hier hat der überwachungswillige Nutzer die Möglichkeit, genau zu verfolgen ob – und auch wann – eine Nachricht gelesen wurde.
Eine zweifelhafte Funktionalität wie ich finde.
Natürlich können solche Funktionen ausgeschaltet werden (bei einigen Anbietern zumindest), aber finden alle Nutzer diese Möglichkeit – oder noch schlimmer:
sind sich überhaupt alle Nutzer bewußt darüber, dass sie auf diese Art und Weise überwacht werden?
Und warum ist so eine orwellsche Überwachungsfunktion überhaupt als Standard aktiv?
Sicher finden die Kurznachrichtendienstanbieter dafür salbungsvolle Begründungen – mich jedoch können diese nicht davon überzeugen, mich durch so eine Möglichkeit überwachen zu lassen.

Dorftratsch digital – Nextdoor

Nextdoor ist das Facebook für die direkte Nachbarschaft – so die Idee, kurz und bündig.
Die Idee, sich virtuell in der Nachbarschaft auszutauschen ist so naheliegend wie auch – in meinen Augen – nutzlos.
Denn warum um Himmels Willen sollte ich mich mit meinen Nachbarn virtuell austauschen, wenn meine Nachbarn doch um die Ecke oder direkt nebenan wohnen?
Wieso sollte ich online in meine Nextdoor-Gemeinschaft eine Anfrage an eine Bohrmaschine stellen, wenn ich doch bei meinem handwerklich begabten Nachbarn zwei Häuser weiter einfach persönlich nachfragen kann?
Damit ich meine Hingebung an mein Nachbarschaftsnetzwerk für alle Ewigkeit digital nachvollziehbar dokumentieren kann?
Damit ich digitalen Präsentismus auch in meinem privaten Nachbarschaftsnetzwerk ausleben kann?
Damit ich mich als “guter Nachbar” etablieren kann?
Ich weiß nicht, was Menschen dazu treibt; allerdings ist mir klar, wozu solche virtuellen Nachbarschaftsnetzwerke verkommen können:
Hetzplattformen für Bürgerwehren oder Foren für paranoiden Rassismus.
Da bleibe ich doch lieber bei dem altbewährten Tratsch mit den Nachbarn an der Haustür.

Ich seh dein Gesicht – ich weiß wer du bist

Die nächste Stufe der bürgerbewehrten Überwachung sind Tools wie Findface oder Facewatch.
Mit beiden Tools lassen sich Gesichter Nutzerprofilen in sozialen Netzwerken zuordnen.
Die russische Gesichtserkennungsanwendung hat mit einer Erkennungsrate von bis zu 70% den Weg zur Abschaffung der Anonymität in der Öffentlichkeit geebnet.
Das britische Pendant Facewatch id nimmt zwar einen anderen Weg – wir werden alle zu Informanten, um zwielichtige Elemente zu entlarven – als die russischen Kollegen, aber dort werden mit einer Schnittstelle an Geräte zur Gesichtserkennung ähnliche Albträume orwellschen Ausmaßes möglich.
Allerdings gibt es zum Glück noch einfache und wirksame Maßnahmen, um der De-Anonymisierung durch Werkzeuge wie Findface zu entgehen:

  • Der Kapuzenpullover wird quasi zum Aluhut des Anonymität-liebenden freien Menschen.
  • Die Sonnenbrille zu Zorros Maske der Freiheit.

Wie groß die Sorge um unsere Anonymität ist, wird mir klar, wenn selbst Schlangenöl-Lieferanten das Thema Zerstörung der Anonymität in ihren Blogs behandeln.

Selbstvermessen

Aber noch ist die Fahnenstange der gutbürgerlichen Überwachung nicht erreicht.
Wir können schließlich noch uns selbst überwachen, wenn sonst niemand zum überwachen mehr da ist!
Die zunehmende Verbreitung der digitalen Leistungsoptimierer, die virtuellen Sklaventreiber in Form von Fitness-Armbändern und Körperdatensammelnden “Smart”-Watches überwachen ihre Träger in noch viel verräterischer Weise.
Nicht nur machen wir uns zu Sklaven elektronischer Wichtigtuer, sondern wir verlernen auch, auf unseren Körper zu hören.
Ich weiß schon selbst, wann ich an meine Leistungsgrenzen herangehe (oder auch darüber hinaus) – dazu brauche ich kein Armband, das mich maßregelt, wenn ich es übertreibe (oder mich antreibt, wenn ich es einmal gemächlicher angehen lasse).
Schlimmer noch, wir verschleudern diese gesammelten Daten auch in eine ungewisse Datenzukunft.
Nur allzugern werden die von uns mühsam erschwitzten Daten von Krankenkassen und sonstigen Versichereren gehortet, ausgewertet – und auch verkauft.
Denn sicher sind die Daten bei den (meist) in den USA oder Asien beheimateten Anbietern dieser Fitness-Folterer keinesfalls aufgehoben.
Und selbst wenn unsere Krankenkasse uns jetzt noch einen Bonus für die Teilnahme an diesem virtuellen Gesundheitsprogramm anbietet …
… was geschieht, wenn wir dauerhaft unter den so mühsam erlaufenen oder erradelten Gesundheitswert fallen?
Wie sehr wird unser Krankenkassenbeitrag steigen, wenn unser Gesundheitsindex fällt?

TL;DR

  • Social Graph: Gesucht, was nicht gefunden werden sollte
  • Lesebestätigung: Ich weiß, wann du online warst
  • Findface/Facewatch: Face/Off für weniger Anonymität
  • Watch yourself: Selbstvermessung bis zum Daten-Infarkt

Und jetzt?
Hört auf, euch um die Belanglosigkeiten der anderen zu kümmern.
Bleibt analog und lebt entspannter.

Wir überwachen uns – weil wir die Mittel dazu haben!

TL;DR

  • Social Graph: Gesucht, was nicht gefunden werden sollte
  • Lesebestätigung: Ich weiß, wann du online warst
  • Findface/Facewatch: Face/Off für weniger Anonymität
  • Watch yourself: Selbstvermessung bis zum Daten-Infarkt

Heute spreche ich über einen weiteren Überwacher unserer Daten:
Wir uns gegenseitig und auch selbst.
Möglicherweise sind wir uns an dieser Stelle selbst der größte Feind.
Frei nach Thomas Hobbes

“Homo homini lupus.”

ist der Mensch nicht des Menschen Wolf aber doch sein bester Überwacher.
Was uns als Überwacher meiner Ansicht nach gefährlicher macht als Geheimdienste und kommerziell orientierte Unternehmen, ist die Ziellosigkeit mit der wir selbst Überwachung betreiben.
Wir selbst überwachen aus so vielen unterschiedlichen Gründen heraus:
reine Neugier, was “meine Freunde” so treiben
Kontrollsucht, weil ich wissen will, was mein Partner, Hund, Katze, Maus wann und wo denn gerade macht
Angst (ein ganz schlechter Ratgeber!), weil ich doch wissen will, welche dunklen Gestalten sich um mich herumtreiben
Selbstverbesserung durch Selbstvermessung

Da wo die anderen Überwachungsspielpartner ein dediziertes Ziel haben, sind es bei uns gleich mehrere Hände voll.
Und dafür bekommen wir auch mehrere Überwachungswerkzeuge in die Hand gelegt, um unsere Neugier/Angst/Kontrollsucht zu bedienen.
Denn eines ist mir ganz klar:
Was wir niemals mit unserem Überwachungsirrsinn besänftigen können ist unsere Neugier, Angst und Kontrollsucht.
Diese werden dadurch nur stärker werden.

Freiwillig gegeben – unfreiwillig gefunden

Was wir hier mit unseren Daten geschieht, die wir bei Facebook abgeben und die später – mit geringem Aufwand – wieder von vielen gefunden werden können, klingt für mich ein wenig wie bei Harry Potter:

“Flesh – of the servant – willingly given…”
“Blood of the enemy…forcibly taken…”

Unsere Daten, die wir freiwillig hergeben, können uns – dank Graph Search – gewaltsam genommen werden.
Klingt martialisch, ist aber möglicherweise in der Auswirkung ähnlich drastisch.
Denn Daten, die wir bei Facebook abgeben, können durch geschickte Suchen mit der facebook-eigenen Suchfunktion “Graph Search” leicht gefunden werden – selbst wenn wir diese Daten als privat wähnten.
Ein kleiner Test, den Zeit Online durchgeführt hat, fördert zutage, was eigentlich hätte verborgen bleiben sollen:
Altlasten tauchen auf, es ergibt sich ein umfassenderes Bild über uns, welches wir möglicherweise gar nicht abgeben wollten.
Auch die Electronic Frontier Foundation (EFF) weist auf die datenschutzrechtlich bedenklich Situation der Graph Search hin.
Durch die Graph Search lassen sich leicht Daten von unterschiedlichen Nutzerprofilen korrelieren und dadurch einen großen Einblick in das digitale Leben der auf diese Weise überwachten “Freunde” gewinnen.
Hilfreich an dieser Stelle sind lediglich zwei Dinge:
Die Privatsphäreneinstellungen bei Facebook so rigoros wie nur möglich setzen – damit hat der geneigte Nutzer zumindest bis zur nächsten Anpassung der Einstellungen durch Facebook wieder mehr Ruhe.
Datensparsam sein: Was ich nicht hergebe das kann nicht gefunden werden.

Ich weiß, wann du online warst

Eine weitere perfide Möglichkeit der umfassenden Überwachung haben Kurznachrichtendienste wie der Facebook Messenger, WhatsApp oder auch Snapchat eingerichtet:
Lesebestätigungen.
Hier hat der überwachungswillige Nutzer die Möglichkeit, genau zu verfolgen ob – und auch wann – eine Nachricht gelesen wurde.
Eine zweifelhafte Funktionalität wie ich finde.
Natürlich können solche Funktionen ausgeschaltet werden (bei einigen Anbietern zumindest), aber finden alle Nutzer diese Möglichkeit – oder noch schlimmer:
sind sich überhaupt alle Nutzer bewußt darüber, dass sie auf diese Art und Weise überwacht werden?
Und warum ist so eine orwellsche Überwachungsfunktion überhaupt als Standard aktiv?
Sicher finden die Kurznachrichtendienstanbieter dafür salbungsvolle Begründungen – mich jedoch können diese nicht davon überzeugen, mich durch so eine Möglichkeit überwachen zu lassen.

