Wozu brauche ich denn eine Privatsphäre?

“Wozu brauche ich denn Privatsphäre?”

Diese Frage taucht oft im Anschluss an meine Gedanken zum Thema “Ich hab doch nix zu verbergen!” auf.
Ich will hier einige Anregungen dafür geben, wozu wir unsere Privatsphäre brauchen und warum ich glaube, dass wir ohne unsere Privatsphäre nicht wir selbst wären.
Jeder von uns braucht einen geistigen Sandkasten, in welchem Ideen betrachtet werden können, ohne dass hier von außen Einfluss genommen werden kann. Wir brauchen ein Labor in welchem wir mit Gefühlen und Gedanken experimentieren können, ohne dafür Rechenschaft ablegen zu müssen. Dieser Freiraum gibt uns Kraft unsere Identität zu bewahren.

Individualität

Ich bin überzeugt davon, dass wir ohne unsere Privatsphäre keine Individualität entwickeln, bzw. leben können. Wenn alles über uns bekannt ist, dann können wir keine eigenständige Persönlichkeit entwickeln.
Eigene Gedanken, eigene Ideen, ein eigener Kopf entwickelt sich nicht im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Hierzu bedarf des dem Kerzenschein der Heimlichlichkeit. Ganz nebenbei wird uns dies sogar in Artikel 2 des Grundgesetzes mitgegeben.

Entwicklung

Neben der Entfaltung der eigenen Individualität (oh, ein schöner Pleonasmus, fällt mir gerade dabei auf 🙂 ), findet auch Wachstum, Wandel und Entwicklung nur im heimlichen Raum der Privatsphäre statt. Das bringt auch Stephen Fearing in seinem Song “Me & Mr. Blue” schön zum Ausdruck: “Changes always happen best in privacy”.
Wenn wir überwacht werden und unsere Privatsphäre immer weiter eingeschränkt wird, ist für uns einfach keine Entwicklung mehr möglich. Wir werden blasse Kopien der vermeintlichen Idealvorstellungen, die uns durch Medien, Werbung und Gesellschaft vorgehalten werden.

Freier Wille

Wenn alles von uns bekannt ist, wenn jede unserer Entscheidungen öffentlich gemacht ist, haben wir auch keine Möglichkeit mehr uns frei zu entscheiden.
Wenn wir uns lediglich an Recht und Gesetz halten können, weil jede unserer davon abweichenden Handlungen als falsch vorgeworfen und entsprechend geahndet wird, nimmt uns dies unseren freien Willen. Eine Handlung, die nur in dieser Form ausgeführt wird, weil wir wissen, dass wir überwacht werden, verliert jeden Anspruch daran, gut zu sein.
Die Entscheidung, ob etwas richtig oder falsch ist liegt in unserem eigenen Ermessen und nicht darin, ob die Gesellschaft dies als richtig oder falsch festlegt. Wird uns dieser Ermessensspielraum dadurch genommen, dass wir keine Privatsphäre mehr haben, um diesen Ermessensspielraum auszuloten, dann verlieren wir auch unseren freien Willen und werden zu reinen Befehlsempfängern degradiert.

Kreativität

Nur im sicheren Raum unserer Privatsphäre ist Kreativität möglich.
Neue Ideen müssen im Geheimen entstehen. Die Öffentlichkeit unterdrückt ungewöhnliche Gedanken und kopiert lieber allseits Bekanntes. Wenn kein Raum für unpopuläre Ideen vorhanden ist, wird der Mainstream einfach immer wieder in einer neuen Verkleidung hochstilisiert.
Das ist langweilig.  Das bringt uns nicht weiter.
Wirklich Neues entsteht nur im Privaten. Wird aber eine neue Idee gleich an die Öffentlichkeit gezerrt, weil es einfach keine Privatsphäre mehr gibt, ist diese gleich dem Vergleich mit dem Mainstream ausgesetzt und hat hier nur, als junge, ungezähmte Idee, wenig Kraft sich zu entwickeln. Wächst diese Idee jedoch in einem geschützten und geheimen Bereich der Privatsphäre heran, so ist sie kräftig genug, um sich freiwillig der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Schutz vor Manipulierbarkeit

