Was ich tun kann, wenn die Datenkraken mir an die Daten gehen wollen

Schutz meiner Privatsphäre durch Datensparsamkeit – schön, aber wie soll ich das machen?
In jedem Formular werden doch – meistens mehr als notwendig – Daten von mir eingefordert, meistens auch in Form von “Pflichtfeldern” (ob diese Felder sinnvoll sind für die Erbringung der Dienstleistung ist dabei mehr als zweifelhaft).
Und was tun wir jetzt?

TL;DR

  • die Realität biegen
  • nichts
  • endlich mal Nein! sagen
  • folge nicht jedem Trend

Sei rebellisch

“When they kick at your front door
How you gonna come?
With your hands on your head
Or on the trigger of your gun”
The Clash, Guns Of Brixton

Damit habe ich doch mal die Position, die ich hier verteidigen will, klar gemacht:
Die Datenkraken wollen mir mit ihrem datengierigen Formular die Eingangstür zu meiner Privatsphäre eintreten.
Jetzt habe ich die Wahl, ergebe ich mich und händige ihnen meine Daten und damit mich aus, oder setze ich mich zur Wehr?
Mir hilft es, wenn mein innerer Rebell mir diese Zeilen von The Clash nochmal vorsummt, denn  dann bin in der richtigen Stimmung (rebellisch und eben nicht unterwürfig) um diesem Formular so zu begegnen, wie dies es eben verdient hat:
freundlich, selbstbestimmt und kreativ.
Damit komme ich zu meinem ersten Rezept für datengierige Formulare:

Sei kreativ bei “Pflichtfeldern”

Die meisten Felder, die ein Datenkrake (Oder müsste es Datenkraken heißen?
Vom mythologischen Kraken.
Das passt besser, finde ich) abgreifen will, sind für die angefragte Dienstleistung vollkommen unerheblich und tragen nur zum Datenhort eben jenes Kraken bei.
Ein Streaming-Dienst braucht halt deine Postanschrift nicht.
Und eine Fluggesellschaft braucht deine Telefonnummer nicht, schließlich hat sie ja schon deine E-Mail Adresse.
Deswegen, übe dich in deiner schriftstellerischen Kreativität und lass deiner Fantasie freien Lauf.
Halte dich an Johann Nepomuk Nestroy, der es folgendermaßen formulierte:

“Nur eine lebhafte Einbildungskraft muss man haben, die muss aber schon verflucht lebhaft sein, nachher is es recht angenehm auf der Welt.”

Einfach mal nichts sagen

“Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
Schweige o Mensch und iss.”

Wilhelm Raabe bringt es hier trefflich auf den Punkt, wie wir uns noch vor der Datengier der Kraken schützen können.
Gib keine Daten an.
Nichts anzugeben lässt die Datensammler gänzlich im Dunklen, was dein Profil angeht.
Wo sie bei falschen Daten noch etwas haben, mit dem sie ihre Profile füttern können, so lässt digitales Schweigen sie gänzlich im Unklaren.
Daher “schweige o Mensch”.
Wo immer es möglich ist, gib gar keine Daten preis.
Widerstehe der unterschwelligen Aufforderung, du müsstest deine Daten dankbar und freiwillig den Datenkraken in ihre gierigen Fangarme werfen.
Folge dem Aufruf der Sex Pistols

“No Future For You!”

und formuliere daraus ein

“No Data For You!”

(vielleicht noch ein leises “Up Yours!” hinterher denken und zwei Finger hochstrecken).

Wir müssen wieder lernen Dinge in Frage zu stellen

“Lass dir von keinem Fachmann imponieren, der dir erzählt: ‘Lieber Freund, das mache ich schon seit zwanzig jahren so!’ – Man kann eine Sache auch zwanzig Jahre lang falsch machen.”
Kurt Tucholsky

Immer nur nicken und gedankenlos seine Daten jedem Datensammler hinterher zu tragen führt halt zwangsläufig in den Bankrott der eigenen Privatsphäre.
Auch wenn wir zwanzig Jahre lang treu unsere Daten zu diesem und jenem Kundenvorteilsprogramm getragen haben – sei es Payback oder ein anderer Seelen…äh…Datenhändler, irgendwann wird es für uns einfach mal Zeit “Nein!” zu sagen!
Auch wenn diese vermeintlichen Bonusprogramme uns immer einreden wollen, sie tun uns etwas Gutes – lieber Mensch, werde dir gewahr, dass sie dir einfach schon immer das Falsche erzählt haben.
Sie tun sich etwas Gutes – nämlich deine Daten.
Was du davon hast ist Gram, Jammer und einfach bald keine Privatsphäre mehr.

Treib nicht jede Sau durchs Dorf

  • Lerne selektiv zu sein.
    Du musst nicht an jeder neuen Plattform, an jedem neuen Online-Dienst mitmachen.
    Du verteilst damit einfach immer weiter deine Daten und die Möglichkeit, dass damit ein noch umfassenderes Profil von dir erstellt wird, steigt immer mehr.
    Vor allem kannst du wohl stark davon ausgehen, dass wenn die neue Sau die gerade durch das globale Dorf gejagt wird, erfolgreich ist, wird sie doch eines Tages von einer der bereits etablierten großen Sauen gefressen – und damit landet noch ein weiterer Baustein für dein Profil in einem der bestehenden Datenpfründe und erweitert diesen noch mehr.

Und jetzt, anstatt dich hier mühsam mit einem weiteren Formular quälen und deine Privatsphäre dadurch gefährden, schau einfach dem Schneetreiben zu!