Dorftratsch digital – Nextdoor

Nextdoor ist das Facebook für die direkte Nachbarschaft – so die Idee, kurz und bündig.
Die Idee, sich virtuell in der Nachbarschaft auszutauschen ist so naheliegend wie auch – in meinen Augen – nutzlos.
Denn warum um Himmels Willen sollte ich mich mit meinen Nachbarn virtuell austauschen, wenn meine Nachbarn doch um die Ecke oder direkt nebenan wohnen?
Wieso sollte ich online in meine Nextdoor-Gemeinschaft eine Anfrage an eine Bohrmaschine stellen, wenn ich doch bei meinem handwerklich begabten Nachbarn zwei Häuser weiter einfach persönlich nachfragen kann?
Damit ich meine Hingebung an mein Nachbarschaftsnetzwerk für alle Ewigkeit digital nachvollziehbar dokumentieren kann?
Damit ich digitalen Präsentismus auch in meinem privaten Nachbarschaftsnetzwerk ausleben kann?
Damit ich mich als “guter Nachbar” etablieren kann?
Ich weiß nicht, was Menschen dazu treibt; allerdings ist mir klar, wozu solche virtuellen Nachbarschaftsnetzwerke verkommen können:
Hetzplattformen für Bürgerwehren oder Foren für paranoiden Rassismus.
Da bleibe ich doch lieber bei dem altbewährten Tratsch mit den Nachbarn an der Haustür.

Ich seh dein Gesicht – ich weiß wer du bist

Die nächste Stufe der bürgerbewehrten Überwachung sind Tools wie Findface oder Facewatch.
Mit beiden Tools lassen sich Gesichter Nutzerprofilen in sozialen Netzwerken zuordnen.
Die russische Gesichtserkennungsanwendung hat mit einer Erkennungsrate von bis zu 70% den Weg zur Abschaffung der Anonymität in der Öffentlichkeit geebnet.
Das britische Pendant Facewatch id nimmt zwar einen anderen Weg – wir werden alle zu Informanten, um zwielichtige Elemente zu entlarven – als die russischen Kollegen, aber dort werden mit einer Schnittstelle an Geräte zur Gesichtserkennung ähnliche Albträume orwellschen Ausmaßes möglich.
Allerdings gibt es zum Glück noch einfache und wirksame Maßnahmen, um der De-Anonymisierung durch Werkzeuge wie Findface zu entgehen:
Der Kapuzenpullover wird quasi zum Aluhut des Anonymität-liebenden freien Menschen.
Die Sonnenbrille zu Zorros Maske der Freiheit.

Wie groß die Sorge um unsere Anonymität ist, wird mir klar, wenn selbst Schlangenöl-Lieferanten das Thema Zerstörung der Anonymität in ihren Blogs behandeln.

Selbstvermessen

Aber noch ist die Fahnenstange der gutbürgerlichen Überwachung nicht erreicht.
Wir können schließlich noch uns selbst überwachen, wenn sonst niemand zum überwachen mehr da ist!
Die zunehmende Verbreitung der digitalen Leistungsoptimierer, die virtuellen Sklaventreiber in Form von Fitness-Armbändern und Körperdatensammelnden “Smart”-Watches überwachen ihre Träger in noch viel verräterischer Weise.
Nicht nur machen wir uns zu Sklaven elektronischer Wichtigtuer, sondern wir verlernen auch, auf unseren Körper zu hören.
Ich weiß schon selbst, wann ich an meine Leistungsgrenzen herangehe (oder auch darüber hinaus) – dazu brauche ich kein Armband, das mich maßregelt, wenn ich es übertreibe (oder mich antreibt, wenn ich es einmal gemächlicher angehen lasse).
Schlimmer noch, wir verschleudern diese gesammelten Daten auch in eine ungewisse Datenzukunft.
Nur allzugern werden die von uns mühsam erschwitzten Daten von Krankenkassen und sonstigen Versichereren gehortet, ausgewertet – und auch verkauft.
Denn sicher sind die Daten bei den (meist) in den USA oder Asien beheimateten Anbietern dieser Fitness-Folterer keinesfalls aufgehoben.
Und selbst wenn unsere Krankenkasse uns jetzt noch einen Bonus für die Teilnahme an diesem virtuellen Gesundheitsprogramm anbietet …
… was geschieht, wenn wir dauerhaft unter den so mühsam erlaufenen oder erradelten Gesundheitswert fallen?
Wie sehr wird unser Krankenkassenbeitrag steigen, wenn unser Gesundheitsindex fällt?

Und jetzt?
Hört auf, euch um die Belanglosigkeiten der anderen zu kümmern.
Bleibt analog und lebt entspannter.

Wir überwachen dich – weil wir doch nur dein Bestes wollen!

TL;DR

  • Operation Datenschnorchel: Mission Datenabzug
  • Ich weiß, was du willst: Damit wir schneller kaufen was wir niemals wollten
  • Buy this, they say: Wenn du aus diesem Fenster springst…
  • Rosa Briefpapier sucht alte Schreibmaschine: Don Johnston gefällt…
  • Wehrt euch: Kauft Prepaid-SIM-Karten

Nachdem ich in der letzten Woche meine Sichtweise auf staatliche Überwachung dargestellt habe, widme ich mich heute der Überwachung mit kommerziellem Hintergrund.
In diesem Überwachungsspiel geht es unseren Mitspielern nicht um unsere Sicherheit, sondern einzig und allein um unser Bestes – unsere Daten.
In dieser Spielrunde ist es nicht das Ziel, dass wir unsere Daten behalten oder gar selbst darüber bestimmen, was mit unseren Daten geschieht.
Nein, hier geht es darum, wie unsere Mitspieler an so viele unserer Daten wie möglich herankommen – möglichst ohne, dass wir das merken.
Denn auch hier gilt:

“Wissen ist Macht.”

Und – um Francis Bacon noch ein wenig mehr zu strapazieren – ich bin der Ansicht, dass Wissen, welches ich habe, und von dem der Datenlieferant nicht weiß, dass ich es habe, ist sogar noch mehr Macht.
Aber das klingt jetzt nicht ganz so griffig wie die prägnante Formel des britischen Philosophen.

Unternehmen Datenabzug

Was nach einer militärischen Operation klingt ist das inzwischen täglich mehrfach praktizierte und gut etablierte anwanzen von kommerziellen Unternehmen, um an unsere Daten zu kommen.
Sei es die einschläfernd langweilige Frage “Haben Sie Payback?” (wobei schon allein die fragwürdige Frageform die schiere Begeisterung der Fragenden zu diesem Thema zum Ausdruck bringt) oder die inflationär eingesetzten “Pflichtfelder” eines Anfragsformulars bei der Registrierung zum nächsten sinnlosen Dienstanbieter.
Das Ziel ist überall das gleiche: Sie wollen unsere Daten.
Sie wollen so viele wie möglich – alle, die sie kriegen können.
Sie wollen alle, die wir – mehr oder wenig – freiwillig rausrücken.
Sie nutzen dazu alle Mittel, die ihnen einfallen:
einschmeicheln
Wichtigkeit vorgaukeln
drohen
betteln

Eines haben diese Mittelchen allerdings gemeinsam:
Sie sind armselig.
Und wie einen Fixer, der uns um seinen nächsten Schuss anbettelt, so sollten wir auf die Anbiederungen der Datenkraken reagieren:
Ablehnen.
Wir sollten Mitleid mit den Datenfixern haben.
Wir sollten ihnen helfen – indem wir ihnen den nächsten Schuss verweigern.

Damit wir schneller finden, was wir gar nicht gesucht haben

Targeted Advertising – klingt für mich ein wenig so, als sei ich jetzt auf der Abschussliste für Gefährder gelandet – ist aber nicht ganz so schlimm (oder schlimmer, denn Targeted Advertising überlebe ich und ruiniere mir dadurch jedoch meine Finanzreserven).
Zielgerichtete Werbung, das ist eines der Dinge, welches kommerz-orientierte Unternehmen mit meinen Daten anfangen wollen.
Sie wollen mich besser kennenlernen, damit sie mir zukünftig die Dinge andrehen können, die ich schon immer nicht haben wollte.
Also ist werbetechnisch eigentlich alles wie bisher auch, nur mit einem Touch mehr “aber wir wissen doch, wie du tickst”.
Ob die Wirksamkeit dieser Targeted Advertising Idee tatsächlich so hoch ist, wie die Marketing-Abteilungen der diversen Internet-Giganten ihren Kunden und sich selbst glauben machen wollen, ist noch nicht bewiesen.
Ich zumindest habe seitenweise “wissenschaftliche Belege” dafür gefunden, dass es regelrecht die bisherigen Werbeformen – von Plakatwerbung über Radiowerbung bis hin zum klassischen TV-Spot – als eine Obsoleszenz des vorigen Jahrtausends darstellt.
Allerdings frage ich mich dann, warum wir eben diese Werbeformen immer noch überall sehen.
Nein, das wirklich perfide und störende an zielgerichteter, also auf uns vermeintlich zugeschnittener Werbung ist, dass sie den Eindruck vermittelt, uns persönlich anzusprechen.
Und darauf fahren wir als Menschen halt echt ab.
Das das Zeug dahinter der gleiche Müll ist, den wir noch nie brauchten – eben wie bei der klassischen Werbung – ist zweitrangig.
Eine weitere Ärgerlichkeit – und hier schlägt mir die Handlungsweise dieser Datensammelterroristen so richtig auf mein privatsphären-affines Gemüt – ist die Tatsache, dass ich durch diese verdammte Targeted Advertising-Rotze überall mittels Tracking verfolgt werde, damit ich eben noch besser persönlich angesprochen werden kann.
Denn wenn die Datenhorter noch mehr darüber wissen, wo ich mich rumtreibe, dann können sie noch besser den Eindruck von persönlich auf mich zugeschnittener Werbung vermitteln.