Unsere Privatsphäre ist auch ein stabiler Schutzwall gegen die immer stärker zunehmende Manipulation unseres Lebens, unserer Entscheidungen. Datensammler versuchen unsere Privatsphäre immer stärker einzuschränken, damit sie immer bessere Profile von uns erstellen können. Diese Profile geben mehr und bessere Ansatzpunkte, um uns zu manipulieren.
Wenn wir jedoch unsere Privatsphäre stärken indem wir weniger über uns preisgeben, schützen wir uns vor desen Manipulationsversuchen.

“Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.”

Was können wir jetzt jedoch konkret tun, um unsere Privatsphäre zu schützen?
Mein Tipp heute lautet:
Seid datensparsam!

  • Überlegt, bevor ihr etwas postet.
  • Überlegt, ob es notwendig ist.
  • Überlegt, ob es hilfreich ist.
  • Überlegt, ob es freundlich ist.

Und falls eines davon nicht zutrifft, halte ich mich eben an Oscar Wilde:
“Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.”

Wozu brauche ich denn eine Privatsphäre?

“Wozu brauche ich denn Privatsphäre?”

Diese Frage taucht oft im Anschluss an meine Gedanken zum Thema Ich habe doch nix zu verbergen! auf.
Ich will hier einige Anregungen dafür geben, wozu wir unsere Privatsphäre brauchen und warum ich glaube, dass wir ohne unsere Privatsphäre nicht wir selbst wären.
Jeder von uns braucht einen geistigen Sandkasten, in welchem Ideen betrachtet werden können, ohne dass hier von außen Einfluss genommen werden kann.
Wir brauchen ein Labor in welchem wir mit Gefühlen und Gedanken experimentieren können, ohne dafür Rechenschaft ablegen zu müssen.
Dieser Freiraum gibt uns Kraft unsere Identität zu bewahren.

Individualität

Ich bin überzeugt davon, dass wir ohne unsere Privatsphäre keine Individualität entwickeln, bzw. leben können.
Wenn alles über uns bekannt ist, dann können wir keine eigenständige Persönlichkeit entwickeln.
Eigene Gedanken, eigene Ideen, ein eigener Kopf entwickelt sich nicht im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.
Hierzu bedarf des dem Kerzenschein der Heimlichlichkeit.
Ganz nebenbei wird uns dies sogar in Artikel 2 des Grundgesetzes mitgegeben.

Entwicklung

Neben der Entfaltung der eigenen Individualität (oh, ein schöner Pleonasmus, fällt mir gerade dabei auf 🙂 ), findet auch Wachstum, Wandel und Entwicklung nur im heimlichen Raum der Privatsphäre statt.
Das bringt auch Stephen Fearing in seinem Song “Me & Mr. Blue” schön zum Ausdruck:

“Changes always happen best in privacy”.

Wenn wir überwacht werden und unsere Privatsphäre immer weiter eingeschränkt wird, ist für uns einfach keine Entwicklung mehr möglich.
Wir werden blasse Kopien der vermeintlichen Idealvorstellungen, die uns durch Medien, Werbung und Gesellschaft vorgehalten werden.

Freier Wille

Wenn alles von uns bekannt ist, wenn jede unserer Entscheidungen öffentlich gemacht ist, haben wir auch keine Möglichkeit mehr uns frei zu entscheiden.
Wenn wir uns lediglich an Recht und Gesetz halten können, weil jede unserer davon abweichenden Handlungen als falsch vorgeworfen und entsprechend geahndet wird, nimmt uns dies unseren freien Willen.
Eine Handlung, die nur in dieser Form ausgeführt wird, weil wir wissen, dass wir überwacht werden, verliert jeden Anspruch daran, gut zu sein.
Die Entscheidung, ob etwas richtig oder falsch ist liegt in unserem eigenen Ermessen und nicht darin, ob die Gesellschaft dies als richtig oder falsch festlegt.
Wird uns dieser Ermessensspielraum dadurch genommen, dass wir keine Privatsphäre mehr haben, um diesen Ermessensspielraum auszuloten, dann verlieren wir auch unseren freien Willen und werden zu reinen Befehlsempfängern degradiert.

