Anarchische Ideen zum Daten sparen

Warum postuliere ich hier anarchische Ideen zum Daten sparen?
Nun, es geht mir hier um die digitale Selbstverteidigung unserer Privatsphäre und dazu müssen wir selbst aktiv werden.
Ich rufe einfach dazu auf, dass wir uns selbst – ganz ohne uns auf eine übergeordnete Hierarchie zu verlassen – bemühen, regulieren und Gedanken machen: anarchisch eben 🙂

Ein kurzer Exkurs: Was ist Anarchie?

Im Gegensatz zu der landläufigen Meinung bei Anarchie handele es sich um den Zustand gesellschaftlicher Unordnung und Gewaltherrschaft, ist Anarchie der Zustand von Abwesenheit von Herrschaft und Hierarchien.
Obendrein halte ich es für notwendig, einen anderen Blick auf die Schwierigkeiten zu werfen, als den Blick, den uns die Schwierigkeitenauslöser uns glauben machen wollen.
Ich lehne mich bei der Wahl Anarchie als Mittel zur Lösung der privatsphärenzerstörenden Probleme an die Worte von Albert Einstein an:
„Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben.“

Datensouveräner Ungehorsam

Da ich ja hier auf die individuelle Selbstbestimmung unserer Daten gegenüber der Datenkraken abziele, spreche ich hier mal nicht von zivilem Ungehorsam, sondern von datensouveränem Ungehorsam.
Um es mit Johann Gottfried Seume zu sagen:
„Unbedingter Gehorsam ist kein Gedanke unter vernünftigen Wesen. Wo mich jemand nach seiner Willkür brauchen kann, bin ich ihm keinen Gehorsam schuldig, das geht aus der moralischen Natur des Menschen hervor.“
Und die Datenkraken verwenden unsere Daten – und damit uns – nach ihrer Willkür. Und dem will ich entgegenwirken!
Der große Oscar Wilde geht sogar noch einen Schritt weiter und betrachtet den Ungehorsam sogar als die ursprünglichste aller Tugenden:
„Ungehorsam ist für jeden, der die Geschichte kennt, die eigentliche Tugend des Menschen. Durch Ungehorsam entstand der Fortschritt, durch Ungehorsam und Aufsässigkeit.“
Darum rufe ich dir zu, lieber Leser: sei ungehorsam!
Aber was, so fragst du, können wir an dieser Stelle tun?
Dazu habe ich die folgenden – ungehorsamen – Ideen.

Verweigere die Datenherausgabe

  • Fülle nicht jedes Formular aus.
  • Lass alle Felder leer, die leer gelassen werden können.
  • Gib “leere” Daten an, wo es geht!

Was meine ich mit “leeren” Daten?
Gib ein Leerzeichen ein, oder einfach irgend ein beliebiges Zeichen wie ein Minus, ein Komma oder einfach einen Punkt.
Alles in allem: gib ein Statement ab, anstelle deiner Daten 😉

Übe dich in Selbstbeschränkung

Sei geheimnisvoll und kein offenes Buch.
Du bleibst interessanter, wenn nicht die ganze Welt (und vor allem die Datenkraken) nicht alles über dich wissen.
Ja, die Datenkraken vermitteln uns eine andere Sichtweise.
Sie sagen, sie können uns besser helfen, wenn sie uns besser kennenlernen, daher sollen wir möglichst viel über uns preisgeben.
Aber das ist gelogen.
Sie können nicht uns besser helfen, wenn sie mehr über uns wissen.
Sie können sich selbst damit besser helfen.

Lege temporäre E-Mail Adressen an

Nutze für unterschiedliche Online-Dienste, Online-Shops und Plattformen unterschiedliche, möglichst nur kurzfristig verfügbare E-Mail Adressen.
Diese sollten auch im gewählten Namen keinen Hinweis auf deinen social engineerbaren Kontext liefern.
Diese Maßnahme erschwert für die Datenkraken die Profilerstellung über dich.

Erzeuge keinen Müll

Diese Idee ist so klar und einfach, wie sie hilfreich ist.
Wenn du keinen Müll produzierst, muss du dir auch keine Sorgen machen musst, dass irgendwann radioaktiver Datenmüll über dich auftaucht und dir dein Leben ruiniert.

Hilfreich? Freundlich? Wahr?

Nutze einen einfachen Filter, den du für dich verwendest, bevor du etwas postest, das hilft dir dabei radioaktiven Datenmüll und viel Ungemach zu vermeiden.
Frage dich einfach, ob das Bild, Zitat, Statusupdate, welches du der dankbaren Welt teilhaftig werden lassen willst, ob du alle der folgenden drei Fragen klar mit einem Ja! beantworten kannst.
Falls nicht, tue der Welt und dir einen Gefallen und poste es NICHT.

  1. Ist es hilfreich?
  2. Ist es freundlich?
  3. Ist es wahr?

TL;DR

  • Was ist Anarchie?
  • Sei tugendhaft: nutze datensouveränen Ungehorsam.
  • Gib keine oder nur die unbedingt notwendigen Daten heraus.
  • Selbstbeschränke dich in deiner Datenpreisgabe.
  • Nutze temporäre E-Mail Adressen als Maßnahme gegen Profilerstellung.
  • Verursache kein Daten-Tschernobyl.
  • Denken und Filtern, dann gegebenenfalls posten – niemals andersum!

Und nun, lieber Leser, hinaus in die Natur!