Wenn du aus diesem Fenster gesprungen bist,

…dann legst du dich auch hinter diesen Zug.
Ungefähr so sinnvoll sind die “Empfehlungen”, mit denen uns Amazon und ähnlich anbiedernde Händler zum Einkauf noch einer dritten Waschmaschine bringen wollen.
Wo bitte liegt denn der Sinn, mir dann, wenn ich gerade eine Waschmaschine gekauft habe, noch fünf andere Waschmaschinen anzubieten?
Dieses Beispiel aus dem wa(h)ren Leben (ok, es war ein Kühlschrank und keine Waschmaschine) zeigt, wie sinnlos das Empfehlungsverfahren aufgrund von Tracking überhaupt ist.
Eine moderne Waschmaschine (und hier bringe ich wieder das bereits verwendete, wundervolle Wort Obsoleszenz ins Spiel) hat eine Lebenserwartung von rund zehn Jahren.
Warum um Himmels Willen, will man mir, kurz nachdem ich meine Waschmaschine gekauft habe, gleich noch eine andrehen?
Das ist vollkommen hirnrissig und lässt mich rat- aber nicht hilflos dastehen.
1. Damit man mir keine blöden Vorschläge aufgrund meiner bisherigen Suchen machen kann, lösche ich jedes mal die Cookies in meinem Browser.
2. Ich gehe ich ein lokales Fachgeschäft meines Vertrauens, lasse mich kompetent beraten und kaufe meine Waschmaschine dort.

Don Johnston gefällt rosa Briefpapier

…Vielleicht willst auch du eine rosa Schreibmaschine kaufen.
In welcher Welt leben die Online-Händler überhaupt, wenn sie davon ausgehen, dass ich mich für ein Produkt entscheide, bloß weil der eine (oder auch 10.345 andere virtuelle) Kunden ein ähnliches Produkt gekauft haben?
Aus den von uns gesammelten Daten werden vollkommen sinnlose und realitätsferne Schlüsse gezogen, die dennoch als Anlass genommen werden, uns zu einem weiteren unnötigen Kauf zu überreden.
Ich will das nicht.
Ich bin so viel Individuum, dass ich möglichst nicht hören will, dass irgendjemand einen ähnlichen Geschmack hat wie ich.
Das ist doch total bäh!
Genug gemotzt, tun wir etwas dagegen.
In diesem Fall lautet meine Empfehlung:
Legt keine Konten bei Online-Händlern an.
1. Wenn keine Konto-Historie von dir vorliegt kann auch kein Profil daraus gebildet werden.
2. Ist kein Profil verfügbar kann dieses auch nicht mit verschwurbelten Pseudo-Korrelationen mit anderen Profilen verbunden werden ?

Wehrt euch!

Jetzt habe ich noch eine kleine Nachreichung zum letztwöchigen Thema staatliche Überwachung.
Kauft euch noch schnell Prepaid-SIM-Karten für eure liebgewonnenen Smartphones.
Denn laut einem geplanten neuen Anti-Terror-Gesetz unserer Bundesregierung, welches am kommenden Mittwoch, den 25. Mai im Schnellverfahren durch den Bundestag gepeitscht werden soll, soll das anonyme Kaufen einer Prepaid-Karte verboten werden.
Ein Hoch auf staatliche Überwachung!
Alles natürlich für den Terror!
Also, gegen den Terror und gegen uns natürlich.
Also für unsere Bequemlichkeit.
Also, damit wir nicht allzuviel selbst denken müssen.
Wisst schon!

Achso…und nicht die Prepaid-Karte auf eure Adresse und eure übliche E-Mail Adresse anmelden!
Wisst schon: kreative Datensparsamkeit und so ?

Wir überwachen dich – weil wir doch nur dein Bestes wollen!

Nachdem ich in der letzten Woche meine Sichtweise auf staatliche Überwachung dargestellt habe, widme ich mich heute der Überwachung mit kommerziellem Hintergrund.
In diesem Überwachungsspiel geht es unseren Mitspielern nicht um unsere Sicherheit, sondern einzig und allein um unser Bestes – unsere Daten.
In dieser Spielrunde ist es nicht das Ziel, dass wir unsere Daten behalten oder gar selbst darüber bestimmen, was mit unseren Daten geschieht.
Nein, hier geht es darum, wie unsere Mitspieler an so viele unserer Daten wie möglich herankommen – möglichst ohne, dass wir das merken.
Denn auch hier gilt:
Wissen ist Macht.
Und – um Francis Bacon noch ein wenig mehr zu strapazieren – ich bin der Ansicht, dass Wissen, welches ich habe, und von dem der Datenlieferant nicht weiß, dass ich es habe, ist sogar noch mehr Macht.
Aber das klingt jetzt nicht ganz so griffig wie die prägnante Formel des britischen Philosophen.

Unternehmen Datenabzug

Was nach einer militärischen Operation klingt ist das inzwischen täglich mehrfach praktizierte und gut etablierte anwanzen von kommerziellen Unternehmen, um an unsere Daten zu kommen.
Sei es die einschläfernd langweilige Frage “Haben Sie Payback?” (wobei schon allein die fragwürdige Frageform die schiere Begeisterung der Fragenden zu diesem Thema zum Ausdruck bringt) oder die inflationär eingesetzten “Pflichtfelder” eines Anfragsformulars bei der Registrierung zum nächsten sinnlosen Dienstanbieter.
Das Ziel ist überall das gleiche: Sie wollen unsere Daten.
Sie wollen so viele wie möglich – alle, die sie kriegen können.
Sie wollen alle, die wir – mehr oder wenig – freiwillig rausrücken.
Sie nutzen dazu alle Mittel, die ihnen einfallen:

  • einschmeicheln
  • Wichtigkeit vorgaukeln
  • drohen
  • betteln

Eines haben diese Mittelchen allerdings gemeinsam:
Sie sind armselig.
Und wie einen Fixer, der uns um seinen nächsten Schuss anbettelt, so sollten wir auf die Anbiederungen der Datenkraken reagieren:
Ablehnen.
Wir sollten Mitleid mit den Datenfixern haben.
Wir sollten ihnen helfen – indem wir ihnen den nächsten Schuss verweigern.

Damit wir schneller finden, was wir gar nicht gesucht haben

Targeted Advertising – klingt für mich ein wenig so, als sei ich jetzt auf der Abschussliste für Gefährder gelandet – ist aber nicht ganz so schlimm (oder schlimmer, denn Targeted Advertising überlebe ich und ruiniere mir dadurch jedoch meine Finanzreserven).
Zielgerichtete Werbung, das ist eines der Dinge, welches kommerz-orientierte Unternehmen mit meinen Daten anfangen wollen.
Sie wollen mich besser kennenlernen, damit sie mir zukünftig die Dinge andrehen können, die ich schon immer nicht haben wollte.
Also ist werbetechnisch eigentlich alles wie bisher auch, nur mit einem Touch mehr “aber wir wissen doch, wie du tickst”.
Ob die Wirksamkeit dieser Targeted Advertising Idee tatsächlich so hoch ist, wie die Marketing-Abteilungen der diversen Internet-Giganten ihren Kunden und sich selbst glauben machen wollen, ist noch nicht bewiesen.
Ich zumindest habe seitenweise “wissenschaftliche Belege” dafür gefunden, dass es regelrecht die bisherigen Werbeformen – von Plakatwerbung über Radiowerbung bis hin zum klassischen TV-Spot – als eine Obsoleszenz des vorigen Jahrtausends darstellt.
Allerdings frage ich mich dann, warum wir eben diese Werbeformen immer noch überall sehen.
Nein, das wirklich perfide und störende an zielgerichteter, also auf uns vermeintlich zugeschnittener Werbung ist, dass sie den Eindruck vermittelt, uns persönlich anzusprechen.
Und darauf fahren wir als Menschen halt echt ab.
Das das Zeug dahinter der gleiche Müll ist, den wir noch nie brauchten – eben wie bei der klassischen Werbung – ist zweitrangig.
Eine weitere Ärgerlichkeit – und hier schlägt mir die Handlungsweise dieser Datensammelterroristen so richtig auf mein privatsphären-affines Gemüt – ist die Tatsache, dass ich durch diese verdammte Targeted Advertising-Rotze überall mittels Tracking verfolgt werde, damit ich eben noch besser persönlich angesprochen werden kann.
Denn wenn die Datenhorter noch mehr darüber wissen, wo ich mich rumtreibe, dann können sie noch besser den Eindruck von persönlich auf mich zugeschnittener Werbung vermitteln.

Wenn du aus diesem Fenster gesprungen bist,

…dann legst du dich auch hinter diesen Zug.
Ungefähr so sinnvoll sind die “Empfehlungen”, mit denen uns Amazon und ähnlich anbiedernde Händler zum Einkauf noch einer dritten Waschmaschine bringen wollen.
Wo bitte liegt denn der Sinn, mir dann, wenn ich gerade eine Waschmaschine gekauft habe, noch fünf andere Waschmaschinen anzubieten?
Dieses Beispiel aus dem wa(h)ren Leben (ok, es war ein Kühlschrank und keine Waschmaschine) zeigt, wie sinnlos das Empfehlungsverfahren aufgrund von Tracking überhaupt ist.
Eine moderne Waschmaschine (und hier bringe ich wieder das bereits verwendete, wundervolle Wort Obsoleszenz ins Spiel) hat eine Lebenserwartung von rund zehn Jahren.
Warum um Himmels Willen, will man mir, kurz nachdem ich meine Waschmaschine gekauft habe, gleich noch eine andrehen?
Das ist vollkommen hirnrissig und lässt mich rat- aber nicht hilflos dastehen.

  1. Damit man mir keine blöden Vorschläge aufgrund meiner bisherigen Suchen machen kann, lösche ich jedes mal die Cookies in meinem Browser.
  2. Ich gehe ich ein lokales Fachgeschäft meines Vertrauens, lasse mich kompetent beraten und kaufe meine Waschmaschine dort.

Don Johnston gefällt rosa Briefpapier

…Vielleicht willst auch du eine rosa Schreibmaschine kaufen.
In welcher Welt leben die Online-Händler überhaupt, wenn sie davon ausgehen, dass ich mich für ein Produkt entscheide, bloß weil der eine (oder auch 10.345 andere virtuelle) Kunden ein ähnliches Produkt gekauft haben?
Aus den von uns gesammelten Daten werden vollkommen sinnlose und realitätsferne Schlüsse gezogen, die dennoch als Anlass genommen werden, uns zu einem weiteren unnötigen Kauf zu überreden.
Ich will das nicht.
Ich bin so viel Individuum, dass ich möglichst nicht hören will, dass irgendjemand einen ähnlichen Geschmack hat wie ich.
Das ist doch total bäh!
Genug gemotzt, tun wir etwas dagegen.
In diesem Fall lautet meine Empfehlung:
Legt keine Konten bei Online-Händlern an.