Kreativität

Nur im sicheren Raum unserer Privatsphäre ist Kreativität möglich.
Neue Ideen müssen im Geheimen entstehen. Die Öffentlichkeit unterdrückt ungewöhnliche Gedanken und kopiert lieber allseits Bekanntes.
Wenn kein Raum für unpopuläre Ideen vorhanden ist, wird der Mainstream einfach immer wieder in einer neuen Verkleidung hochstilisiert.
Das ist langweilig. 
Das bringt uns nicht weiter.
Wirklich Neues entsteht nur im Privaten.
Wird aber eine neue Idee gleich an die Öffentlichkeit gezerrt, weil es einfach keine Privatsphäre mehr gibt, ist diese gleich dem Vergleich mit dem Mainstream ausgesetzt und hat hier nur, als junge, ungezähmte Idee, wenig Kraft sich zu entwickeln.
Wächst diese Idee jedoch in einem geschützten und geheimen Bereich der Privatsphäre heran, so ist sie kräftig genug, um sich freiwillig der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Schutz vor Manipulierbarkeit

Unsere Privatsphäre ist auch ein stabiler Schutzwall gegen die immer stärker zunehmende Manipulation unseres Lebens, unserer Entscheidungen.
Datensammler versuchen unsere Privatsphäre immer stärker einzuschränken, damit sie immer bessere Profile von uns erstellen können.
Diese Profile geben mehr und bessere Ansatzpunkte, um uns zu manipulieren.
Wenn wir jedoch unsere Privatsphäre stärken indem wir weniger über uns preisgeben, schützen wir uns vor desen Manipulationsversuchen.

“Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.”

Was können wir jetzt jedoch konkret tun, um unsere Privatsphäre zu schützen?
Mein Tipp heute lautet:
Seid datensparsam!

  • Überlegt, bevor ihr etwas postet.
  • Überlegt, ob es notwendig ist.
  • Überlegt, ob es hilfreich ist.
  • Überlegt, ob es freundlich ist.

Und falls eines davon nicht zutrifft, halte ich mich eben an Oscar Wilde:

“Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.”

Zwischenruf: I want privacy peace!

Ich bin dieser Kriegsrhetorik so müde.
Crypto War, Informationskrieg.
Ich will nicht in dem ständigen Gefühl leben, ich sei in einem Krieg.
Ich hab so die Schnauze voll, dass beide Seiten – seien es die Privatsphären-Befürworter oder die Seite welche die Privatsphäre immer stärker einschränkt – solche furchtbaren Worte wählt.
Ich will einfach nur leben. In aller Ruhe. Ohne Überwachung.
Aber wenn ich Mittel der Gewalt (und dazu gehört Krieg nun einmal) befürworte, dann habe ich schon verloren.
Es gibt eine friedliche Lösung für diesen Konflikt.
Und für mich heißt dies passiver Widerstand.
Ich beteilige mich an keinem Krieg, egal für welches Ziel.
Wenn ich Krieg als Lösung meiner Probleme wähle, habe ich bereits verloren.

Zwischenruf: I want privacy peace!

Ich bin dieser Kriegsrhetorik so müde.
Crypto War, Informationskrieg.
Ich will nicht in dem ständigen Gefühl leben, ich sei in einem Krieg.
Ich hab so die Schnauze voll, dass beide Seiten – seien es die Privatsphären-Befürworter oder die Seite welche die Privatsphäre immer stärker einschränkt – solche furchtbaren Worte wählt.
Ich will einfach nur leben.
In aller Ruhe.
Ohne Überwachung.
Aber wenn ich Mittel der Gewalt (und dazu gehört Krieg nun einmal) befürworte, dann habe ich schon verloren.
Es gibt eine friedliche Lösung für diesen Konflikt.
Und für mich heißt dies passiver Widerstand.
Ich beteilige mich an keinem Krieg, egal für welches Ziel.
Wenn ich Krieg als Lösung meiner Probleme wähle, habe ich bereits verloren.

