Wie unsere Privatsphäre beschränkt wird

Nachdem wir nun einige Ideen haben, warum wir unsere Privatsphäre schützen sollten, gebe ich jetzt einige Hinweise darauf, wodurch unsere Privatsphäre beschränkt wird.
Ich habe manchmal das leichte Gefühl paranoid zu sein – aber bloß weil alle hinter dir her sind, heißt das ja noch lange nicht, dass ich unter Verfolgungswahn leide ?
So ungefähr können wir uns gut die Situation vorstellen, in der wir leben – meistens ohne das wir es bewusst mitbekommen.
Aber ganz im Spaß (ernsthaft möchte ich unsere Lage wirklich nicht bewerten, sonst verliere ich noch den Spaß am Leben – und das wär wirklich blöd), wir werden schon von ganz schön vielen Seiten in unserer Privatsphäre eingeschränkt.
Es fängt beim Staat an, geht weiter über die verschiedenen Geheimdienste (und da hören wir erstaunlicherweise meistens nur von den “befreundeten” Diensten…da will ich wirklich gar nicht wissen, wie die Nachrichtendienste der “unfreundlichen” Staaten uns aushorchen), Unternehmen, die nur unser Bestes wollen (nämlich unsere Daten) und endet schließlich bei uns selbst!
Ja, das ist jetzt der Moment für betretenes Schweigen.
Letztendlich sind wir selbst unser größter Feind.
Aber dazu komme ich noch später.
Ich fange jetzt mal beim Großen an und arbeite mich dann durch bis zum Kleinen.
Allerdings ist das keine Wertung in der Reihenfolge.
Jede Form der Überwachung ist schlimm.
Die Einschränkung unserer Privatsphäre findet bei diesen unterschiedlichen Überwachern auf verschiedenen Ebenen statt, was ihnen jedoch meiner Meinung nach gemein ist (was ganz schön gemein ist [Verzeihung, ich hatte heute einen Clown zum Frühstück]), ist die Tatsache, dass alle dadurch Kontrolle über uns ausüben wollen.
Und darauf habe ich mal so überhaupt keinen Bock.
Genug der Vorrede, los gehts.

Der Staat.

Unser lieber Staat (egal welcher Couleur die aktuelle Regierung ist, da ist Rot so Schwarz wie Grün eher ins Olivegrüne und Braun auch nicht mehr von Gelb, lila gepunktet oder Grau zu unterscheiden ist), möchte unsere Daten.
Zum Terrorschutz.
Zur besseren Altersvorsorge.
Damit wir wissen, wieviele Gürteltiere so pro vermietetem Quadratmeter leben oder wo noch ein Atommüllendlager entstehen kann ohne dass zu viele Steuerhinterzieher auf die Cayman-Islands verschwinden.
Egal welches Argument dafür aus dem Fabulierlexikon der Lobbyisten gezogen wird oder welche tote Sau mal wieder durch das politische Dorf gejagt wird – es hat alles nur den Grund mehr Kontrolle über uns zu erlangen.
Und ein mehr an Kontrolle erreicht man sehr einfach durch ein weniger an Privatsphäre.
Denn: Wissen ist Macht.
Für diesen Zweck werden dann so brandgefährliche, weil vollkommen unsichere Spielzeuge wie der elektronische Ausweis oder vollkommen untaugliche und rechtswidrige Maßnahmen wie die Vorratsdatenspeicherung angeleiert.

Geheimdienste.