  1. Wenn keine Konto-Historie von dir vorliegt kann auch kein Profil daraus gebildet werden.
  2. Ist kein Profil verfügbar kann dieses auch nicht mit verschwurbelten Pseudo-Korrelationen mit anderen Profilen verbunden werden 🙂

Wehrt euch!

Jetzt habe ich noch eine kleine Nachreichung zum letztwöchigen Thema staatliche Überwachung.
Kauft euch noch schnell Prepaid-SIM-Karten für eure liebgewonnenen Smartphones.
Denn laut einem geplanten neuen Anti-Terror-Gesetz unserer Bundesregierung, welches am kommenden Mittwoch, den 25. Mai im Schnellverfahren durch den Bundestag gepeitscht werden soll, soll das anonyme Kaufen einer Prepaid-Karte verboten werden.
Ein Hoch auf staatliche Überwachung!
Alles natürlich für den Terror!
Also, gegen den Terror und gegen uns natürlich.
Also für unsere Bequemlichkeit.
Also, damit wir nicht allzuviel selbst denken müssen.
Wisst schon!

TL;DR

  • Operation Datenschnorchel: Mission Datenabzug
  • Ich weiß, was du willst: Damit wir schneller kaufen was wir niemals wollten
  • Buy this, they say: Wenn du aus diesem Fenster springst…
  • Rosa Briefpapier sucht alte Schreibmaschine: Don Johnston gefällt…
  • Wehrt euch: Kauft Prepaid-SIM-Karten

Achso…und nicht die Prepaid-Karte auf eure Adresse und eure übliche E-Mail Adresse anmelden!
Wisst schon: kreative Datensparsamkeit und so 😉

Wir überwachen dich – nur zu deiner eigenen Sicherheit!

Das wir, natürlich nur zu unserer eigenen Sicherheit, überwacht werden, ist das reflexhaft herausgeblökte Argument von staatlicher Seite, wenn es um das Thema Überwachung geht.
Ich möchte an dieser Stelle einige Gedanken sammeln und vorstellen, wie denn diese Überwachung von staatlicher Seite aussieht und was diese Überwachung uns bringt – außer Ungemach und Angst.
Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern,
seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen.
So äußerte sich Ernst Benda 2007 zum Thema Vorratsdatenspeicherung.
Und damit bin ich schon mittendrin.

Vorratsdatenspeicherung

Die zweite Auflage des überwachungstechnischen Versuchs anhand der massenhaften, anlasslosen Speicherung von personenbezogenen Daten aus dem Telekommunikationsbereich, um Straftaten zu verhindern oder aufzuklären.
Nun, die Neuauflage der VDS ist beschlossen, in Kraft getreten aber noch nicht vollständig umgsetzt – die Speicherpflicht ist erst bis spätestens 1. Juli 2017 zu erfüllen, daher schauen wir uns doch einmal an, wie sich die Aufklärungsquote beim ersten Versuch entwickelt hat.
Da heißt es im Sachstandsbericht des Wissenschaftlichen Dienstes über die praktischen Auswirkungen der VDS auf die Entwicklung der Aufklärungsquoten:
Die Aufklärungsquote weist keine signifikante Änderung auf.
Na, das hat sich ja dann doch mal richtig gelohnt.
Mehr Kosten, mehr Aufwand, mehr Speicherplatz, mehr Unmut und mehr Angst bei den Anwendern führt zu – exakt nichts.
Wenn ich das lese, dann habe ich doch erhebliche Zweifel, dass sich meine persönliche Sicherheit durch die Einführung der VDS erhöht hat.
Was soll überhaupt erreicht werden, wenn massenhaft, ohne Anlass, all unsere Kommunikation – entschuldigung, es sind ja nur die Verbindungsdaten, nicht die Inhalte – überwacht werden?
Schwerste Verbrechen”, also alle kriminelle Energie, die sich gegen Leib und Leben, unsere Freiheit richtet und Terror aller Art auslöst, dies alles soll die VDS helfen aufzuklären.
Das klingt doch schon mal vielversprechend.
Wenn ich jedoch Aussagen wie diese von Reinhold Gall lese:
Ich verzichte gerne auf vermeintliche Freiheitsrechte wenn wir einen Kinderschänder überführen.”, dann wird mir ganz, ganz anders.
Da sehe ich mal wirklich schwarz für unsere Freiheit, wenn die Verhältnismäßigkeit so sehr eingedampft wird, dass die vollständige telekommunikative Überwachung einer kompletten Bevölkerung mit der Überführung eines Straftäters gerechtfertigt wird.
Mir läuft es eiskalt über den Rücken und ich fühle schon die Handschellen, die sich um meine Handgelenke schließen beim Gedanken an meine letzten Falsch-parken-Manöver und die roten Ampeln, die ich ignoriert habe.

NSAGCHQBND – zehn Buchstaben für unsere Terrorsicherheit

Auch international betrachtet sieht das ganze “Das-ist-doch-für-deine-Sicherheit” Argument in meinen Augen so gar nicht gut aus.
Laut The Guardian hat das GCHQ die technische Möglichkeit, ungefähr ein viertel aller Daten, die in und aus dem Vereinigten Königreich via moderner Digitalkommunikation fließen, zu überwachen.
Das sind 21,6 Petabyte – pro Tag -, ungefähr die 192-fache Menge an Büchern, die in der British Library vorhanden sind.
Auch die Zahlen der NSA sind für mich beeindruckend.
Mit der UPSTREAM Datensammlung ist die NSA in der Lage, pro Monat 160 Milliarden Datensätze aus den weltweiten Glasfasernetzen auszulesen.
Dazu kommen noch die 6,6 Milliarden Metadaten, welche der BND monatlich im Rahmen der Operation Eikonal aus dem DE-CIX, einem der weltweit größten Netzknoten des Internets, herausfischt.
Und wofür das alles?
Für unsere Sicherheit.
Um Terroranschläge zu verhindern.
Damit wir in Freiheit leben können.
Tatsächlich?

Sicherheit oder Freiheit?

Ich fühle mich nicht sicherer, wenn all meine digitale Kommunikation (und auch meine realen Bewegungen) aufgezeichnet, analysiert und bewertet werden.
Ganz im Gegenteil.
Ich stimme an dieser Stelle Benjamin Franklin zu, wenn er sagt:
Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.
Es gibt einfach keine Garantie für Sicherheit in unserem Leben.
Und wenn wir damit beginnen, die Illusion von Sicherheit zu erzeugen, indem wir unsere Freiheit einschränken, dann sind wir auf einem ganz gefährlichen Weg, der letztendlich in ein Gefängnis der Angst führt.

Sicherheit durch Überwachung?

Ich stelle mir die Frage, ob wir überhaupt durch Überwachung Sicherheit erreichen können.
Da Sicherheit nur ein Gefühl ist, welches zunimmt, wenn wir mehr Selbstvertrauen haben und unsere Ängste kennen und verstehen, glaube ich nicht, dass Überwachung – insbesondere eine anlass- und zunehmend lückenlose Überwachung – zur Steigerung unserer Sicherheit beitragen kann.
So schreibt es schon Laotse im Tao Te King:
Wer jederlei Angst zu durchschauen vermag, wird immer in Sicherheit sein.
Nicht ein mehr an Überwachung oder eine Einschränkung der Freiheit führt zu einem höheren Maß an Sicherheit, sondern lediglich die Auseinandersetzung mit unseren Ängsten verhilft uns zu einem Gefühl von mehr Sicherheit

Freiheit und Überwachung – Wenn du dich nicht bewegst, spürst du deine Ketten nicht

Ist Freiheit und Überwachung miteinander vereinbar?
Ich glaube nicht, dass der Freiheitsbegriff – zu tun, was ich möchte, ohne jemandem zu schaden und ohne selbst Schaden zu erleiden – mit Überwachung vereinbar sind.
Haben wir nicht – gerade in Deutschland – ausreichend Beispiele in unserer Geschichte erlebt, die uns klar zeigen, dass Überwachung zu Unfreiheit führt.
Schlimmer noch, das Bewußtsein, dass wir überwacht werden, führt sogar zu einer Änderung unserer bis dahin freiheitlich gelebten Verhaltensmuster.
So zeigt sich, dass Minderheiten unter dem Eindruck von Überwachung eher Schweigen, als ihre freiheitlichen Ansprüche zu äußern.
Und ich will auch nicht in einer Welt leben, wie Eric Schmidt sie mit seiner Aussage: „Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.“ heraufbeschwört.
Denn etwas nicht zu tun – auch etwas, von dem niemand erfahren soll – bloß weil ich weiß, dass alles aufgezeichnet und überwacht wird, dies ist das vollkommene Gegenteil von Freiheit.
Und wenn wir das nicht mehr haben, was bleibt uns dann noch?

TL;DR

  • Viele Daten für nichts: Vorratsdatenspeicherung
  • Drei Nachrichtendienste und kein einziger Terrorist: NSAGCHQBND
  • Gib mir Freiheit oder den Tod: Sicherheit oder Freiheit?
  • Ich weiß, was du letzte Nacht getan hast: Freiheit und Überwachung

In our increasingly controlled, targeted, and digitized world, the wooden public bench is a haven of freedom in the middle of the city.
Tom Hodgkinson
Macht es wie Tom Hodgkinson:
Geht raus, setzt euch auf eine Bank, genießt eure Freiheit und lasst euch einfach einmal ganz analog und überwacht treiben.

Wir überwachen dich – nur zu deiner eigenen Sicherheit!

Das wir, natürlich nur zu unserer eigenen Sicherheit, überwacht werden, ist das reflexhaft herausgeblökte Argument von staatlicher Seite, wenn es um das Thema Überwachung geht.
Ich möchte an dieser Stelle einige Gedanken sammeln und vorstellen, wie denn diese Überwachung von staatlicher Seite aussieht und was diese Überwachung uns bringt – außer Ungemach und Angst.

„Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern,
seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen.“

So äußerte sich Ernst Benda 2007 zum Thema Vorratsdatenspeicherung.
Und damit bin ich schon mittendrin.

TL;DR

  • Viele Daten für nichts: Vorratsdatenspeicherung
  • Drei Nachrichtendienste und kein einziger Terrorist: NSAGCHQBND
  • Gib mir Freiheit oder den Tod: Sicherheit oder Freiheit?
  • Ich weiß, was du letzte Nacht getan hast: Freiheit und Überwachung

Vorratsdatenspeicherung

Die zweite Auflage des überwachungstechnischen Versuchs anhand der massenhaften, anlasslosen Speicherung von personenbezogenen Daten aus dem Telekommunikationsbereich, um Straftaten zu verhindern oder aufzuklären.
Nun, die Neuauflage der VDS ist beschlossen, in Kraft getreten aber noch nicht vollständig umgsetzt – die Speicherpflicht ist erst bis spätestens 1. Juli 2017 zu erfüllen, daher schauen wir uns doch einmal an, wie sich die Aufklärungsquote beim ersten Versuch entwickelt hat.
Da heißt es im Sachstandsbericht des Wissenschaftlichen Dienstes über die praktischen Auswirkungen der VDS auf die Entwicklung der Aufklärungsquoten:

“Die Aufklärungsquote weist keine signifikante Änderung auf.”

Na, das hat sich ja dann doch mal richtig gelohnt.
Mehr Kosten, mehr Aufwand, mehr Speicherplatz, mehr Unmut und mehr Angst bei den Anwendern führt zu – exakt nichts.
Wenn ich das lese, dann habe ich doch erhebliche Zweifel, dass sich meine persönliche Sicherheit durch die Einführung der VDS erhöht hat.
Was soll überhaupt erreicht werden, wenn massenhaft, ohne Anlass, all unsere Kommunikation – entschuldigung, es sind ja nur die Verbindungsdaten, nicht die Inhalte – überwacht werden?
Schwerste Verbrechen”, also alle kriminelle Energie, die sich gegen Leib und Leben, unsere Freiheit richtet und Terror aller Art auslöst, dies alles soll die VDS helfen aufzuklären.
Das klingt doch schon mal vielversprechend.
Wenn ich jedoch Aussagen wie diese von Reinhold Gall lese:
„Ich verzichte gerne auf vermeintliche Freiheitsrechte wenn wir einen Kinderschänder überführen“, dann wird mir ganz, ganz anders.
Da sehe ich mal wirklich schwarz für unsere Freiheit, wenn die Verhältnismäßigkeit so sehr eingedampft wird, dass die vollständige telekommunikative Überwachung einer kompletten Bevölkerung mit der Überführung eines Straftäters gerechtfertigt wird.
Mir läuft es eiskalt über den Rücken und ich fühle schon die Handschellen, die sich um meine Handgelenke schließen beim Gedanken an meine letzten Falsch-parken-Manöver und die roten Ampeln, die ich ignoriert habe.

NSAGCHQBND – zehn Buchstaben für unsere Terrorsicherheit

Auch international betrachtet sieht das ganze “Das-ist-doch-für-deine-Sicherheit” Argument in meinen Augen so gar nicht gut aus.
Laut The Guardian hat das GCHQ die technische Möglichkeit, ungefähr ein viertel aller Daten, die in und aus dem Vereinigten Königreich via moderner Digitalkommunikation fließen, zu überwachen.
Das sind 21,6 Petabyte – pro Tag -, ungefähr die 192-fache Menge an Büchern, die in der British Library vorhanden sind.
Auch die Zahlen der NSA sind für mich beeindruckend.
Mit der UPSTREAM Datensammlung ist die NSA in der Lage, pro Monat 160 Milliarden Datensätze aus den weltweiten Glasfasernetzen auszulesen.
Dazu kommen noch die 6,6 Milliarden Metadaten, welche der BND monatlich im Rahmen der Operation Eikonal aus dem DE-CIX, einem der weltweit größten Netzknoten des Internets, herausfischt.
Und wofür das alles?
Für unsere Sicherheit.
Um Terroranschläge zu verhindern.
Damit wir in Freiheit leben können.
Tatsächlich?

Sicherheit oder Freiheit?

Ich fühle mich nicht sicherer, wenn all meine digitale Kommunikation (und auch meine realen Bewegungen) aufgezeichnet, analysiert und bewertet werden.
Ganz im Gegenteil.
Ich stimme an dieser Stelle Benjamin Franklin zu, wenn er sagt:

„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“

Es gibt einfach keine Garantie für Sicherheit in unserem Leben.
Und wenn wir damit beginnen, die Illusion von Sicherheit zu erzeugen, indem wir unsere Freiheit einschränken, dann sind wir auf einem ganz gefährlichen Weg, der letztendlich in ein Gefängnis der Angst führt.

Sicherheit durch Überwachung?

Ich stelle mir die Frage, ob wir überhaupt durch Überwachung Sicherheit erreichen können.
Da Sicherheit nur ein Gefühl ist, welches zunimmt, wenn wir mehr Selbstvertrauen haben und unsere Ängste kennen und verstehen, glaube ich nicht, dass Überwachung – insbesondere eine anlass- und zunehmend lückenlose Überwachung – zur Steigerung unserer Sicherheit beitragen kann.
So schreibt es schon Laotse im Tao Te King:

„Wer jederlei Angst zu durchschauen vermag, wird immer in Sicherheit sein.“

Nicht ein mehr an Überwachung oder eine Einschränkung der Freiheit führt zu einem höheren Maß an Sicherheit, sondern lediglich die Auseinandersetzung mit unseren Ängsten verhilft uns zu einem Gefühl von mehr Sicherheit

Freiheit und Überwachung – Wenn du dich nicht bewegst, spürst du deine Ketten nicht

Ist Freiheit und Überwachung miteinander vereinbar?
Ich glaube nicht, dass der Freiheitsbegriff – zu tun, was ich möchte, ohne jemandem zu schaden und ohne selbst Schaden zu erleiden – mit Überwachung vereinbar sind.
Haben wir nicht – gerade in Deutschland – ausreichend Beispiele in unserer Geschichte erlebt, die uns klar zeigen, dass Überwachung zu Unfreiheit führt.
Schlimmer noch, das Bewußtsein, dass wir überwacht werden, führt sogar zu einer Änderung unserer bis dahin freiheitlich gelebten Verhaltensmuster.
So zeigt sich, dass Minderheiten unter dem Eindruck von Überwachung eher Schweigen, als ihre freiheitlichen Ansprüche zu äußern.
Und ich will auch nicht in einer Welt leben, wie Eric Schmidt sie mit seiner Aussage:

„Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.“

heraufbeschwört.
Denn etwas nicht zu tun – auch etwas, von dem niemand erfahren soll – bloß weil ich weiß, dass alles aufgezeichnet und überwacht wird, dies ist das vollkommene Gegenteil von Freiheit.
Und wenn wir das nicht mehr haben, was bleibt uns dann noch?

„In our increasingly controlled, targeted, and digitized world, the wooden public bench is a haven of freedom in the middle of the city.“
Tom Hodgkinson

Macht es wie Tom Hodgkinson:
Geht raus, setzt euch auf eine Bank, genießt eure Freiheit und lasst euch einfach einmal ganz analog und überwacht treiben.

Wer überwacht uns…und warum?

Ich glaube, dass uns ein Blick darauf, wer uns überwacht und welche Gründe er dafür aufs Tapet heften kann, helfen kann, die ganze Überwachungs-Arie gelassener anzugehen.
In meinem Augen ist diese ganze Überwachungsnummer – gelinde gesagt – zum Kotzen und einer freiheitlich orientierten Gesellschaft wie der unseren vollkommen unwürdig.
Daher stelle ich hier meine Sichtweise auf die verschiedenen Gegenspieler im Überwachungsspiel vor.

TL;DR

  • Datensaugen für den Terrorschutz: NSA, GCHQ, BND und Polizei
  • Datenkraken aus Profitgier: Unternehmerische Datengier
  • Selbst ist der Überwacher: Kalorienzählen für die Cloud