Wozu brauche ich denn Privatsphäre – ich hab doch nix zu verbergen!

Als Begründung für den fragwürdigen Umgang mit den eigenen Daten höre ich immer wieder das Argument “Ich habe doch nichts zu verbergen!”. An dieser Stelle schüttele ich regelmäßig voller Verwirrung meinen Kopf und ich überlege, ob ich hier möglicherweise einfach sehr stur oder sehr uneinsichtig bin. Bisher habe ich für mich jedes Mal dieselbe Antwort gefunden. Nein, ich bin nicht uneinsichtig und ja, ich habe weiterhin etwas zu verbergen.
Ich will hier einige Punkte aufzeigen, die hoffentlich verdeutlichen, warum ich die Aussage “Ich habe doch nichts zu verbergen!” für kurzsichtig, ja sogar für gefährlich halte.
Wenn jemand sagt “Ich habe doch nix zu verbergen!”, zeigt sie oder er auf den ersten Blick zwei Dinge:

  1. Sie (oder er) handeln nach seiner (oder ihrer) Überzeugung entsprechend der geltenden Regeln und Konformismen.
  2. Er (oder sie) will ein leuchtendes Vorbild an Transparenz sein.

Das sind beides beachtenswerte Ansichten.
Nur glaube ich nicht, dass es tatsächlich so ist.

Nichts zu verbergen, weil regelkonform

Ich halte es schlicht für unmöglich, dass sich ein Mensch an alle (zumal diese sich oft genug widersprechen) Regeln und Konformitäten halten kann.
Jedem von uns ist schon mehr oder weniger häufig ein Regelverstoß vor die Füße gefallen. Und möglicherweise hält dieser Mensch dies auch gar nicht für maßgeblich, da ihm (oder ihr) dieser Regelverstoß gar nicht aufgefallen ist. Es kann auch sein, dass dieser Regelverstoß in die persönliche Grauzone von “ach das ist jetzt aber nicht so schlimm” fällt und daher garnicht als ein solcher betrachtet wird.
Das Blöde bei einem Fehlen der Privatsphäre aber ist, dass es hier einfach keine Grauzone mehr gibt. Alles ist öffentlich. Alles wird nur nach Regeln und Gesetzen bewertet, die eigene Einschätzung einer Situation hat keine Bedeutung mehr.
Da ist halt das kurze Halten im Halteverbot ein Verstoß gegen die Gesetze.
Da ist das Fußballspielen auf der Wiese ein Regelverstoß.
Es gibt einfach keine persönliche Grauzone mehr, in der man sich selbst ausloten kann. Wenn kein Raum für Privatsphäre da ist, gibt es auch keinen Raum für persönliche Entscheidung.

Vollkommene Transparenz

Vollkommene Transparenz zu leben ist eine furchtbare Dystopie.
Ich denke, dass jeder der versucht dies zu erreichen, zum Scheitern verurteilt ist. Niemand kann vollkommene Transparenz leben. Es ist schlicht unmöglich, weil wir einfach unsere Umwelt mit unseren Eindrücken, Ideen, Gedanken und Gefühlen überfluten würden.
Was aber noch viel wichtiger ist, wir können einfach nicht alles von uns preisgeben, da wir sonst uns selbst preisgeben würden.
Wir brauchen unsere Privatsphäre einfach dafür, um zu sein.
Wir können uns nur in einem Raum entwickeln, in dem wir ganz wir selbst sein können. Wir brauchen unsere Geheimnisse, wir brauchen unsere Abgründe, die sonst niemand kennt.

