Datensparsamkeit, Tao und Anarchie – Das hilft beim Schutz der Privatsphäre

Unsere Privatsphäre schützen wir effektiv dadurch, dass wir sie eben nicht freiwillig preisgeben. Das ist eine ganz simple Sichtweise, nur ist sie für viele gar nicht so simpel umzusetzen. Wir sind mittlerweile einfach so sehr daran gewöhnt worden, dass wir unsere Daten freiwillig – und dazu noch gerne – hergeben.
Und gerade dadurch setzen wir einen Großteil unserer Privatsphäre aufs Spiel: indem wir unsere Daten ganz ohne Zwang, ohne Überwachung von außen abgeben.

  • Einfach aus uns heraus.
  • Weil Daten hergeben so toll ist.
  • Weil ich doch nix zu verbergen habe.
  • Weil doch die ganze Welt (oder zumindest meine 3875 “Freunde”) unbedingt wissen muss, wo ich gestern um 23:36 Uhr war.

Hier spielt die Überwachung durch Datenkraken noch gar keine Rolle.
Und wenn wir nicht gerade Edward Snowden sind (und das sind – zum Glück – die wenigsten), dann spielen an dieser Stelle auch die Geheimdienste nur eine untergeordnete Rolle.Die Daten, welche die Geheimdienste hier abgreifen, ist einfach Beifang (wie ein Delphin in der Thunfischdose eben).
Die Datenkraken müssen in diesem Fall auch noch nicht einmal aktiv nach unseren Daten verlangen, denn wir schenken sie ihnen ja!

Tao und Stoa

Und was können wir nun dagegen tun?
Lassen wir ein wenig mehr Tao in unserem Leben zu!
Und wie das?
Indem wir nichts tun.
Nutzen wir das Konzept des wu wei, des Handelns durch Nicht-Handeln, für den Schutz unserer Privatsphäre.
Einfach dadurch, dass wir keine Daten über uns ausplaudern, tragen wir einen wesentlichen Teil dazu bei, dass wir unsere Privatsphäre stärken.
Dies ist ein Konzept, welches vollkommen konträr zu der entsetzlichen Aussage von Eric Schmidt steht:
„Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.“
Ich will, dass wir alle weiterhin auch die Sachen tun können, von denen wir nicht wollen, dass sie jemand erfährt (auch meine Mutter nicht, zum Beispiel, ach – Google und die ganze Geheimdienst-Blase auch nicht. Aber vor allem meine Mutter).
Ich plädiere nur dafür, dass wir nicht in einen dauerberieselnden Datenstrom verfallen und mit unseren sinnlosen Gemeinplätzen, Selbstbildnissen und geopositionierten Orientierungslosigkeiten die Datenwelt fluten und uns dabei vollkommen seelisch leeren.
Tun wir einfach öfter mehr für uns (und alle anderen!), indem wir nichts tun – was unsere Datenmiteilsamkeit angeht.
Dabei sei dir selbst genug, übe dich in Affektkontrolle und genieße den Moment in gelassener Seelenruhe:
lasst uns ein wenig stoisch werden!

Anarchy In The Data Sovereignity

Was wir auf jeden Fall im Hinterkopf behalten sollten (und uns dafür bei Gelegenheit selbst leichte Schläge auf denselben versetzen sollten), ist die Tatsache, dass wenn wir unsere Daten hergeben, wir zum einen die Herrschaft über diese Daten verlieren und zum anderen auch tatsächlich jedes Recht daran aufgeben.
Geben wir Daten über uns preis, so geben wir auch die Kontrolle über diese Daten ab.
Ich bin kein Kontroll-Freak, aber ich auch kein Freund davon, jemand anderem die Kontrolle über mich zu geben. Denn jemand der Kontrolle über meine Daten hat, hat auch leicht Kontrolle über mich.
Daher lasse ich Ton, Steine, Scherben für mich sprechen:

“Keiner hat das Recht, Menschen zu regier’n.”
You Post It – You Lose It

Dazu kommt auch noch, dass wir – rein juristisch gesehen – tatsächlich sämtliche Rechte an unseren Daten aufgeben, wenn wir diese auf unsozialen Plattformen wie Facebook posten.
So heißt es in den Nutzungsbedingungen von Facebook: “Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz)”.
(Als lustiges Bonmot am Rande: Facebook hat gar keine DatenSCHUTZrichtlinie, Facebook nennt es einfach Datenrichtlinie – das sollte uns allen doch schon einen Wink mit dem Gartenzaun geben 😉 ):
Deswegen nochmal:

  • Nix posten, was du behalten willst, sonst kann jeder damit tun, was er will.

Ja, und was beim posten noch zu beachten ist: du verlierst zwar die Rechte an deinen geposteten Inhalten, aber die Auswirkungen auf dich kleben an dir schlimmer als Zwei-Komponenten-Kleber und gar nicht so praktisch ablösbar wie die gelben Klebezettelchen 😉
Darum schließe ich heute wieder mit einem wahrem Wort von Oscar Wilde:

“Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten!”

Poste nicht so viel und genieße umso mehr – so gelingt dein Leben nebenher 😉

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