Vater Staat und seine Handlanger

Hier betrachte ich jetzt nicht nur unseren Vater Staat im beschaulichen Deutschland, sondern hebe meinen Blick über den Tellerrand nationaler und geographischer Grenzen.
Da beginne ich auch gleich bei unseren transatlantischen Freunden mit ihrem Auslandsgeheimdienst, der National Security Agency (NSA).
Diese haben, wie wir seit den Veröffentlichungen von Edward Snowden wissen, die Messlatte was Überwachung angeht schon mal ordentlich hoch gelegt.
Um dem PRISM-Programm der NSA überwachungstechnisch das Wasser zu reichen, muss ein Datenschnorchelsystem schon ordentlich in die Trickkiste greifen.
Denn PRISM greift sich Daten aus so unwichtigen Bereichen wie E-Mail, Social-Media-Plattformen, Cloudspeichern, Chatsystemen, IP-Telefonie, Videokonferenz-Systemen und weiteren Sonderwünschen ab.
Kurz gefasst wird bei PRISM alles digital kommunizierte erfasst, was nicht bei drei auf den kryptographisch geschützten Bäumen ist.
Also das ist schon mal eine ganz schöne Packung.
Und warum tun sie das?
Na, damit wir ruhiger schlafen können und die bösen Terroristen uns nicht alle heimlich im Schlaf überfallen und wahlweise töten, in Angst und Schrecken versetzen oder uns ihr vermeintlich richtiges Regime aufoktroyiren.
Hmm…seltsam, wo ich jetzt so formuliere…tun das die Machthaber hinter PRISM nicht auch?
Nein, nein, da muss ich mich irren, denn die sind ja die Guten.
Auf jeden Fall halte ich jemanden, der eine Rund-um-die-Uhr und Überall-Überwachung für alle Teilnehmer an digitaler Kommunikation aufsetzt, durchführt und verantwortet für einen Fall für die Klapse.
Egal aus welch fadenscheinigem Grund man dies anzettelt und durchführt.
Nationale Sicherheit hin und Terrorabwehr her.
Meiner Meinung nach haben wir schon verloren, wenn wir in einer solchen Welt unter solch einer digitalen Totalüberwachung leben.
Dann rücke ich in meiner weiteren Betrachtung den Fokus auf Europa.
Hier schaffen es tatsächlich unsere royalen Freunde von den Britischen Inseln dem Überwachungsprogramm aus ihrer ehemaligen transatlantischen Kolonie doch noch den Rang abzulaufen.
Die Geheimdienstaktion Tempora des Government Communications Headquarters, kurz GCHQ, schafft es laut Abschätzungen whistleblowender Quellen ungefähr 40 Milliarden Datensätze pro Tag aus den Unterseekabeln herauszusaugen.
Auch bei dieser im Umfang noch umfassenderen Überwachungsaktion der global-galaktischen Digitalkommunikation wird wieder das Wohl und Wehe der – westlichen – Welt als Grund vorgeschoben.
Naja, ich wiederhole mich, wenn ich sage:
Unter totaler Überwachung und in Angst zu leben, ist nicht das, was ich unter einem Leben in Freiheit verstehe.
Richte ich meine Aufmerksamkeit auf unseren eigenen sicheren Hafen demokratischer Freiheit.
Betrachte ich zunächst den Bundesnachrichtendienst (BND), unseren bundeseigenen Auslandsgeheimdienst.
Auch dieser möchte am allgemeinen Überwachungsspiel teilnehmen.
Dafür wurde hier jedoch kein eigenes – bisher bekannt gewordenes – Überwachungswerkzeug geschaffen.
Dafür diente und dient weiterhin der BND als williger Datenlieferant für die NSA und GCHQ.
Darüber hinaus fremdfischte der BND auch noch im Inland und zapfte fröhlich den weltweit größten Netzknoten für den Internetverkehr, den DE-CIX in Frankfurt am Main an.
Herzlichen Glückwunsch, sage ich dazu.
Schämt ihr euch nicht?
Ich tu es jedenfalls.
Habt ihr denn gar nix aus der Geschichte gelernt?
Reichen zwei denunzierende und volksüberwachende Regime mit Überwachungs- und Unterdrückungswerkzeugen wie Gestapo und Stasi nicht aus, um einfach mal so viel Arsch in der Hose zu haben und zu sagen:
Nein, wir überwachen unsere (oder andere) Bevölkerung nie wieder!
Widerlich, armselig, das halte ich davon.
Armselig, das ist auch das, was mir zu der Überwachungsmethodik der deutschen Polizeibehörden durch die Vorratsdatenspeicherung einfällt.
Armselig finde ich es zum einen, dass wir alle damit einfach mal unter Generalverdacht gestellt werden.
Armselig finde ich weiterhin, es nochmals mit einer bereits schon einmal gescheiterten Methode zu versuchen.
Mir fällt dazu Albert Einstein ein:

“Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.”

Auch die Vorratsdatenspeicherung wird uns kein Stück mehr Sicherheit bringen.
Was sie uns mit Sicherheit bringt:
mehr Kontrolle und Überwachung – zwei Zustände, die ich für mich nicht mit einem Leben in einer freiheitlichen Gesellschaft in Einklang bringen kann.

Datenkraken und ihre konsumgeilen Ausläufer

Neben dem staatlichen Überwachungs- und Kontrollirrsinn gibt es zusätzlich noch private Datensammler, -schnüffler und -verarbeiter.
Das sind die Googles, Facebooks und weitere wie widerliche Eitergeschwüre der digitalen Entwicklung erwachsende Unternehmen.
Diese spiegeln uns nicht die vermeintliche Verbesserung unserer Sicherheit vor – sondern unseren eigenen wirtschaftlichen Vorteil – unter diesem Deckmäntelchen steckt natürlich auch hier nur ihre grenzenlose Datensammelgier.
Auch die dazugehörigen Methoden unterscheiden sich von denen, die bei staatlicher Überwachungswut Verwendung findet.
Wo die einen im Verborgenen agieren, da geben wir den privaten Datenkraken unsere Daten freiwillig, bereitwillig gar, für ein paar armselige Rabattpunkte oder ein wenig Online-Reputation her.
Das “warum?” ist ein anderes – das “wie?” mittlerweile nicht mehr.
Beide – staatliche wie private – Datenkraken horchen uns aus – für ihre Zwecke und zu unserem Schaden.

Wir uns selbst und gegenseitig

Die perfideste Art der Überwachung jedoch betreiben wir selbst.
Nicht nur, dass wir uns gegenseitig überwachen, sei es über Kurznachrichtendienste, die mitteilen, wann das Nachrichten-Gegenüber das letzte Mal aktiv war.
Oder über Plattformen wie Nextdoor, in der wir unsere eigenen Videoüberwachungskameras einhängen können.
Nein, wir treiben es noch auf die Spitze und überwachen uns selbst.
Wir vermessen unseren Puls, wir lassen unsere Schritte zählen, wir tracken unser Schlafverhalten.
Wir kontrollieren und bewerten uns selbst, bis wir nichts weiter mehr sind als Zahlen in einer Statistik.
Und die laden wir dann auch noch auf einen obskuren Server hoch, damit unsere Versicherungen und unsere Krankenkassen diese Daten alle aufbereiten und korrelieren können.

Nun, nach diesem Parforceritt durch die Überwachung habe ich noch eine Gute Nachricht zum Abschluss:
Wer uns wirklich nicht überwacht ist Mutter Natur und da sollten wir bei diesem schönen Wetter auch sein ?

Wer überwacht uns…und warum?

Ich glaube, dass uns ein Blick darauf, wer uns überwacht und welche Gründe er dafür aufs Tapet heften kann, helfen kann, die ganze Überwachungs-Arie gelassener anzugehen.
In meinem Augen ist diese ganze Überwachungsnummer – gelinde gesagt – zum Kotzen und einer freiheitlich orientierten Gesellschaft wie der unseren vollkommen unwürdig.
Daher stelle ich hier meine Sichtweise auf die verschiedenen Gegenspieler im Überwachungsspiel vor.

Vater Staat und seine Handlanger

Hier betrachte ich jetzt nicht nur unseren Vater Staat im beschaulichen Deutschland, sondern hebe meinen Blick über den Tellerrand nationaler und geographischer Grenzen.
Da beginne ich auch gleich bei unseren transatlantischen Freunden mit ihrem Auslandsgeheimdienst, der National Security Agency (NSA).
Diese haben, wie wir seit den Veröffentlichungen von Edward Snowden wissen, die Messlatte was Überwachung angeht schon mal ordentlich hoch gelegt.
Um dem PRISM-Programm der NSA überwachungstechnisch das Wasser zu reichen, muss ein Datenschnorchelsystem schon ordentlich in die Trickkiste greifen. Denn PRISM greift sich Daten aus so unwichtigen Bereichen wie E-Mail, Social-Media-Plattformen, Cloudspeichern, Chatsystemen, IP-Telefonie, Videokonferenz-Systemen und weiteren Sonderwünschen ab.
Kurz gefasst wird bei PRISM alles digital kommunizierte erfasst, was nicht bei drei auf den kryptographisch geschützten Bäumen ist.
Also das ist schon mal eine ganz schöne Packung.
Und warum tun sie das?
Na, damit wir ruhiger schlafen können und die bösen Terroristen uns nicht alle heimlich im Schlaf überfallen und wahlweise töten, in Angst und Schrecken versetzen oder uns ihr vermeintlich richtiges Regime aufoktroyiren.
Hmm…seltsam, wo ich jetzt so formuliere…tun das die Machthaber hinter PRISM nicht auch?
Nein, nein, da muss ich mich irren, denn die sind ja die Guten.
Auf jeden Fall halte ich jemanden, der eine Rund-um-die-Uhr und Überall-Überwachung für alle Teilnehmer an digitaler Kommunikation aufsetzt, durchführt und verantwortet für einen Fall für die Klapse.
Egal aus welch fadenscheinigem Grund man dies anzettelt und durchführt.
Nationale Sicherheit hin und Terrorabwehr her.
Meiner Meinung nach haben wir schon verloren, wenn wir in einer solchen Welt unter solch einer digitalen Totalüberwachung leben.
Dann rücke ich in meiner weiteren Betrachtung den Fokus auf Europa.
Hier schaffen es tatsächlich unsere royalen Freunde von den Britischen Inseln dem Überwachungsprogramm aus ihrer ehemaligen transatlantischen Kolonie doch noch den Rang abzulaufen.
Die Geheimdienstaktion Tempora des Government Communications Headquarters, kurz GCHQ, schafft es laut Abschätzungen whistleblowender Quellen ungefähr 40 Milliarden Datensätze pro Tag aus den Unterseekabeln herauszusaugen.
Auch bei dieser im Umfang noch umfassenderen Überwachungsaktion der global-galaktischen Digitalkommunikation wird wieder das Wohl und Wehe der – westlichen – Welt als Grund vorgeschoben.
Naja, ich wiederhole mich, wenn ich sage:
Unter totaler Überwachung und in Angst zu leben, ist nicht das, was ich unter einem Leben in Freiheit verstehe.
Richte ich meine Aufmerksamkeit auf unseren eigenen sicheren Hafen demokratischer Freiheit.
Betrachte ich zunächst den Bundesnachrichtendienst (BND), unseren bundeseigenen Auslandsgeheimdienst.
Auch dieser möchte am allgemeinen Überwachungsspiel teilnehmen.
Dafür wurde hier jedoch kein eigenes – bisher bekannt gewordenes – Überwachungswerkzeug geschaffen.
Dafür diente und dient weiterhin der BND als williger Datenlieferant für die NSA und GCHQ.
Darüber hinaus fremdfischte der BND auch noch im Inland und zapfte fröhlich den weltweit größten Netzknoten für den Internetverkehr, den DE-CIX in Frankfurt am Main an.
Herzlichen Glückwunsch, sage ich dazu.
Schämt ihr euch nicht?
Ich tu es jedenfalls.
Habt ihr denn gar nix aus der Geschichte gelernt?
Reichen zwei denunzierende und volksüberwachende Regime mit Überwachungs- und Unterdrückungswerkzeugen wie Gestapo und Stasi nicht aus, um einfach mal so viel Arsch in der Hose zu haben und zu sagen:
Nein, wir überwachen unsere (oder andere) Bevölkerung nie wieder!
Widerlich, armselig, das halte ich davon.
Armselig, das ist auch das, was mir zu der Überwachungsmethodik der deutschen Polizeibehörden durch die Vorratsdatenspeicherung einfällt.
Armselig finde ich es zum einen, dass wir alle damit einfach mal unter Generalverdacht gestellt werden.
Armselig finde ich weiterhin, es nochmals mit einer bereits schon einmal gescheiterten Methode zu versuchen.
Mir fällt dazu Albert Einstein ein:
Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
Auch die Vorratsdatenspeicherung wird uns kein Stück mehr Sicherheit bringen.
Was sie uns mit Sicherheit bringt:
mehr Kontrolle und Überwachung – zwei Zustände, die ich für mich nicht mit einem Leben in einer freiheitlichen Gesellschaft in Einklang bringen kann.