Freier Wille

Ein weiterer Grund für die Notwendigkeit einer Privatsphäre ist der freie Wille.
Wenn alles über uns bekannt ist, haben wir keine Wahl mehr uns für das Richtige zu entscheiden.
Wir können uns dann nicht mehr entscheiden, bei Rot über die Ampel zu gehen, weil es sofort öffentlich bekannt sein würde, dass wir einen Regelverstoß begangen haben.
Und dieses Wissen, dass alles öffentlich ist, was wir tun, zwingt uns dazu, uns regelkonform zu verhalten. Wir müssten uns immer an alle Regeln und Gesetze halten und hätten einfach nicht mehr die Möglichkeit, uns – und sei es nur insgeheim – abseits der erlaubten Pfade zu bewegen.
Es besteht einfach keine Wahlfreiheit mehr für uns, uns richtig oder falsch zu verhalten. Dadurch wird regelkonformes Verhalten zum Zwang und wenn hier Zwang als Grund für das Verhalten vorliegt, ist es nicht mehr gut, weil eben die Wahl, das Richtige zu tun fehlt.
Es geht noch weiter: Unsere Demokratie wäre ad absurdum geführt.
Freie, geheime Wahlen wäre nicht mehr möglich. Jeder wüsste, wen und ob wir gewählt haben. Das wäre das Ende unserer frei gewählten Gesellschaftsform.
Zum Abschluss meiner Gedanken möchte ich noch einen ganz konkreten und pragmatischen Hinweis auf die Notwendigkeit von Privatsphäre geben: Passworte.
Wir alle nutzen Passworte und niemand kommt auf die Idee, diese Passworte öffentlich zu machen.

Verbirg deine Geheimnisse!

Also schließe ich mit den Worten:
Wir haben alle etwas zu verbergen.
Darum meine eindringliche Bitte an euch, macht euch stark für eure Privatsphäre und beginnt mit starken Passworten. Vielleicht, indem ihr einen Passwort-Manager wie Master Password oder KeePassX verwendet.

Wozu brauche ich denn Privatsphäre – ich hab doch nix zu verbergen!

Als Begründung für den fragwürdigen Umgang mit den eigenen Daten höre ich immer wieder das Argument “Ich habe doch nichts zu verbergen!”.
An dieser Stelle schüttele ich regelmäßig voller Verwirrung meinen Kopf und ich überlege, ob ich hier möglicherweise einfach sehr stur oder sehr uneinsichtig bin.
Bisher habe ich für mich jedes Mal dieselbe Antwort gefunden.
Nein, ich bin nicht uneinsichtig und ja, ich habe weiterhin etwas zu verbergen.
Ich will hier einige Punkte aufzeigen, die hoffentlich verdeutlichen, warum ich die Aussage

“Ich habe doch nichts zu verbergen!”

für kurzsichtig, ja sogar für gefährlich halte.
Wenn jemand sagt

“Ich habe doch nix zu verbergen!”

, zeigt sie oder er auf den ersten Blick zwei Dinge:
1. Sie (oder er) handeln nach seiner (oder ihrer) Überzeugung entsprechend der geltenden Regeln und Konformismen.
2. Er (oder sie) will ein leuchtendes Vorbild an Transparenz sein.

Das sind beides beachtenswerte Ansichten.
Nur glaube ich nicht, dass es tatsächlich so ist.

Nichts zu verbergen, weil regelkonform

Ich halte es schlicht für unmöglich, dass sich ein Mensch an alle (zumal diese sich oft genug widersprechen) Regeln und Konformitäten halten kann.
Jedem von uns ist schon mehr oder weniger häufig ein Regelverstoß vor die Füße gefallen.
Und möglicherweise hält dieser Mensch dies auch gar nicht für maßgeblich, da ihm (oder ihr) dieser Regelverstoß gar nicht aufgefallen ist.
Es kann auch sein, dass dieser Regelverstoß in die persönliche Grauzone von “ach das ist jetzt aber nicht so schlimm” fällt und daher garnicht als ein solcher betrachtet wird.
Das Blöde bei einem Fehlen der Privatsphäre aber ist, dass es hier einfach keine Grauzone mehr gibt.
Alles ist öffentlich.
Alles wird nur nach Regeln und Gesetzen bewertet, die eigene Einschätzung einer Situation hat keine Bedeutung mehr.
Da ist halt das kurze Halten im Halteverbot ein Verstoß gegen die Gesetze.
Da ist das Fußballspielen auf der Wiese ein Regelverstoß.
Es gibt einfach keine persönliche Grauzone mehr, in der man sich selbst ausloten kann.
Wenn kein Raum für Privatsphäre da ist, gibt es auch keinen Raum für persönliche Entscheidung.