Unsere Freunde.
Die, die man ja nicht überwacht.
Das sind die Besten.
Vermutlich sogar die Besten der Besten der Besten, Sir!
Naja, zumindest was der Ideenreichtum und die Skrupellosigkeit bei ihrer Datenschnüffelei angeht.
Egal ob BND, NSA oder GCHQ, alle machen sie mit.
Hören unsere Telefonate ab, lesen unsere E-Mails und werten unsere Kreditkartenabrechnungen aus.
Von Privatsphäre ist da keine Rede mehr – höchstens als irgendetwas, das möglichst schnell für “den höheren Zweck”, das “Allgemeinwohl” oder die „Terrorabwehr“ geopfert werden muss.
Wir müssen halt Opfer bringen für unsere Sicherheit.
Als ob auch nur ein Terroranschlag verhindert worden wäre durch die nahezu vollkommene Überwachung dieser Maschinerie die Orwell sich nocht nicht mal in seinen wüstesten Träumen ausmalen konnte.
Dieses irrsinnige Missverhältnis von milliardenfacher Massenüberwachung um eine handvoll Terroristen zu verfolgen.
Diese Terroristen müssen Monster leviathanischen Ausmaßes sein, wenn sie bei den Geheimdiensten solche Ängste auslösen, dass hier die Privatsphäre von Milliarden Menschen geopfert wird, um so ein paar Irre zu verfolgen.

Unternehmen.

Unternehmen schränken unsere Privatsphäre von einer ganz anderen Seite her ein.
Diese werten die Daten, die sie bereits über uns besitzen aus, um daraus noch weitere Werte über uns zu berechnen.
Die Datenkraken setzen komplexe (und am Rande bemerkt höchst geheime) Algorithmen ein, um unsere Kreditwürdigkeit zu berechnen, um uns Vorschläge zu machen, was wir doch bitte als nächstes kaufen sollten, welches Lied wir jetzt am besten hören mögen, welchen Film wir gleich schauen sollten und wohin unsere nächste Urlaubsreise gehen muss.
Das tun diese unternehmerischen Gutmenschen natürlich nur für uns.
Natürlich.
Drauf gepfiffen!
Ich will das nicht!
Ich will entscheiden, was ich als nächstes esse, welches Lied ich höre, wohin und wie ich meine nächste Reise mache.
Es ist schon schlimm genug, dass sich diese, diese Datenmonster anmaßen mich zu kennen, die Vorstellung haben, mich verstanden zu haben.
Zu wissen wie ich ticke.
Ach! Ihr armen Technologie-Jünger, ihr tut mir leid!
Nichts wisst ihr.
Ihr gaukelt euren Kunden – ich will lieber sagen: euren Datenquellen – vor, ihr würdet jeden individuell behandeln.
Nein, das wollt ihr nicht.
Ihr wollt, dass alle gleich sind, denn dadurch steigt euer Profit nämlich viel besser.

Wir selbst.

Endlich bin ich beim Kern unserer Beschränkung angekommen.
Es ist eine Selbstbeschränkung, nein eine Selbstverstümmelung gar.
Wir selbst sind unser schlimmster Feind.
Wir selbst überwachen uns am stärksten.
Freiwillig!
Wir liefern schön artig unsere Schlafzyklen ab.
Wir lassen unsere Schritte zählen.
Teilen großzügig der Welt mit, wann wir Sex haben weil unser smartes Thermostat einen Anstieg der Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer feststellt, posten unseren Blutdruck durch unser „Fitness“-Armband, vermessen unseren Blutzuckerspiegel durch smarte Kontaktlinsen und sagen wirklich ständig wann wir wo sind durch die Geodaten, die wir mit Fotos teilen oder durch die Routenberechnung mit GoogleMaps in unseren Smartphones.
Und noch mehr:
Wir liefern die Bilder unserer eigenen Heimüberwachungskameras freiwillig ab, damit diese von Gesichtserkennungsprogrammen ausgewertet werden und misbraucht werden können.

Sind wir denn noch zu retten?

Ja.
Ich bin überzeugt davon, denn ich habe Ideen und Gedanken dazu, wie wir uns selbst retten können.
Denn genauso wir selbstverschuldet in diesen Überwachungsalbtraum eingetaucht sind, genauso können wir uns selbstverantwortlich daraus befreien.
Und ich kann euch dabei helfen.