Datenkraken und ihre konsumgeilen Ausläufer

Neben dem staatlichen Überwachungs- und Kontrollirrsinn gibt es zusätzlich noch private Datensammler, -schnüffler und -verarbeiter.
Das sind die Googles, Facebooks und weitere wie widerliche Eitergeschwüre der digitalen Entwicklung erwachsende Unternehmen.
Diese spiegeln uns nicht die vermeintliche Verbesserung unserer Sicherheit vor – sondern unseren eigenen wirtschaftlichen Vorteil – unter diesem Deckmäntelchen steckt natürlich auch hier nur ihre grenzenlose Datensammelgier.
Auch die dazugehörigen Methoden unterscheiden sich von denen, die bei staatlicher Überwachungswut Verwendung findet.
Wo die einen im Verborgenen agieren, da geben wir den privaten Datenkraken unsere Daten freiwillig, bereitwillig gar, für ein paar armselige Rabattpunkte oder ein wenig Online-Reputation her.
Das “warum?” ist ein anderes – das “wie?” mittlerweile nicht mehr.
Beide – staatliche wie private – Datenkraken horchen uns aus – für ihre Zwecke und zu unserem Schaden.

Wir uns selbst und gegenseitig

Die perfideste Art der Überwachung jedoch betreiben wir selbst.
Nicht nur, dass wir uns gegenseitig überwachen, sei es über Kurznachrichtendienste, die mitteilen, wann das Nachrichten-Gegenüber das letzte Mal aktiv war.
Oder über Plattformen wie Nextdoor, in der wir unsere eigenen Videoüberwachungskameras einhängen können.
Nein, wir treiben es noch auf die Spitze und überwachen uns selbst.
Wir vermessen unseren Puls, wir lassen unsere Schritte zählen, wir tracken unser Schlafverhalten.
Wir kontrollieren und bewerten uns selbst, bis wir nichts weiter mehr sind als Zahlen in einer Statistik.
Und die laden wir dann auch noch auf einen obskuren Server hoch, damit unsere Versicherungen und unsere Krankenkassen diese Daten alle aufbereiten und korrelieren können.

TL;DR

  • Datensaugen für den Terrorschutz: NSA, GCHQ, BND und Polizei
  • Datenkraken aus Profitgier: Unternehmerische Datengier
  • Selbst ist der Überwacher: Kalorienzählen für die Cloud

Nun, nach diesem Parforceritt durch die Überwachung habe ich noch eine Gute Nachricht zum Abschluss:
Wer uns wirklich nicht überwacht ist Mutter Natur und da sollten wir bei diesem schönen Wetter auch sein 🙂

Ich hab gar nix mitbekommen – Kurznachrichten und Aufmerksamkeit

Warum habe ich eigentlich ständig den Drang, der gesamten virtuellen Weltgeschichte meine aktuelle Befindlichkeit mitzuteilen?
Worin liegt für mich der Vorteil, wenn ich alle sieben Minuten meine zu diesem Zeitpunkt wesentlichen 140 Zeichen Gemütszustände poste?
Diese und drei weitere Fragen will ich in diesem Artikel betrachten und möglicherweise auch näher beleuchten.

Warum lass ich mich eigentlich immer ablenken?

Ach, was habe ich gerade gesagt, tschuldige, ich musste kurz was simsen (gibt es schon ein eigenes Verb für „Eine Nachricht mit WhatsApp verschicken„?
Heißt das “whatsappen”?.
Falls ja und falls ernsthaft in Betracht gezogen wird, dies in den Duden aufzunehmen, sehe ich schwarz für die abendländische Sprachkultur).
Die Angst, den informatorischen Anschluss zu verlieren, treibt meiner Meinung nach viele Nutzer in eine Art pawlowschen Reflex, der durch den Kurznachrichten-Signalton ausgelöst wird und nicht in erhöhtem Speichelfluss, sondern unwillkürlichem beantworten der eben eingetroffenen Nachricht führt.
Egal ob ich gerade ein Hemd bügle, eine angeregte Unterhaltung oder ein Fahrzeug führe.
In jedem Fall führt dieses Verhalten zu Verärgerung (ein Loch ins Hemd gebrannt), Missmut (die angeregte Unterhaltung für einen virtuellen geistigen Leerstand unterbrochen) oder Tod (dummerweise mit 240 km/H in den warnblinkenden 40-Tonner vor mir gerast).
Ich frage mich, ob unserer digitalisierten Gesellschaft das, was sie im Moment tut, zu langweilig ist und wir uns aus diesem Grund so gern ablenken lassen.
Es liegt wohl auch an den kleinen, leicht verdaulichen 140 Zeichen Information, die da pro Nachricht auf mich zukommen.
Darin lassen nur schwerlich längere und komplexere Gedanken formulieren.
Genau dies scheint mir auch der Grund dafür zu sein, dass wir uns so bereitwillig von diesen 140 Zeichen leichtverdaulichem Inhalt ablenken lassen:
Es ist etwas, das uns von der öden Realität, in der wir gerade stecken, ablenkt und uns eine kurze Flucht weg vom Hier ermöglicht.
Egal wohin.
Ganz schön traurig, finde ich.
Dieser Gedanke führt mich zu der Frage:

Wo bin ich eigentlich, wenn ich kurznachrichte?

Ich habe immer das Gefühl, Menschen (zum Glück hat sich das kurznachrichten mittels Funkgeige bei Hunden und Kaninchen noch nicht durchgesetzt), die durch die Gegend whatsappen (lautmalerisch gefällt mir dieses Wort: es liegt irgendwo zwischen würgen und stolpern), tun genau dieses:
sie würgen sich ein paar schnell getippte Zeichen aus den Fingern, um dann zu vermeiden, über die eigenen Füße oder gegen den nächsten Laternenmast zu stolpern.
Sie sind weder hier (auf dem Weg durch einen Park, in einem Café oder auf ihrem Fahrrad oder am Steuer ihres – für diese Aktion viel zu schnellen – Autos) noch sind sie beim zeichenwürgenden und kommunikationsverstolperten Gegenpart (ich mag es nicht Kommunikationspartner nennen, denn das ist keine Kommunikation, die hier stattfindet).
Diese armen, unbewussten Kurznachrichter, wo sind sie denn?
Möglicherweise im Fegefeuer ihrer eigenen digital präsentismus-gesteuerten Eitelkeiten. Irgendwo zwischen nicht mehr ganz Hier aber auch noch nicht ganz Dort.
Ihr habt mein Mitgefühl.
Ich wünsche euch einen plötzlichen Akkuausfall, vielleicht macht es alles eine Zeit lang (bis zur nächsten Steckdose) ein wenig bewusster 😉

Kurznachrichten fragmentieren das Denken

Die ständige –Düdelüt!– aufmerksamkeitsheischende, Wichtigkeit –Düdelüt!– simulierende Datenflut, mit der –Düdelüt!– uns die Kurznachrichtigkeit (vielleicht sollten wir uns hier auf den Begriff “Kurzunwichtigkeit” –Düdelüt!– einigen) durchschnittlich alle dreizehn Minuten (so hat es Alexander Markowetz mit seinem Menthal-Projekt herausgefunden) aus unserer –Düdelüt!– Aufmerksamkeit herausreißt –Düdelüt!Düdelüt!– finde ich schon erschreckend.
(Anmerkung des Autors: Ganz schön –Düdelüt!– ätzend, wenn so –Düdelüt!– die Aufmerksamkeit ständig unterbrochen –Düdelüt!– wird 🙂 )
Wir kommen einfach nicht in den Flow, den unser Gehirn braucht, um konzentriert und kreativ zu arbeiten.

Multitasken funktioniert nicht – mach das eine oder das andere.

Um gleich noch mit einer anderen uns so sorgsam angefütterten Mär aufzuräumen, die gerne auch im Zusammenhang mit kurznachrichtlicher Datenvermüllung angebracht wird: Multitasking.
Ich kann doch locker ne Simse schicken, während ich – zugegebenermaßen freisprachlich – telefoniere, mir einen Burger zwischen die Kiemen zerre und mit 280 Sachen Mittelklasseautos von der linken Spur jage.
Nein, kannst du nicht.
Kann niemand.
Ist Blödsinn.
Niemand kann multitasken.
Männer nicht, Frauen nicht.
Und Computer simulieren es nur durch mehrere Prozessoren.
Miriam Meckel spricht dieses Thema in Ihrem Buch “Das Glück der Unerreichbarkeit” ebenfalls an – und findet für diesen Standpunkt ebenfalls noch weitere überzeugende Argumente.
Wir sind Menschen.
Wir können – wenn wir uns konzentrieren und nicht abgelenkt werden – eine Sache gleichzeitig machen.
Wir sollten nicht versuchen etwas zu imitieren, was einfach nicht in unserer Natur liegt.
Mach das Eine. Mach das bewusst und aufmerksam.
Und dann mach das Andere.
Wenn du versuchst beides gleichzeitig zu machen, schaffst du eines ganz sicher:
nämlich keines der beiden Dinge richtig.

Kann ich etwas tun? Was kann ich tun?