Vollkommene Transparenz

Vollkommene Transparenz zu leben ist eine furchtbare Dystopie.
Ich denke, dass jeder der versucht dies zu erreichen, zum Scheitern verurteilt ist.
Niemand kann vollkommene Transparenz leben.
Es ist schlicht unmöglich, weil wir einfach unsere Umwelt mit unseren Eindrücken, Ideen, Gedanken und Gefühlen überfluten würden.
Was aber noch viel wichtiger ist, wir können einfach nicht alles von uns preisgeben, da wir sonst uns selbst preisgeben würden.
Wir brauchen unsere Privatsphäre einfach dafür, um zu sein.
Wir können uns nur in einem Raum entwickeln, in dem wir ganz wir selbst sein können.
Wir brauchen unsere Geheimnisse, wir brauchen unsere Abgründe, die sonst niemand kennt.

Freier Wille

Ein weiterer Grund für die Notwendigkeit einer Privatsphäre ist der freie Wille.
Wenn alles über uns bekannt ist, haben wir keine Wahl mehr uns für das Richtige zu entscheiden.
Wir können uns dann nicht mehr entscheiden, bei Rot über die Ampel zu gehen, weil es sofort öffentlich bekannt sein würde, dass wir einen Regelverstoß begangen haben.
Und dieses Wissen, dass alles öffentlich ist, was wir tun, zwingt uns dazu, uns regelkonform zu verhalten.
Wir müssten uns immer an alle Regeln und Gesetze halten und hätten einfach nicht mehr die Möglichkeit, uns – und sei es nur insgeheim – abseits der erlaubten Pfade zu bewegen.
Es besteht einfach keine Wahlfreiheit mehr für uns, uns richtig oder falsch zu verhalten.
Dadurch wird regelkonformes Verhalten zum Zwang und wenn hier Zwang als Grund für das Verhalten vorliegt, ist es nicht mehr gut, weil eben die Wahl, das Richtige zu tun fehlt.
Es geht noch weiter: Unsere Demokratie wäre ad absurdum geführt.
Freie, geheime Wahlen wäre nicht mehr möglich.
Jeder wüsste, wen und ob wir gewählt haben.
Das wäre das Ende unserer frei gewählten Gesellschaftsform.
Zum Abschluss meiner Gedanken möchte ich noch einen ganz konkreten und pragmatischen Hinweis auf die Notwendigkeit von Privatsphäre geben:
Passwörter.
Wir alle nutzen Passworte und niemand kommt auf die Idee, diese Passworte öffentlich zu machen.

Verbirg deine Geheimnisse!

Also schließe ich mit den Worten:
Wir haben alle etwas zu verbergen.
Darum meine eindringliche Bitte an euch, macht euch stark für eure Privatsphäre und beginnt mit starken Passworten.
Vielleicht, indem ihr einen Passwort-Manager wie KeePassX verwendet.

Lachend ins Jahr 2016

Dieses Jahr beginne ich mit einem Thema abseits meiner privatsphären-zentrierten Schreibe. Heute beschäftige ich mich mit meinem Jahreswechsel und wie ich diesen verbracht habe.
Mein Plan war, einen ganz ruhigen Abend mit gutem Essen und inspirierender Begleitung zu verbringen.
Gut, eins aus drei ist doch ein ganz ordentliches Verhältnis – vor allem, wenn der eine Punkt sowieso alles andere aufwiegt.
Dennoch will ich über die Punkte eins und zwei hier schreiben. Zum einen, um mir das von der Seele zu schreiben. Zum anderen dient es vielleicht anderen ruhesuchenden Jahreswechslern bei der Suche für eine Jahreswechsel-Lokation.
Ich hatte geplant den Jahreswechsel im beschaulichen Kloster Eberbach zu verbringen. Und das ist es wirklich: beschaulich.
Mein eindringlicher Tipp lautet gleich zu Beginn: schaut es euch an. Ist wirklich toll hier!
Aber der hauptsächliche Grund für meine Anreise war nun mal der Wunsch nach einem ruhigen Abend mit einem guten Essen.
Es fing auch ganz entspannt in schönem Ambiente an. Die Klosterschänke ist wirklich gemütlich und unser Tisch am Rand des Raumes gab mir einen schönen Überblick.
Der Korb mit Brötchen und zwei verschiedenen Aufstrichen rettete mich auch zunächst vor dem spontanen Hungerkoma, in welches ich zu stürzen drohte, da sich der Beginn der Veranstaltung von prognostizierten 19 Uhr auf 19:45 Uhr verschob.
Leider verstärkte sich mein erster schlechter Eindruck beim Gruß aus der Küche weiter. Dieser landete recht grußlos auf unserem Tisch. Ich war mir zunächst nicht bewusst, dass dies nicht die Vorspeise sondern eben erst der Gruß aus der Küche war. Zugegeben, mein Fehler. Ein Scheibchen Forellenpastetchen verwechsle ich halt schon mal leicht mit Zweierlei von der heimischen Forelle ;).

Die Vorspeise

Nunja, es wurde schnell klar, dass es sich um das Amuse Bouche gehandelt haben musste, als das “Zweierlei von der Forelle” auf- der leere Teller für den Küchengruß jedoch nicht abgetischt wurde.
Kann ja mal übersehen werden. So dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch. Das Servicepersonal muss sich erstmal warmlaufen.
Apropos warmlaufen. das hat das Servicepersonal viel getan: gelaufen. Zwar eher ziel- und orientierungslos, aber für eine läuferische Bestnote hätte es mehr als gereicht, wenn es ums “Kilometergeld” gegangen wäre.

Die Suppe

Nach einer gefühlten Ewigkeit – zeitlich tatsächlich gemessenen halben Stunde – (zum Glück wurde ich gut mit weiteren Brötchen versorgt) wurde dann auch die Steinpilzgemüsebrühe – oh, Verzeihung: die Essenz vom Taunus Steinpilz – gereicht (der Teller vom Amuse Gueule stand immernoch einsam auf unserem Tisch). Jetzt war bei mir der erste Moment von Fassungslosigkeit erreicht. Eine Essenz? Eine Essenz?! Das war eine Gemüsebrühe mit Steinpilzaroma! Essentiell bereichert hat sie diesen Silvesterabend definitiv nicht.

Der Fisch

Weiter im Text. Tatsächlich, denn es hat sich nichts geändert. Der Service weiterhin kopflos seine Runden drehend und wieder eine gefühlte Ewigkeit zum nächsten Gang. Der Dorsch auf Rahmwirsing war an dieser Stelle jetzt endlich ein Lichtblick, der mir neue Hoffnung gab. Dieser Gang war tatsächlich gut. Ich möchte diesen Gang hier ausdrücklich lobend erwähnen.

Das Sorbet

Nach der mittlerweile üblichen halben Stunde wurde vom Service der Zwischengang, das Sorbet Royal kredenzt. Sorbet Royal denke ich mir. Royal weckt große Erwartungen in Zusammenhang mit einem Sorbet. Gut, die Küche hat es wiederum geschafft, meine großen Erwartungen tief zu enttäuschen. Das war kein Sorbet. Mit gutem Willen, der mir an dieser Stelle langsam abhanden kam, könnte ich dieses kulinarische Experiment als akzeptabel für ein viertklassiges Vereinsheim halten. Tatsächlich präsentiert sich die Klosterschänke nicht in dieser Liga und daher halte ich eine Kugel Waldbeereis in einem halben Glas Weisswein als vollkommen inakzeptabel.
Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits beschlossen, dass wir auf das Dessert-Buffet verzichten werden, denn eine Mousse au Chocolat, die nach prognostizierten vier Stunden “Lagerung im Warmen” – also mittem im Lokal – verspeist werden kann, kann nichts taugen. Punkt. Und dieses Dessert-Buffet bereits zu Beginn der Veranstaltung aufzubauen, halte ich obendrein für fragwürdig.