Klar kannst du etwas tun.
Nämlich genau eine Sache.
Ich sage nicht: Kurznachrichte nicht.
Ich sage: Kurznachrichte bewusst.
Bleib stehen, wenn du eine Kurznachricht liest oder schreibst.
Es erhöht deutlich die Qualität deiner Inhalte und es erhöht deutlich die Qualität deines Erlebens.
Vielleicht erhöht es auch die Qualität deines Lebens, wenn du mit 280 Sachen auf der Autobahn unterwegs bist.
Überleg dir bewusst, was du schreiben willst.
Schreib nicht bloß als pawlowscher Reflex.
Schreibe, weil du etwas zu schreiben hast.
Gönne dir Pausen.
Schreib nicht immer.
Lass dich in den Flow kommen und schalte deine digitale Bedrohung auch mal aus.
Wenn du dir Zeiten setzt, in denen du mal nicht gestört wirst, dann wird dein Erleben deiner aktuellen Tätigkeit deutlich besser werden.
Auch hier sage ich nicht: Schreibe keine Kurznachrichten.
Ich sage: Schreibe zu festgelegten Zeiten.
Es geht bei deinen Inhalten nicht um zeitkritische Dinge, sowas solltest du sowieso nicht per Kurznachrichtendienst übermitteln, denn es ist keine Echtzeitkommunikation und die Illusion von Sofortnachrichten ist eben nur eine Illusion.
Die Nachricht kann einfach mal irgendwo hängen bleiben.
Wenn du jemand sofort erreichen willst, ruf an!

TL;DR

  • Wieder nicht aufgepasst: Warum lass ich mich ablenkenn
  • Heute hier, morgen dort: Wo bin ich eigentlich, wenn ich kurznachrichte?
  • Ich kann mich nicht konzentrieren: Kurznachrichten fragmentiert das Denken
  • Alles zeitgleich ist gleichzeitig nichts richtig: Multitasking funktioniert nicht
  • Was tun? Was lassen? – Welche Wege führen aus dem Kurznachrichtenirrsinn?

Und jetzt lest mal zur Abwechslung ein paar gute Bücher (bzw. Essays) zu dem Thema:

Ich hab gar nix mitbekommen – Kurznachrichten und Aufmerksamkeit

Warum habe ich eigentlich ständig den Drang, der gesamten virtuellen Weltgeschichte meine aktuelle Befindlichkeit mitzuteilen?
Worin liegt für mich der Vorteil, wenn ich alle sieben Minuten meine zu diesem Zeitpunkt wesentlichen 140 Zeichen Gemütszustände poste?
Diese und drei weitere Fragen will ich in diesem Artikel betrachten und möglicherweise auch näher beleuchten.

TL;DR

  • Wieder nicht aufgepasst: Warum lass ich mich ablenkenn
  • Heute hier, morgen dort: Wo bin ich eigentlich, wenn ich kurznachrichte?
  • Ich kann mich nicht konzentrieren: Kurznachrichten fragmentiert das Denken
  • Alles zeitgleich ist gleichzeitig nichts richtig: Multitasking funktioniert nicht
  • Was tun? Was lassen? – Welche Wege führen aus dem Kurznachrichtenirrsinn?

Warum lass ich mich eigentlich immer ablenken?

Ach, was habe ich gerade gesagt, tschuldige, ich musste kurz was simsen (gibt es schon ein eigenes Verb für „Eine Nachricht mit WhatsApp verschicken„?
Heißt das “whatsappen”?.
Falls ja und falls ernsthaft in Betracht gezogen wird, dies in den Duden aufzunehmen, sehe ich schwarz für die abendländische Sprachkultur).
Die Angst, den informatorischen Anschluss zu verlieren, treibt meiner Meinung nach viele Nutzer in eine Art pawlowschen Reflex, der durch den Kurznachrichten-Signalton ausgelöst wird und nicht in erhöhtem Speichelfluss, sondern unwillkürlichem beantworten der eben eingetroffenen Nachricht führt.
Egal ob ich gerade ein Hemd bügle, eine angeregte Unterhaltung oder ein Fahrzeug führe.
In jedem Fall führt dieses Verhalten zu Verärgerung (ein Loch ins Hemd gebrannt), Missmut (die angeregte Unterhaltung für einen virtuellen geistigen Leerstand unterbrochen) oder Tod (dummerweise mit 240 km/H in den warnblinkenden 40-Tonner vor mir gerast).
Ich frage mich, ob unserer digitalisierten Gesellschaft das, was sie im Moment tut, zu langweilig ist und wir uns aus diesem Grund so gern ablenken lassen.
Es liegt wohl auch an den kleinen, leicht verdaulichen 140 Zeichen Information, die da pro Nachricht auf mich zukommen.
Darin lassen nur schwerlich längere und komplexere Gedanken formulieren.
Genau dies scheint mir auch der Grund dafür zu sein, dass wir uns so bereitwillig von diesen 140 Zeichen leichtverdaulichem Inhalt ablenken lassen:
Es ist etwas, das uns von der öden Realität, in der wir gerade stecken, ablenkt und uns eine kurze Flucht weg vom Hier ermöglicht.
Egal wohin.
Ganz schön traurig, finde ich.
Dieser Gedanke führt mich zu der Frage:

Wo bin ich eigentlich, wenn ich kurznachrichte?

Ich habe immer das Gefühl, Menschen (zum Glück hat sich das kurznachrichten mittels Funkgeige bei Hunden und Kaninchen noch nicht durchgesetzt), die durch die Gegend whatsappen (lautmalerisch gefällt mir dieses Wort: es liegt irgendwo zwischen würgen und stolpern), tun genau dieses:
sie würgen sich ein paar schnell getippte Zeichen aus den Fingern, um dann zu vermeiden, über die eigenen Füße oder gegen den nächsten Laternenmast zu stolpern.
Sie sind weder hier (auf dem Weg durch einen Park, in einem Café oder auf ihrem Fahrrad oder am Steuer ihres – für diese Aktion viel zu schnellen – Autos) noch sind sie beim zeichenwürgenden und kommunikationsverstolperten Gegenpart (ich mag es nicht Kommunikationspartner nennen, denn das ist keine Kommunikation, die hier stattfindet).
Diese armen, unbewussten Kurznachrichter, wo sind sie denn?
Möglicherweise im Fegefeuer ihrer eigenen digital präsentismus-gesteuerten Eitelkeiten. Irgendwo zwischen nicht mehr ganz Hier aber auch noch nicht ganz Dort.
Ihr habt mein Mitgefühl.
Ich wünsche euch einen plötzlichen Akkuausfall, vielleicht macht es alles eine Zeit lang (bis zur nächsten Steckdose) ein wenig bewusster ?

Kurznachrichten fragmentieren das Denken

Die ständige –Düdelüt!– aufmerksamkeitsheischende, Wichtigkeit –Düdelüt!– simulierende Datenflut, mit der –Düdelüt!– uns die Kurznachrichtigkeit (vielleicht sollten wir uns hier auf den Begriff “Kurzunwichtigkeit” –Düdelüt!– einigen) durchschnittlich alle dreizehn Minuten (so hat es Alexander Markowetz mit seinem Menthal-Projekt herausgefunden) aus unserer –Düdelüt!– Aufmerksamkeit herausreißt –Düdelüt!Düdelüt!– finde ich schon erschreckend.
(Anmerkung des Autors: Ganz schön –Düdelüt!– ätzend, wenn so –Düdelüt!– die Aufmerksamkeit ständig unterbrochen –Düdelüt!– wird ? )
Wir kommen einfach nicht in den Flow, den unser Gehirn braucht, um konzentriert und kreativ zu arbeiten.

Multitasken funktioniert nicht – mach das eine oder das andere.

Um gleich noch mit einer anderen uns so sorgsam angefütterten Mär aufzuräumen, die gerne auch im Zusammenhang mit kurznachrichtlicher Datenvermüllung angebracht wird: Multitasking.
Ich kann doch locker ne Simse schicken, während ich – zugegebenermaßen freisprachlich – telefoniere, mir einen Burger zwischen die Kiemen zerre und mit 280 Sachen Mittelklasseautos von der linken Spur jage.
Nein, kannst du nicht.
Kann niemand.
Ist Blödsinn.
Niemand kann multitasken.
Männer nicht, Frauen nicht.
Und Computer simulieren es nur durch mehrere Prozessoren.
Miriam Meckel spricht dieses Thema in Ihrem Buch “Das Glück der Unerreichbarkeit” ebenfalls an – und findet für diesen Standpunkt ebenfalls noch weitere überzeugende Argumente.
Wir sind Menschen.
Wir können – wenn wir uns konzentrieren und nicht abgelenkt werden – eine Sache gleichzeitig machen.
Wir sollten nicht versuchen etwas zu imitieren, was einfach nicht in unserer Natur liegt.
Mach das Eine. Mach das bewusst und aufmerksam.
Und dann mach das Andere.
Wenn du versuchst beides gleichzeitig zu machen, schaffst du eines ganz sicher:
nämlich keines der beiden Dinge richtig.

Kann ich etwas tun? Was kann ich tun?

Klar kannst du etwas tun.
Nämlich genau eine Sache.
Ich sage nicht: Kurznachrichte nicht.
Ich sage: Kurznachrichte bewusst.
Bleib stehen, wenn du eine Kurznachricht liest oder schreibst.
Es erhöht deutlich die Qualität deiner Inhalte und es erhöht deutlich die Qualität deines Erlebens.
Vielleicht erhöht es auch die Qualität deines Lebens, wenn du mit 280 Sachen auf der Autobahn unterwegs bist.
Überleg dir bewusst, was du schreiben willst.
Schreib nicht bloß als pawlowscher Reflex.
Schreibe, weil du etwas zu schreiben hast.
Gönne dir Pausen.
Schreib nicht immer.
Lass dich in den Flow kommen und schalte deine digitale Bedrohung auch mal aus.
Wenn du dir Zeiten setzt, in denen du mal nicht gestört wirst, dann wird dein Erleben deiner aktuellen Tätigkeit deutlich besser werden.
Auch hier sage ich nicht: Schreibe keine Kurznachrichten.
Ich sage: Schreibe zu festgelegten Zeiten.
Es geht bei deinen Inhalten nicht um zeitkritische Dinge, sowas solltest du sowieso nicht per Kurznachrichtendienst übermitteln, denn es ist keine Echtzeitkommunikation und die Illusion von Sofortnachrichten ist eben nur eine Illusion.
Die Nachricht kann einfach mal irgendwo hängen bleiben.
Wenn du jemand sofort erreichen willst, ruf an!

Und jetzt lest mal zur Abwechslung ein paar gute Bücher (bzw. Essays) zu dem Thema:
Miriam Meckel, Das Glück der Unerreichbarkeit
Alexander Markowetz, Digitaler Burnout
* Rolf Dobelli, Vergessen Sie die News!