Der Hauptgang

Dennoch hatten wir beschlossen, dem Hauptgang – Hirsch an einer Burgunder-Glace – noch eine Chance zu geben.
Alle bisherigen Erfahrungen lachend (denn gelacht haben wir an diesem Abend sehr viel) in den Wind geschlagen, habe ich meine Hoffnungen auf die Burgunder-Glace gesetzt.
Eine Glace. Respekt. Eine Sauce mit Ritterschlag. Ich war gespannt. Und wurde wieder herb enttäuscht. Nicht nur war die Glace eine zu stark gebundene, dunkle Tütensoße. Obendrein war das Gemüse kalt und noch nicht einmal die gleiche Zusammenstellung wie auf dem Teller meiner inspirierenden Begleitung.
Darüber hinaus war “Zweierlei vom heimischen Hirsch” – sowohl als Gulasch als auch als Braten – nicht zu genießen. Das war mir inzwischen allerdings einerlei. Der Hirsch war so trocken gebraten, dass ich befürchtete, sofort zu vertrocknen, wäre es nicht dem wirklich guten (Lichtblick!) Klosterbier zu verdanken, welches sich aufopfernd in meinen verdorrenden Rachen ergoß.
An diesem Punkt haben wir den Abend vorzeitig mit Begleichen der nicht unerheblichen Rechnung beschlossen.
Meine inspirierende Begleitung und ich sind unabhängig voneinander zu der Überzeugung gelangt, dass der gesamte Abend etwa vierfach überteuert war.

Und das war nur der kulinarische Teil.

Ich habe hier noch nicht vom vollkommen fehlgeschlagenen akustischen Ambiente (die sanfte Pianomusik war ein überengagierter Klavierspieler, der verzweifelt gegen die immer lauter werdende prunksitzungsartige Stimmung und Lautstärke der Gäste anspielte) geschrieben. Der vollkommen überforderte Service (der Teller vom Gruß aus der Küche stand, als wir das Lokal verließen, immer noch auf unserem Tisch) war zwar nicht in der Lage, eine Eskalation der Situation zu verhindern, zumindest kam einer Servicekraft die Frage über die Lippen, ob wir tatsächlich noch vor dem Dessert (vollmundig angekündigt als “Edle Süssigkeiten” o.ä.) gehen wollten? Auch ohne Kaffee?
Unser “Ja” als Antwort kam von Herzen – ganz im Gegenteil zu dem beim jeweiligen Abservieren leise hingenuschelten “och hm” – auf die Frage “Hat es Ihnen geschmeckt?” (Reminder für mich selbst und selbstgewählte Aufgabe für das nächste Mal: Mehr Ehrlichkeit – auch wenns weh tut 🙂 ).

Was ich aus dem Abend für mich mitnehme

Doch dieser Abend hat im gesamten einen positiven Eindruck bei mir hinterlassen:
Ich habe gelernt, über lächerliche Situationen zu lachen (und zu schreiben), ich bin vollkommen entspannt und ausgeschlafen in das Jahr 2016 gestartet und ich habe wieder festgestellt, dass ich in meinem Leben einfach nichts ernst nehme.
Nicht den Tisch voller Silver-Surfer, die einen solchen Abend in Begleitung ihrer dummen Smartphones verbringen, nicht den überforderten Service, nicht das schlechte Essen, noch nicht einmal mich selbst.
Und was ich noch gelernt habe:

I’m not gonna take it anymore!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen entspannten und lächerlichen Start in ein neues Jahr voller Lachen und lächerlicher Erlebnisse 🙂

Mein Tipp

Zum Abschluss noch ein einfacher Tipp zur digitalen Entgiftung und gleichzeitiger Schutz der eigenen Privatsphäre:
Lasst beim nächsten Mal, wenn ihr in Gesellschaft seid, z.B. bei einem guten Essen, eure digitalen Helferlein daheim.
Erlebt das Essen einfach einmal offline und ungetracked.